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 Volker Frechen




Wochenfotos 2015



  • Jahresuntergang
  • KW 53: Jahreswandel

    Wollen wir es passieren lassen, das Jahr und eine Revue dessen, was geschah?

    Wollen wir es geschehen lassen, das, was war und kommt und währenddessen bleibt?

    Wollen wir es bleiben lassen, das, was scheinbar muss und soll, und stattdessen möglich machen, was sein könnte?

    Wollen wir es sein lassen, das, was ist und währt, während anderes unterdessen vergärt?

    Wollen wir es gären und gewähren lassen, das, was will und wächst, und aufgrund dessen gilt?

    Wollen wir es gelten lassen, das Alte ziehen, das Neue kommen lassen, bevor es noch verjährt?

    Lassen wir es wollen,
    2015 soll sich trollen!

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  • klimawandeln
  • KW 52: Stimmungswandel

    Sie waren den Tränen nahe. Sie lagen sich in den Armen. Sie jubelten.

    Sie waren erschöpft, aber euphorisiert. Denn sie glaubten, Geschichte geschrieben zu haben.

    Nach zähen Verhandlungen, denen viele Gipfel des Scheiterns vorausgegangen waren, hatten sich die Delegierten diesmal auf einen Vertragstext verständigt.

    Das sog. Paris-Abkommen wurde am 12.12.2015 einstimmig von 195 Staaten angenommen.

    "Ein historisches Ereignis", kommentierte so mancher, "ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit":

    Der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen endlich beschlossene Sache. Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf ein Minimum begrenzt.

    Man war sich fast sicher. Man wollte es einfach glauben. Die Welt brauchte diese Hoffnung. Paris durfte nicht scheitern.

    Heute wissen wir es besser. Das Abkommen kam zu spät. Und es war nicht konkret genug. Außerdem zu unverbindlich.

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  • 4. Streich
  • KW 51: Tagein, tagaus (4/4)

    Als absehbar ist, dass die Tage der schwedischen Besatzung gezählt sind, wendet sich Timotheus Ritzsch mit einem Gesuch an die nun wieder zuständige kursächsische Regierung. Er möchte erwirken, dass ihm ein Privileg auf den Zeitungsdruck erteilt wird.

    Tatsächlich hat er Erfolg: Im August 1649 wird seinem Antrag stattgegeben, er erhält ein auf zehn Jahre angelegtes Privileg. Zeitgleich mit dem Abzug der schwedischen Truppen druckt er ab dem 01. Juli 1650 seine eigene Zeitung mit dem Titel „Einkommende Zeitungen“.

    Das Blatt erscheint nun an sechs, manchmal auch an sieben Tagen in der Woche – die erste Tageszeitung der Welt ist geboren. Jede Ausgabe umfasst in der Regel vier Seiten in einem Format von zirka 13,5 mal 17 Zentimeter. Die Auflage beträgt etwa 200 Exemplare.

    Allerdings bekommt Timotheus Ritzsch schon bald Konkurrenz: Der wieder eingesetzte Postmeister Christoph Mühlbach ist felsenfest davon überzeugt, dass die Zeitung in den Zuständigkeitsbereich der Post fällt – so wie dies in anderen Städten auch der Fall ist. Mit zahlreichen Eingaben versucht er die kursächsische Regierung von seiner Position zu überzeugen. Letztlich wird ihm ebenfalls ein Privileg erteilt, woraufhin er eine Zeitung mit etwa zwei Ausgaben pro Woche auf den Markt bringt.

    Beide ringen nun um die Gunst der Leser – und wohl auch um die des Kurfürsten. Der ist diese Auseinandersetzung bald leid: 1652 ordnet er eine Fusion der beiden Blätter an. Außerdem bestimmt er, dass die Zeitungsschreiber Moritz Pörner und Georg Kormart finanziell unterstützt werden.

    Die neue Zeitung heißt nun „L(eipziger) einkommende Ordinari- und Postzeitungen“ und hat vermutlich Bestand, bis 1659 das Timotheus Ritzsch erteilte Privileg ausläuft.

    Nun sieht Georg Kormart seine Stunde gekommen und versucht sich ab dem Spätsommer 1659 als Zeitungsverleger zu etablieren. Auch er gibt seine „Vollständige Leipz. Einkommende Post-Zeitungen“ täglich heraus.

    Als es Timotheus Ritzsch gelingt, sein Zeitungsprivileg um zwölf Jahre zu verlängern, erscheinen ab 1660 seine „Neu einlauffenden Nachrichten von Kriegs- und Welthändeln“. Zehn Jahre nach der Einführung der Tageszeitung bestehen damit zwei täglich erscheinende konkurrierende Blätter nebeneinander. Das wird es in Deutschland in keiner anderen Stadt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geben.

    1678 stirbt Timotheus Ritzsch. Der Verlust trifft die Familie schwer. Innerhalb von fünf Monaten sind Sabine Ritzsch, ihr ältester Sohn und nun auch noch Timotheus selbst verstorben.

    Mit „thränenden Augen und höcht-betrübten Gemüth“ verfasst sein Sohn Benjamin Christian einen Nachruf. Er ist der einzige Sohn, der die Eltern überlebt. Weitere (erhaltene) Nachrufe kommen von Timotheus’ Schwiegersohn Georg Heinrich Frommann und seinem Neffen (?) Tobias Heidenreich.

    Seine Zeitung aber bleibt bis 1921 bestehen, wenn auch unter anderem Namen (zuletzt: „Leipziger Zeitung“). Seine letzte Ruhstätte findet Timotheus Ritzsch auf dem Alten Johannisfriedhof. Dort, wo knapp 150 Jahre später auch Friedrich Arnold Brockhaus (1772-1823) beerdigt wird. Was die beiden verbindet: Sie haben auf jeweils ihre Art das Wissen in die Welt gebracht.


    [Zitat aus: B. C. Ritzsch (1677). Letzte Ehr- und Klageworte. Leipzig: Ritzsch.]

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  • 3. Streich
  • KW 50: Tagein, tagaus (3/4)

    Als Timotheus Ritzsch 1636 nach drei Jahren Walz seine Rückreise antritt, hat er nicht nur seine handwerklichen Fertigkeiten perfektioniert. Er hat in jeglicher Hinsicht seinen Horizont erweitert.

    Er hat erfahren, was und wer in den Metropolen Europas gedruckt wird. Er spricht ganz passabel Französisch, Italienisch, Niederländisch und vermutlich auch Englisch. Seine vielleicht wichtigste Erkenntnis: Wie wertvoll Informationen sind. Als Drucker lässt sich mit ihnen sogar Geld verdienen.

    Zurück in Leipzig arbeitet er wahrscheinlich übergangsweise in der Druckerei seines Vaters, vielleicht aber auch in der von Johann Hildebrand, dessen Tochter Sabine er kurze Zeit später heiratet. 39 Jahre werden die beiden „eine vergnügte Ehe“ führen, zwölf Kinder, acht Töchter und vier Söhne, werden sie auf die Welt bringen.

    1638 eröffnet Timotheus Ritzsch schließlich seine eigene Druckerei in der Leipziger Nikolaistraße. Er druckt anfangs vor allem theologische und juristische Literatur. Parallel dazu betreibt er einen Buchhandel, in dem „er die Schriften der vornehmsten Gottesgelehrten seiner Zeit“ vertreibt.

    Auch nutzt er seine Sprachkenntnisse, indem er verschiedene Werke ins Deutsche übersetzt und im Eigenverlag herausgibt. Wie sein Vater versucht er sich darüber hinaus im Verfassen von Gedichten und Liedern, wie das bereits erwähnte Jubel-Gedicht von 1640 zeigt.

    Dieses Spektrum an Tätigkeiten ist bei den Buchdruckern jener Zeit keine Seltenheit, ist es doch Ausdruck ihres beruflichen Selbstverständnisses: Sie fühlen sich weniger dem Handwerk, sondern mehr der Wissenschaft und Bildung verbunden.

    Doch Timotheus Ritzsch sticht mit seinem Können hervor – oder ist er einfach nur ein geschickter Geschäftsmann? Später wird er jedenfalls offizieller „Correspondenz-Secretär“ des Kurfürsten von Sachsen. Eine Anerkennung seiner Leistungen – wie es später in biographischen Skizzen heißt.

    Vermutlich steckt dahinter aber auch eine gute Portion strategisches Kalkül. Denn innerhalb der nächsten beiden Jahrzehnte entwickelt sich Timotheus Ritzsch in Leipzig zum Zeitungsmogul. Zunächst als autorisierter Drucker der schwedischen Besatzungsmacht, dann als Herausgeber in eigener Verantwortung. Und dass die Presse einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die öffentliche Meinung hat, ist den Mächtigen jener Zeit auch damals schon bewusst.

    Die Zeitung erfunden hat Timotheus Ritzsch nicht. Er kann noch nicht einmal behaupten, sie nach Leipzig gebracht zu haben. Denn bereits in den 1630er Jahren findet sich dort eine regelmäßig erscheinende, gedruckte Zeitung, die ab 1636 „Einkommende Wochentliche Zeitungen“ heißt.

    Als Herausgeber kommen einerseits der damalige Postmeister Johann Sieber (bis 1633) und sein Nachfolger Christoph Mühlbach in Betracht. Andererseits die offiziell als Zeitungsschreiber privilegierten Moritz Pörner und Georg Kormert. Mit mindestens 259 Ausgaben im Jahr 1636, also mit bis zu fünf Ausgaben pro Woche, ist der Sprung zur Tageszeitung ist nicht mehr weit.

    Doch nach ein paar Jahren wendet sich das Blatt. Ende 1642 kommt es zu einer weiteren Schlacht bei Breitenfeld, aus der die schwedische Armee als Sieger hervorgeht. Leipzig wird besetzt. Der Postmeister Johann Mühlbach wird in Folge dessen seines Amtes enthoben, Moritz Pörner und Georg Kormert verlieren ihr Zeitungsprivileg. Es ist Zeit für frischen (schwedischen) Wind und damit auch für eine neue Zeitung.

    Ab 1643 druckt Timotheus Ritzsch die „Wöchentliche Zeitung“, das Organ des Schwedischen Posthauses. Mit vier bis fünf Ausgaben pro Woche erscheint sie in einer vergleichbaren Frequenz wie ihre Vorgängerin.

    Die schwedische Besatzung bringt einerseits ein wenig Ruhe und Stabilität in die Stadt. Die Leipziger Messe kann weiterhin stattfinden, der Universitätsbetrieb wird aufrechterhalten und die Postverbindung bleibt bestehen.

    Doch fordert sie auch ihren Tribut: Die ohnehin schon klamme Stadtkasse wird durch Forderungen der Besatzer über Gebühr belastet. Den Bürgern der Stadt wird die Versorgung der Truppe abverlangt. Hunger und Elend nehmen von Jahr zu Jahr zu. Die Einwohnerzahl schrumpft innerhalb der achtjährigen Besatzung um ein Drittel auf 12.000 Personen.

    Im Juni 1645 beginnen zwar die Friedensverhandlungen zwischen den Kriegsparteien, bis zum „Westfälischen Frieden“ vergehen aber noch mehr als drei Jahre. Auch hier kommt Timotheus Ritzsch wieder zum Zuge: Er zählt zu den fünf Druckern im Reich, auf deren Konto die meisten gedruckten Exemplare der Friedensvereinbarungen gehen. Was den Abzug der Schweden anbelangt, sind weitere Verhandlungen erforderlich, die erst im Mai 1649 beginnen.


    [Zitate aus C. F. Geßner et al. (1741). Der so nöthig als nützlichen Buchdruckerkunst und Schriftgießerey. Dritter Theil.]

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  • 2. Streich
  • KW 49: Tagein, tagaus (2/4)

    Am Johannistag des Jahres 1640 versammelt sich die Leipziger Buchdruckerzunft im Hause von Gregor Ritzsch (1584–1643). Alles ist feierlich geschmückt. Ein „Dank- Lob- und Jubelfest“ wollen sie zelebrieren, zu Ehren „der edlen, weltberühmten und hochnützlichen Buch-Trucker-Kunst“.

    200 Jahre ist es nun her, dass Johannes Gutenberg (um 1400–1468) den Buchdruck revolutionierte. Ein würdiger Anlass für ein Fest – in unwürdigen Zeiten. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) tobt in Europa.

    Leipzig ist seit 1631 mehrfach belagert und mal von schwedischen, mal von kaiserlichen Truppen besetzt worden. Schwere Kämpfe wurden in der Nähe der Stadt ausgetragen. Keine zehn Kilometer entfernt 1631 die Schlacht bei Breitenfeld mit schätzungsweise 12.000 Toten und Verletzten. 1632 dann die Schlacht bei Lützen, auch nur rund zwanzig Kilometer entfernt. Im letzten Jahr dann wieder eine blutige Auseinandersetzung im hundert Kilometer entfernten Chemnitz. Die Zeiten könnten unruhiger kaum sein.

    Doch die Leipziger Buchdruckerherren und -gesellen trotzen an diesem 24. Juni dem Krieg. Heute sollen Freude und Dankbarkeit das Tagesgeschehen beherrschen. Es wird gesungen und gebetet. Es gibt ein Festmahl. Grußworte von nah und fern werden verlesen.

    Auch Timotheus Ritzsch (1614–1678), der Sohn des Gastgebers, hat ein Gedicht verfasst, ein Hoch auf die Buchdruckerkunst. Darin zum Ausdruck kommt auch seine Hoffnung auf Frieden: „Und bittet, dass die Kunst einst möge wieder blühen! Dass Mars mit seiner Schar von hinnen müsse ziehen!“. Acht Jahre werden vergehen, bis er die Beschlüsse des „Westfälischen Friedens“ drucken wird.

    Timotheus Ritzsch ist wie sein Vater Buchdrucker mit eigener Druckerei in Leipzig. Kein anderer Beruf hat ihm zugesagt: „Es mögen andere nach schnöden Dingen jagen! Mir soll ein schönes Buch und diese Kunst behagen!“, bekennt er pathetisch. Und tatsächlich vollbringt er mit seiner Druckerpresse aus heutiger Sicht etwas Großes. Denn Timotheus Ritzsch gibt die erste Tageszeitung der Welt heraus.

    Geboren wird Timotheus Ritzsch am 24. Januar 1614 in Leipzig. Er ist eins von acht Kindern des Buchdruckers Gregor Ritzsch und seiner Frau Christina, geborene Schuhmann. Der aus Böhmen stammende Gregor Ritzsch war nach dem frühen Tod seines Vaters 1600 nach Leipzig geschickt worden, um bei seinem Onkel (oder Vetter) Michael Lantzenberger eine Ausbildung als Buchdrucker zu absolvieren.

    1624 eröffnet der inzwischen vierzigjährige Gregor Ritzsch seine eigene Druckerei, die er bis zu seinem Tod 1643 betreiben wird. Sein Sohn Timotheus zeigt von klein auf Interesse an der Buchdruckerei. So liegt es nahe, dass er bei seinem Vater in die Lehre geht.

    Nach erfolgreichem Abschluss begibt er sich 1633 mit 19 Jahren auf die Wanderschaft, wie es die Zunft will. Kein Spaziergang – in Zeiten des Krieges. Nicht nur in Deutschland, überall in Europa kommt es zu Auseinandersetzungen. Doch nachdem Leipzig seit 1631 selbst zum Brennpunkt geworden ist, hat es manchmal den Anschein, überall sei es sicherer als hier.

    Der junge Timotheus Ritzsch verlässt seine Heimat mit gemischten Gefühlen. Niemand kann sagen, ob er Familie und Freunde wiedersehen wird. Andererseits brennt er darauf, andere Städte und Länder kennenzulernen, wie seine Reiselust zeigt. Seine Route führt ihn nicht nur quer durch Deutschland, sondern auch in die Niederlanden, nach Frankreich und England.

    Glücklicherweise sind die neuesten Nachrichten, auch über das aktuelle Kriegsgeschehen, mittlerweile halbwegs regelmäßig und zeitnah verfügbar. Nachdem Johann Carolus (1575–1634) in Straßburg 1605 das erste regelmäßig erscheinende Nachrichtenblatt der Welt, die „Relation“, aus der Presse gehoben hat, sind an vielen Orten im Reich Zeitungen entstanden, etwa zwei Dutzend an der Zahl.

    Gut informiert lassen sich die gegenwärtigen Krisenherde besser umgehen. Auch Nachrichten aus der Heimat kommen durch, denn die Postverbindung nach Leipzig bleibt stabil.

    Die genaue Reiseroute von Timotheus Ritzsch ist nicht überliefert. Gut möglich, dass er auf den Spuren Gutenbergs nach Mainz und Straßburg pilgert, vielleicht sogar bei Johann Carolus anklopft. In den Niederlanden kommen als Anlaufstellen vor allem Leiden und Amsterdam, renommierte Druckorte jener Zeit, in Frage, in Frankreich und England insbesondere Paris, London und Oxford.


    [Zitate aus C. F. Geßner et al. (1741). Der so nöthig als nützlichen Buchdruckerkunst und Schriftgießerey. Dritter Theil.]

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  • 1. Streich
  • KW 48: Tagein, tagaus (1/4)

    1636 kehrt Timotheus Ritzsch (1614-1678) nach dreijähriger Walz zurück in seine Heimatstadt Leipzig. Er ist weit herumgekommen, quer durch Europa ist er gereist. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges kein leichtes Unterfangen. Doch als Buchdruckergeselle kommt er vielerorts an die Quelle der mittlerweile halbwegs regelmäßig eingehenden Nachrichten aus Nah und Fern.

    Denn neben den Postmeistern sind es vor allem die Buchdrucker, die seinerzeit das noch junge Medium der Zeitung herausgeben. Etwa ein Dutzend regelmäßig erscheinende Blätter gibt es derweil im Heiligen Römischen Reich. Bei seiner Reiseplanung wird Timotheus Ritzsch den Wert von Informationen – etwa über das aktuelle Kriegsgeschehen – zu schätzen gelernt haben.

    Zurück in Leipzig gründet Timotheus Ritzsch bald sein eigenes Unternehmen. Er betreibt einen Buchhandel und eine Druckerei. Sein Interesse an fernen Ländern behält er bei. Er übersetzt fremdsprachige Werke ins Deutsche und gibt sie im Eigenverlag heraus. Über die Ereignisse in aller Welt kann er sich in Leipzig ebenfalls informieren. Denn die Postverbindung, der dominierende Weg der Nachrichtenübermittlung seiner Zeit, bleibt auch während des Krieges stabil.

    Ab 1643 beginnt seine Laufbahn als Zeitungsverleger. Er druckt das Presseorgan der schwedischen Besatzungsmacht. Auch nach Ende des Krieges und nach Abzug der Schweden kann er sich als Zeitungsmacher behaupten. Ab dem 01. Juli 1650 erscheint sein eigenes Blatt – mit sechs bis sieben Ausgaben pro Woche. Das ist eine Weltneuheit: Die erste Tageszeitung ist geboren. Bis 1921 wird sie erscheinen.

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  • ewigendlich
  • KW 47: Bildersturm

    Als ich in KW 45 davon sprach, Kreise schließen zu wollen, meinte ich, Themen wieder aufzugreifen, die ich im Laufe des Jahres an dieser Stelle aufgeworfen hatte. Ich konnte nicht ahnen, dass sich auch der Terror in Europa zurückmelden würde (vgl. KW 3 & 4).

    Ich hatte geplant, in dieser Woche das Rätsel McLuhan zu lüften (vgl. KW 18) und anzukündigen, dass ich ab nächster Woche mein Versprechen einlösen werde, vom Schöpfer der ersten Tageszeitung zu erzählen.

    Nun fehlen mir zwar nicht unbedingt die Worte. Doch lasse ich diesmal lieber das "Wochenfoto" selbst sprechen.

    Nur so viel: Die Ankündigung gilt, McLuhan muss warten.

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  • Prämodern
  • KW 46: Für die Kunst

    Heute mache ich kein großes Trara,
    spare mir weitschweifiges Blabla.
    Kein überzogenes Tamtam,
    kein effekthascherisches Bambam.

    Kein Rabatz, Radau, kein Rambazamba
    oder gar Brimbamborium.
    Ein einfaches Tatatata soll genügen.

    Warum, weshalb, weswegen?
    Wozu, wofür, wogegen?

    Mein 30-Jähriges. Seit 1985 mache ich Kunst. Oder wie auch immer ich nennen soll, was ich da mache, weil ich es mache, weil ich es muss und weil ich es möchte.

    Rund 1.000 Bilder sind in diesen drei Jahrzehnten entstanden. Gut 100 habe ich verkauft. An etwa 40 Ausstellungen habe ich teilgenommen. Etwa die Hälfte habe ich genossen.

    Ist ein Ende in Sicht?

    Mitnichten. Zumindest kein Ende der Bilder. Denn das ihre wäre auch das meine. Doch in diesem Jubiläumsjahr wird es erstmals seit elf Jahren keine Ausstellung geben.

    Stattdessen arbeite ich an einer Art Werkverzeichnis. Es ist wohl an der Zeit für eine Retrospektive. Zunächst für mich selbst. Eine spätere Publikation ist allerdings nicht ausgeschlossen.

    Was bleibt für heute?

    Mein Dank an den Quell der Inspiration und den Fluss der Kreativität.
    Mein Dank an alle neun Musen und alle neun Leserinnen und Leser dieses Beitrags. Es war das 250. „Wochenfoto“. Holdrio!

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  • Statt großer Worte
  • KW 45: For Heaven's Drake

    Die Blätter fallen. Der Herbst ist da. Zeit, zum Punkt zu kommen. Also die Kreise zu schließen, die ich Anfang des Jahres öffnete. Beginne ich mit etwas vermeintlich Unverfänglichem und mutmaßlich Uninteressantem.

    In KW 8 und 9 schrieb ich über das Album des vergangenen Jahres. Meins und das der Grammys. Früh stand für mich auch schon mein Album von 2015 fest. Es handelt sich um keine Neuerscheinung. Bereits 1972 wurde die Platte veröffentlicht. Aber für mich war es eine fantastische Neuentdeckung.

    Doch anstatt an dieser Stelle die kurze Geschichte des Singer-Songwriters Nick Drake zu erzählen, von dem diese Platte mit dem Namen "Pink Moon" stammt, halte ich einen Moment inne und entsinne mich all meiner ganz persönlichen Alben der vergangenen Jahre. Warum auch nicht.

    1984: Culture Club:
               Colour by Numbers (1983)
    1985: Simply Red:
               Picture Book (1985)
    1986: Depeche Mode:
               Black Celebration (1986)
    1987: Rainbirds:
               Rainbirds (1987)
    1988: Einstürzende Neubauten:
               Kollaps (1981)
    1989: The Smiths:
               Meat is Murder (1985)
    1990: Poems For Laila: Another Poem
               For The 20th Century (1989)
    1991: The Residents:
               The Commercial Album (1980)
    1992: Fred Frith u.a.: Step Across
               The Border (Soundtrack) (1990)
    1993: Naked City:
               Naked City (1989)
    1994: The Legendary Pink Dots:
               9 Lives to Wonder (1994)
    1995: The Tea Party:
               The Edges of Twilight (1995)
    1996: Beck:
               Odelay (1996)
    1997: David Bowie:
               The Singles Collection (1993)
    1998: Massive Attack: 
               Mezzanine (1998)
    1999: Laurie Anderson:
               Bright Red (1994)
    2000: Moloko:
               Things to Make and Do (2000)
    2001: Afro Celt Soundsystem:
               Vol. 1. Sound Magic (1996)
    2002: Beth Gibbons and Rustin’ Man:
               Out of Season (2002)
    2003: Blur:
               Think Tank (2003)
    2004: St. Germain:
               Tourist (2000)
    2005: A Night In with Boy George –
               A Chillout Mix (2002)
    2006: Tocotronic: Pure Vernunft
               darf niemals siegen (2005)
    2007: Green Day:
               American Idiot (2004)
    2008: Yeah Yeah Yeahs:
               Show Your Bones (2006)
    2009: SEEED:
               New Dubby Conquerors (2001)
    2010: Sophie Hunger:
               Monday's Ghost (2008)
    2011: Elbow:
               The Seldom Seen Kid (2008)
    2012: Biffy Clyro:
               Puzzle (2007)
    2013: The Subways:
               Young For Eternity (2006)
    2014: Milky Chance:
               Sadnescessary (2013)
    2015: Nick Drake:
               Pink Moon (1972)

    Thank you for the music!

    (In Klammern: Jahr der Erstveröffentlichung)

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  • WiesoWeshalbWarum
  • KW 44: WEnWdeW

    Aus vertraulichen Quellen habe ich erfahren, dass zum diesjährigen Tag des Internets am 29.10. eben dieses abgeschaltet wird.

    Nicht allein zu Wartungszwecken, nicht allein Dein Netzwerkknoten, sondern für immer und überall. Punkt 00:00 Uhr UTC werden alle Server weltweit heruntergefahren.

    So sehr wir uns auch im Laufe der vergangenen 20 Jahre an seine Existenz gewöhnt hatten - und an die Umwälzungen, die es gebracht hatte, war seine Lobby zuletzt immer weiter geschrumpft.

    Den Despoten war es zu subversiv. Den Geheimdiensten machte es zu viel Arbeit. Den Sicherheitsbehörden zufolge war es ein Hort unkontrollierbarer Kriminalität. Für die Moralapostel war es eh ein einziger Sündenpfuhl. Und den Rechteverwertern war es sowieso schon immer ein Dorn im Auge.

    Philetalisten beklagten den Niedergang der Briefmarke. Briefzusteller den ihrer Jobs. Ganze Wirtschaftsbereiche analoger Schule sahen sich in ihrer Existenz bedroht; die Konkurrenz war einfach zu groß geworden. Selbst der Telekommunikationsbranche brachte es zu wenig Profit.

    Pädagogen befürchteten von Anfang an unumkehrbare Volksverdummung. Psychologen alsbald tiefgreifende Entwicklungs- und Bindungsstörungen. Diverse Spezialisten sahen ihre Vormachtsstellung bedroht. Den Umweltaktivisten fraß es zu einfach viel Energie. Die Innovativen verschmähten es schon längst als überholt. Und die Katzen? Die wollten lieber gefüttert als gefilmt werden.

    Daher sage ich an dieser Stelle: Ade, WWW.

    Es wird erwartet, dass weltweit mehrere Millionen Menschen das Ereignis am 29.10., das Eintreten des schwarzen Bildschirms, "live" verfolgen werden. Ganz einfach weil sie gewohnheitsmäßig online sind.

    --------------Missing Link--------------


    Was wie ein undenkbares Szenario klingt, ist nicht gänzlich unmöglich. Warum sollte das Internet ewig Bestand haben? Weil sich die meisten von uns kein Leben mehr ohne vorstellen können! Doch was hat schon ewig Bestand?

    Momentan sieht alles nach immer weiterer Vernetzung aus - bis hin zur permanenten und allumfassenden Durchdringung. Doch woher sollen allein die Ressourcen dafür kommen?

    Dazu - und damit auch zum Abschluss dieses Beitrags - vier überraschende Fakten (entnommen dem inspirierenden Buch "Erschütterung der Welt. Leitfaden für die extreme Gegenwart" von Douglas Coupland und anderen, in diesem Jahr erschienen im Eichborn Verlag):

    Vor 20 Jahren machte das Internet 0 % des menschlichen Energieverbrauchs aus.

    Heute verbraucht die Digitaltechnik 10 % der gesamten Elektrizität.

    Mit dieser Energiemenge wurde 1985 der ganze Planet beleuchtet.

    Der Datenverkehr verbraucht heute 50 % mehr Energie als der Flugverkehr.

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  • Leidlich Leben
  • KW 43: Leben und leben lassen

    Im Beitrag der letzten Woche bin ich die ein oder andere Erklärung schuldig geblieben. Zum Beispiel: Wieso empfinde ich die Leitkulturdebatte als leidig?

    Das liegt an den Anlässen, die die Debatte in der Regel hochkochen lassen. Und das liegt an ihrer Bezeichnung, die das Denken (und die Debatte) zu sehr einengt.

    Wenn in Deutschland über Leitkultur diskutiert wird, ist der Anlass zumeist eine subjektiv empfundene Bedrohung (vor Überfremdung) mit daraus resultierender Angst. Angst ist aber selten eine gute Voraussetzung für eine rationale Erörterung.

    Die Auseinandersetzung an sich ist fraglos sinnvoll und wichtig, um Identifikation und Integration, aber auch Veränderung zu ermöglichen.

    Leidig ist der Begriff als solches, weil er a) von einem schwammigen Kulturbegriff ausgeht und b) vorgibt, es gäbe eine einzig wahre Kultur.

    Teil unserer Kultur ist ja gerade auch ihre Vielfalt - der Lebensentwürfe, der Meinungen, des künstlerischen Ausdrucks. Eine wichtige Eigenschaft von Kultur ist darüber hinaus, Althergebrachtes (und sich selbst) zu hinterfragen und Neues zu erproben.

    Nicht nur Ein-, sondern Vielfalt. Nicht nur Beständigkeit, sondern auch Wandel. Nicht nur Abgeschlossen-, sondern auch Offenheit sind daher wesentliche Maximen unseres kulturellen Selbstverständnisses.

    Abgesehen davon ist die Idee des Nationalen als abgeschlossene Entität relativ absurd. Beispiel Gartenzwerge: Die Urahnen dieses vermeintlichen Inbegriffs deutscher Kultur stammen aus der heutigen Türkei. Vor dem Hintergrund, dass die meisten Migranten in Deutschland aus der Türkei stammen, ist dieser Punkt nicht ganz ohne Ironie.

    Ich persönlich bin der Auffassung, dass die Idee der Nationalstaaten überholt ist - dafür sind wir alle zu sehr miteinander verwoben und stehen wir mehr denn je vor Herausforderungen von globalem Ausmaß, denen nur eine starke Weltgemeinschaft begegnen kann.

    Und doch wird das Modell der Nationalstaaten noch lange Bestand haben. Warum? Weil wir zu eng und selbstbezogen denken. Weil wir zu sehr auf Unterschiede fokussieren. Weil wir von Angst getrieben sind. Und weil es einfach schwierig ist, ein harmonisches Zusammenleben von uns Menschen zu bewerkstelligen.

    Der Debatte jedenfalls würde es gut bekommen, wenn sie nicht nur im Milieu der Kleingeister verharrt. "Leitkultur" ist in jedem Fall der falsche Begriff und auch der falsche Ansatz. Es geht um Werte und Normen, Rechte und Pflichten, natürlich auch um Sprache und Kultur, aber in gleicher Weise auch um Wünsche und Möglichkeiten - in einer offenen, pluralisitischen Gesellschaft.

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  • Kulturschmutz?
  • KW 42: Alles gut, Kultur?

    Sind die Bilder von Georg Baselitz nun ein "national wertvolles Kulturgut" oder nicht? Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagt: "Nein." Zumindest nicht derart, dass sie von ihrem Entwurf des Kulturgutschutzgesetzes betroffen seien.

    Mensch ahnt es bereits: Die nächsten Farbnäpfe und Fetttöpfe stehen schon bereit. Die possenspielerische Debatte war mit Bekanntwerden von Grütters Novelle zum besagten Gesetz Ende Juni 2015 gestartet.

    Von Enteignung war die Rede - als letztem Mittel, um den Verkauf eines national bedeutsamen Kunstwerks ins Ausland zu unterbinden. Kein Wunder, dass der Aufschrei in der Kunstwelt laut war, unter Kunstschaffenden und sogar noch ein wenig lauter unter Galerist/-innen.

    Ihren bizarren Höhepunkt erlebte die Debatte, als kein Geringerer als eben jener Georg Baselitz im Juli seine Leihgaben in öffentlichen Museen und Sammlungen abhängen ließ.

    Alles nur ein Missverständnis, versuchte Frau Grütters die Gemüter zu beruhigen. Von Enteignung könne nicht die Rede sein. Das wolle und plane doch niemand. Es ginge ja erst mal darum, eine Diskussion ins Rollen zu bringen, und letztlich Kunst und Kunstschaffende zu schützen.

    OK: Was ist Kulturgut? Gute Kultur? Also gut gemacht oder doch eher gut gemeint?

    Und was ist schützenswerte Kunst? Und wovor muss sie geschützt werden außer vor Diebstahl und Verfall?

    Und darüber hinaus, was ist von nationaler Bedeutung? Kunst, die von internationalem Rang ist? Oder Kunst, die national beschränkt ist?

    Und welchen Stellenwert hat dann Kunst, die nicht national bedeutsam ist. Ist diese dann im Umkehrschluss auch nicht besonders schützenswert, vielleicht sogar unartig?

    In Deutschland über nationale Bedeutsamkeit zu sinnieren, wird schnell zu einer Fahrt auf dünnem Eis mit einem Zyklon B emittierenden Käfer. Aber irgendwie passt eine derart anachronistische Debatte zu "gida"-lastigen Zeiten und auch in ein Europa, das derzeit lieber wieder die Nationalstaatlichkeit hochhält als auf die Gemeinschaft zu schwören.

    Mich lassen die Diskussionen jedenfalls an die leidige Leitkulturdebatte von vor ein paar Jahren denken. Es ist zu vermuten, dass die bald auch mal wieder aufgewärmt wird.

    Monika Grütters jedenfalls plant, dem Kabinett ihre überarbeitete Novelle in diesem Monat vorzulegen, damit das Gesetz 2016 Gültigkeit erlangt.

    Den Gemütern empfiehlt sie, die Debatte zu versachlichen. Der Kunst empfehle ich: Immer schön unartig bleiben!

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  • Geh weider!
  • KW 41: UN-Sinn

    Frau Uno winkt ab. Dem Wirbel um ihren runden Geburtstag kann die Grande Dame der Völkerverständigung und Mutter der Weltpolitik nichts abgewinnen.

    Sie hat schon so viele Feste gefeiert und Gipfel erklommen, so viele Verträge verfasst und Resolutionen unterzeichnet, so viele Länder und noch viel mehr Herrscher kommen und gehen gesehen.

    Sie ist ein wenig müde geworden. Nicht resigniert, nicht verdrossen. Sie glaubt noch an jene bessere Welt, die sie einst beschworen hatte. Damals, anno 45, nach dem großen Krieg.

    Sie lässt es sich auch nicht nehmen, weiter drauf zu hoffen und dran zu bauen. Erst vorletzte Woche hat sie eine neue Agenda verabschiedet. Bis 2030 soll alles besser werden. Jetzt echt.

    Gut, besser heißt jetzt nachhaltig, Wachstum Entwicklung und Veränderung Transformation. Doch ihre Vision ist noch frisch. Ganz so wie damals. Nein, sogar ein wenig besser, also nachhaltiger.

    Aber was sind schon 15 Jahre, fragt sie sich insgeheim, gemessen an der Trägheit des Menschen? Und wenn sie eines gelernt hat in all den Jahren, dann dies: Papier ist geduldig.

    Aber das ist sie auch. Denn auch das hat sie mit der Zeit erkannt: Alles beginnt mit dem ersten Schritt. Selbst die Verwirklichung einer Vision.

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  • Wahn
  • KW 40: Einheitsbrei

    Die Welt blickt dieser Tage mit zwiespältigen Gefühlen auf Deutschland (war es jemals anders?). Manch einer schimpft über die deutsche Gem-Einheit, während andere von der deutschen F-Einheit schwärmen (wird es jemals anders sein?).

    Wie dem auch sei, in dieser Woche stehen die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit auf dem Programm.

    Am 20.9.1990 hatten Volkskammer und Bundestag dem Einigungsvertrag zugestimmt - zwar nicht ein-, so aber doch mehrheitlich (über beide Kammern hinweg hatten insgesamt lediglich 17 Prozent der Abgeordneten dagegen votiert).

    Dem Einigungsvertrag war der Zwei-plus-vier-Vertrag vorausgegangen, der am 12.9.1990 von BRD, DDR sowie Frankreich, Großbritannien, der Sowjetunion und den USA unterzeichnet worden war. Erst damit war der Weg zur deutschen Wiedervereinigung frei, die seitdem am 3.10. gefeiert wird.

    Der Einheit selbst war selbstverständlich die deutsche Teilung vorausgegangen, eine Folge des von Deutschland verursachten Zweiten Weltkriegs. Dieser endete - auch ein Jubiläum des Jahres - vor 70 Jahren (in Europa am 8.5.1945, in Asien am 12.9.1945).

    Zehn Jahre nach Kriegsende war der nächste große, wenn auch "kalte" Krieg schon wieder in vollem Gange. Am 9.5.1955 erfolgte der Beitritt der BRD zur NATO. Als Folge dessen wurde der Warschauer Vertrag (im Westen meist "Pakt") beschlossen, der am 4.6.1955 in Kraft trat.

    Zuvor hatte sich in der BRD um Gustav Heinemann und Erich Ollenhauer ein Bündnis gegen die Remilitarisierung Deutschlands und für eine Aufnahme von Verhandlungen über die deutsche Wiedervereinigung formiert. Das "Deutsche Manifest" gegen die Wiederbewaffnung wurde am 9.1.1955 verabschiedet - blieb allerdings ohne Wirkung auf die politischen Entscheidungen.

    Ein weiteres Jubiläum des Jahres: Vor 70 Jahren wurden die Vereinten Nationen (VN) gegründet - in gewisser Weise übrigens auch eine Folge des Zweiten Weltkriegs. Dazu in der nächsten Woche mehr.

    Da in der vergangenen Woche am 21.9. relativ sang- und klanglos der Weltfriedenstag der VN begangen wurde, abschließend noch ein kleines Versprechen aus dem "2+4"-Vertrag.

    Momentan stehen die Zeichen günstig, dass aus dem Versprechen eine Verpflichtung zu mehr Engagement in nicht-militärischer, diplomatischer und gewaltfreier Konfliktbearbeitung werden könnte.

    Artikel 2 des "2+4"-Vertrags:
    "Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigen ihre Erklärungen, dass von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird."

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  • bazmeg
  • KW 39: Ungaern

    Zu Schulzeiten hatte ich die famose Gelegenheit, an einem Schüleraustausch mit Ungarn teilzunehmen.

    Das muss zu einer Zeit gewesen sein, als dies tatsächlich so etwas wie der Völkerverständigung dienen sollte und nicht allein der Optimierung von Karrierechancen durch Ausbau der Fremdsprachenkenntnisse. Denn Ungarisch habe ich - abgesehen von den üblichen Brocken - nicht gelernt.

    Aber Land und Leute sind mir ans Herz gewachsen. Soweit die Floskel. Was aber viel mehr zählt: Meine Austauschpartnerin wurde mir eine gute Freundin - und das seit fast einem Vierteljahrhundert. Worauf ich hinaus will? Mir liegt es fern, in ein pauschales "Ungarn-Bashing" einzustimmen (vgl. meinen Einstieg zum Beitrag der KW 38).

    Tatsächlich wurden in Ungarn im ersten Halbjahr 2015 die meisten der in der europäischen Union gestellten Asylerstanträge verzeichnet, zumindest im Verhältnis zur Einwohnerzahl (Quelle: eurostat). Dies wird sich durch die fertig gestellten und geplanten Grenzzäune vielleicht wieder ändern.

    Zäune wurden allerdings auch an anderen EU-Außengrenzen errichtet. Aktuell werden vielerorts die Binnengrenzen, Deutschland eingeschlossen, wieder vermehrt kontrolliert und damit mehr oder weniger undurchlässig gemacht.

    Ungarn ist bei weitem nicht das einzige Land, das sich gegen Quotenregelung sperrt und gegen Einwanderung positioniert (das wird in dieser Woche wieder einmal deutlich werden, wenn sich die EU-Innenminister in Brüssel treffen). Und auch wenn sich Deutschland momentan als "Land der Herzen" profiliert, sind die PEGIDA-Sympathisanten ja nicht plötzlich alle "bekehrt".

    Dem Umgang mit Flüchtlingen fehlte es in Ungarn in den letzten Wochen allerdings vor allem an einem, an Menschenwürde. So hagelte es auch Kritik vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Die angebotene Hilfe wurde von Seiten der ungarischen Regierung jedoch abgelehnt.

    Und die Geschichte des Viktor O. ist und bleibt ein trauriges Kapitel in der Geschichte Ungarns. Von der angedachten Einführung der Todesstrafe über die angekündigte Internetsteuer bis hin zur umgesetzten Einschränkung der Pressefreiheit, Viktor Orbán hat sich weit von Europa entfernt.

    So weit, dass sich viele Ungar/-innen ihrerseits von Ungarn entfernen und abwandern. Etwa 350.000 kehrten von Mitte 2010 bis Anfang 2013 Ungarn den Rücken. Davon waren rund 80 Prozent jünger als 40 Jahre und die meisten mit guter beruflicher Qualifikation (Quelle: SEEMIG zit. nach Pester Lloyd). Bei nur knapp 10 Millionen Einwohnern ist das nicht nur eine erstaunliche Quote, sondern perspektivisch gesehen auch eine fatale Entwicklung.

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  • Trau schau wem
  • KW 38: Merkelmütig

    Kaum hat die Kanzlerin in Sachen magyarisches Flüchtlingsdebakelgebaren mal nicht gemerkelt, wird in der CSU auch schon gewehnert. Und der Horst macht seinem Namen volle Ehre: Erst wutwettert er gen Berlin, dann lädt er Viktor O. zum baldigen Stelldichein.

    Aber Moment. Wollte ich nicht das Thema wechseln (vgl. KW 37)? Wollte ich, mache ich und ergreife hierzu die Gelegenheit, die sich in Gestalt eines Wortes bietet, und schaffe so eine mehr oder minder elegante Überleitung zum auserkorenen Schmarrn der Woche, dem Jugendwort des Jahres.

    Bis Ende Oktober können wir online (anonym und so oft wir wollen) für unser beliebtestes Jugendwort 2015 voten. 30 vermeintlich voll konkrete Wörter stehen zur Auswahl. Eine Jury entscheidet dann im November, welches Wort aus der Top 10 der meist geliketen (gelikeden oder gelikten) Wortschöpfungen das Rennen macht.

    "Merkeln" wird es aller Voraussicht nach werden - nachdem das lange Zeit vorn liegende "Alpha-Kevin" (angeblich Synonym für den "Dümmsten von allen", vgl. o.) durch "die Redaktion" von der Liste gestrichen wurde.

    Hinter eben dieser Redaktion steht der 1865 gegründete Verlag mit dem "L", der Initiator, Notar, Zensor und - so wird gemunkelt - primärer Nutznießer der Aktion ist.

    Möglich, dass "die Redaktion" auch als kreativer Motor hinter so mancher Wortschöpfung steht. In den Auswahllisten tummeln sich zumindest immer wieder Neologismen von kreativer Bemühtheit oder üppiger Stilblütenpracht.

    Manche sind allerdings auch alpha-clever.
    Ob Jugendliche tatsächlich so sprechen sei dahingestellt. Ob sie eine Wahl zum Jugendwort tangiert ebenfalls.

    "Merkeln" meint jedenfalls mit Bezug auf Kanzlerin Merkel "Nichtstun, keine Entscheidungen treffen, keine Äußerungen von sich geben", eine Wortschöpfung, die aktuell 35% der Stimmen auf sich vereint und damit großen Vorsprung vor dem derzeit Zweitplatzierten hat, dem "rumoxidieren" (für chillen, also enstpannen) mit 13%.

    Ich möchte schließen mit einer herzigen "Story aus dem Leben". Denn auf der Voting-Webite haben die Youngsters auch die Möglichkeit, "Geschichten, Dialoge, Zitate, alles was dich in deinem Leben beschäftigt", zu hinterlassen:

    "Alllldaaa, diese Seite von dummen Menschen, die wollen machen Jugendwort aber nichts wissen von Jugend und deswegen nur nehmen dumme Wörter wie "Niveaulimbo" Was das sein?! YOLO oda SWAG schon besser, nicht zu vergessen das man das groß schreibt weil abkürzung für anderes Wort deswegen seite und jugendwort jury voll konkret nix hat ahnung, schwöööör"


    P.S.: Den eingangs bemühten Vergleich zwischen Herbert Wehner und Horst Seehofer, der zugegebenermaßen etwas bemüht daherkommt und zweifelsohne unzulässig und ungehörig ist, lasse ich so stehen, bis ihn mir "die Redaktion" streicht.

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  • Spötterfunken
  • KW 37: Ausweg <für> Europa

    Na, Europa,

    Du hochgelobter, viel besungener,
    selbst ernannter Kontinent
    der metaphorischen Brückenbauer,
    wo sind sie,

    Deine friedlichen Revolutionäre
    und kämpferischen Demokraten,
    Deine resoluten Idealisten
    und christlichen Humanisten,
    Deine sozialen Individualisten
    und pragmatischen Utopisten,

    wo sind sie,
    die Verfechter der Freiheit,
    die Anwälte der Menschenrechte
    die Vorreiter gelebter Solidarität und
    die Träger des Friedensnobelpreises?

    Tja, Europa,

    wirst mal wieder auf die Probe gestellt. Geht mal nicht um den schnöden Mammon, sondern um Deine Grundfesten. Valenz- statt Dekadenzkonflikt. Wankst Du schon?

    Tut Dir mal ganz gut, Dich auf Deine Werte zu besinnen. Könnten Mensch und Welt denken. Wenn es dabei nur um Dich ginge. Und wenn die Zustände nicht so dramatisch wären.

    Los, Europa,

    mach was draus - und handle schnell. Kannst endlich mal beweisen, was in Dir steckt. Wie wär's mit einem "solidarenschweren" Rettungspaket?


    [Trotz zeitzentriertem Einschnitt und angekündigtem Themenwechsel in der vergangenen Woche kehre ich zurück zum Brennpunkt der Zeit (vgl. KW 34 & 35). Wie könnte ich anders? Gleichwohl werde ich mich ab der nächsten Woche an dieser Stelle wieder anderen Themen widmen.]

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  • Ice Age?
  • KW 36: Topic/Time Shift

    Da ich nicht gleich zur launischen Wochenfotoordnung übergehen mag - der Bruch im Eintrag der vergangenen Woche war nach meinem Geschmack schon krude genug, mache ich in dieser Woche einen Schnitt und lasse - statt bedeutungsschwangere Worte zu verfassen - Musik sprechen (vgl. KW 26). Please hold the line...


    A long time – A long long time – A long time ago – All the time – All time low – All the wasted time – All this time – Anytime – Apple blossom time – A question of time – A song to pass the time – As time goes by – At the edge of time – A time for us – A time to be so small

    Back in time – Better in time – Big time – Big time rush – Big time sensuality – Boarding time – Born in Time

    Caught somewhere in time – Chasing time – Child in time – Christmas time – Christmas time again – Christmas time is here – Closing time – Crushing the wall of time – Crying time

    Dark medieval times – Did my time – Doin' time – Do you have a little time – Does anybody really know what time it is?

    Each time – Every time – Eyery time I close my eyes – Every time I do – Every time I look at you – Every time I look for you – Every time we touch – Every time you go – Every time you say good bye – Everytime

    Feels like the first time – First time – First time for everything – 5 years time – Forever is a long time – For the first time – For the last time – For the very first time – For the good times – 4th time around – From time – Fuck time – Fuck you all the time – Funny how time slips away

    Get me to the church on time – Good riddance (time of my life) – Good time – Guy what takes his time

    Hands of time – Hard time – Hard time losing' man – Hearts get broken all the time – Heroes of our time – High time we went – Hit me baby (one more time) – Hog sloppin' time in the hollow – How time flies

    I didn't know what time it was – If I could turn back the hands of time – If I could turn back time – If I only had time – If time is all I have – I killed the Zeitgeist – I'm outta time – In my time of dying – In the good old summertime – In the summertime – It can't rain all the time – It’s about time – It’s been a long long time – It’s hurting for the first time – It's just a matter of time – It's not my time – It’s now time for the beautiful people – It's the most wonderful time of the year – It's time – It's time for christmas – It’s time to dance – It’s time 2 jack – It's time to wake up – It takes time, it takes two – It won’t work this time – I've been a long time leavin' – I've got no time – (I've had) the time of my life

    Jeannine, I dream of lilac time – Just one last time

    Killin’ time – Killing time

    Last time – Long time gone – Long time sun – Love takes time

    Maybe this time – Morning, Noon, and Nighttime – Mountain time – My dreams are getting better all the time – My time will come

    Never is a long time – Next time – Next time, next place – Nick of time – Night time – Nighttime in Sonnenheim – Nighttime in the switching yard – No more time machine – Nothin' but a good time – No time – No time to kill – No time to sleep – Now’s the Time

    Old time rock and roll – Once upon a time – Once upon a time in the west – One day at a time – One last time – One moment in time – One more fucking time – One more time – One piece at a time – One step at a time – One time – Only time – Our first time – Out of time – Out of time man

    Part time lover

    Ready for the good times – Remember the time – Right place right time – River of time – Running out of time

    Same time tomorrow – Second time around – Sign o’ the times – Sleepy time gal – So little time – Some other time – Sometimes – Somewhere in time – Space & Time – Spending my time – Start of time – Summertime – Summertime blues

    Take your time – The day and the time – The first time – The first time ever I saw your face – The last time – The last time I saw Paris – The last time I saw you – The longest time – The second time around – The time – The time has come – The time is now – The vampyre of time and memory – This christmas time – This is my time – This is the last time – This is the time – This time – This time around – This time it's different – This time it's forever – This time tomorrow – Three times a lady – Till the end of time – Time – Time after time – Time and again – Time again – Time awaits – Time-Bomb – Time (clock of the heart) – Time code – Time flies – Time for heroes – Time for love – Time go – Time has come today – Time in a bottle – Time is – Time is dancing – Time is not a remedy – Time isn’t healing – Time is on my side – Time is running out – Time is tight – Time machine – Time marches on – Time of my life – Time of our lives – Time of the season – Time on my hands – Time out – Time passages – Time plate – Time stand still – Time stands still – Time sucker – Time to dance – Time to go home – Time to make love – Time to pretend – Time to say goodbye – Time to wander – Time to wonder – Time waits for no one – Time warp – Time was – Time will tell – Time won't let me – Times like these – Times of your life – Tomorrow is a long time – Too much time on my hands – Tragedy + Time – Tulsa time – Turn back time – Twilight time

    Until the end of time

    Waka Waka (this time for Africa) – Wasted time – Waste my time – Wasting my time – Wasting time – We don't need money to have a good time – We have all the time in the world – What time is it? – Who knows where the time goes

    You got the money honey, I got the time – Your time has come – Your time will come – You've got time

    [Englischsprachige Lieder mit "time" im Titel ohne Nennung
    der Interpreten und ohne Anspruch auf Vollständigkeit]

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  • Man's Way
  • KW 35: Getaway Ray

    Seit 2013 sind so viele Menschen auf der Flucht wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, nämlich mehr als 50 Millionen. In diesem Jahr werden es voraussichtlich über 60 Millionen sein.

    Längst nicht alle, die die Flucht ergreifen, machen sich auf nach Europa. Allein 38,2 Millionen suchten 2014 innerhalb ihrer Landesgrenzen nach Schutz und Sicherheit.

    19,5 Millionen Menschen sahen sich 2014 gezwunden, ihr Heimatland zu verlassen. Die meisten davon waren schon froh, wenn sie es über die nächste Grenze schafften.

    Dass in unseren Gefilden mitunter der Eindruck entsteht, alle flöhen nach Europa, liegt wohl vor allem daran, dass wir uns lange Zeit abgeschottet und die Not ausgeblendet haben (vgl. KW 34).

    In gewisser Weise können wir uns glücklich schätzen, dass Deutschland heute ein "Wunschziel" mancher Flüchtinge zu sein scheint - wo wir doch die Massenflucht in den 1940er Jahren hauptsächlich zu verantworten haben.

    Ich bin allerdings nicht der Überzeugung, dass wir aufgrund unserer Geschichte in besonderer Weise dazu verpflichtet sind, uns zu engagieren, auch indem wir Flüchtlinge aufnehmen, sondern schlicht und einfach weil wir es leisten können.

    -----------------Schnitt-----------------

    Zwei, die der Zweite Weltkrieg zu Flüchtlingen machte, waren die befreundeten Max Ernst (*1891 in Brühl, Deutschland) und Man Ray (*1890 in Philadelphia, Pennsylvania, USA).

    Anfang der 1920er Jahre hatten sich beide in Paris niedergelassen (Ray 1921, Ernst 1922), im Kreise Dadas kennen- und im Geiste Surrealas schätzen gelernt.

    Knapp 20 Jahre später flohen sie vor den Nazis in die USA (Ray 1940, Ernst 1941).

    Auch dort blieben sie einander verbunden. 1946 feierten sie gar Doppelhochzeit in Beverly Hills (Ray mit Juliet Browner, Ernst mit Dorothea Tanning).

    Anfang der 1950er kehrten sie letztlich wieder nach Paris zurück (Ray 1951, Ernst 1953).

    Den beiden Migranten waren noch mehr als 20 Jahre in ihrer Wahlheimat vergönnt.

    Kaum mehr als ein Kilometer lag zwischen ihren beiden Pariser Wohnungen - auch wenn Max Ernst ab 1964 meist in der Provence weilte.

    Beide sind 1976 in Paris gestorben und dort auch beerdigt. In dieser Woche (27.8.) jährt sich der 125. Geburtstag von Man Ray.

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  • Rette sich, wer kann!
  • KW 34: Land unter

    1991 initiierte der Linguist Horst Dieter Schlosser (*1937) die Wahl zum Unwort des Jahres. "Ausländerfrei" machte damals den Anfang.

    Das Unwort brachte eine Stimmung in Deutschland auf den Punkt, die im September 1991 in den Ausschreitungen in Hoyerswerda ihren gewaltigen Höhepunkt fand: Eine Hatz und Hetz gegen Ausländer. Auf der Straße, am Biertisch, aber eben auch in weiten Teilen von Politik, Medien und Gesellschaft.

    In Hoyerswerda attackierten Neonazis und Sympathisanten dort untergebrachte Flüchtlinge und sogenannte Vertragsarbeiter. Als die Situation zunehmend eskalierte, wurde evakuiert - und Hoyerswerda zur "ersten ausländerfreien Stadt" proklamiert.

    Die "Lösung" von Hoyerswerda wurde wenig später auf das deutsche Asylrecht übertragen. Die regierende Koalition aus CDU, CSU und FDP verständigte sich mit der SPD im sogenannten Asylkompromiss auf eine Änderung des Grundgesetzes, um die Aussichten auf Asyl und damit auch die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland auf ein Minimum zu reduzieren.

    Zum 1. Juli 1993 traten die Änderungen des Grundgesetzes und des Asylverfahrens- gesetzes in Kraft. De facto wurde damit das Grundrecht auf Asyl in Deutschland nahezu abgeschafft. Wie ich finde, ein eklatanter Verstoß nicht nur gegen die Genfer Flüchtlingskonvention, sondern auch gegen alle Regeln der Menschlichkeit.

    Denn der perfide Plan ging auf: Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland sank kontinuierlich. Wurden 1992 438.191 Erst- und Folgeanträge auf Asyl in Deutschland gestellt, waren es 2008 nur noch 28.018. Die Anerkennungsquote sank 2006 auf einen Tiefststand von 0,8 Prozent, was bedeutet, dass lediglich 251 Personen als asylberechtigt anerkannt wurden.

    Dass die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland in den letzten Jahren wieder drastisch steigt (2014 wurden 202.834 Erst- und Folgeanträge gestellt), ist der bitteren Realität geschuldet.

    2014 waren weltweit schätzungsweise 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht (und damit etwa 8,3 Millionen mehr als im Jahr zuvor) - vor allem aufgrund von Verfolgung, gewalttätigen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen. Wer um sein Leben bangt, lässt sich nicht von abweisender Gesetzgebung abschrecken. Mögen die Aussichten auf Asyl auch noch so gering sein.

    Dass parallel zur Zahl der Asylsuchenden wie Anfang der 1990er auch die Zahl rechtsextremistischer Straftaten wieder zunimmt, darunter allein 170 Aktionen gegen Asylbewerberunterkünfte in 2014 (und damit dreimal mehr als 2013), erfüllt mich heute wie damals mit Scham, Wut und Trauer.


    Quellen der genannten Zahlen:
    BAMF: Aktuelle Zahlen zu Asyl. Ausgabe: Juni 2015; BMI: Verfassungsschutzbericht 2014; UNHCR: World at war. Global Trends. Forced Displacement in 2014.

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  • Zwergenaufstand
  • KW 33: Dr. van Raetsel

    Verrat des Lan     Rat des Verlan
    Tal des Verran     Nerv des Taral
    Tran des Laver     Des Larven Rat

    Der Lavastern      Das Neverr Tal
    Rares Endtal V     Larvan Desert
    Ersvaterland       Art's Everland

    Das verannte L     Adeltarnvers
    Der SV Elanrat     SV Elend-Trara Landratverse       Realverstand

    Adelsnervrat       Der Nervsalat
    Lande, Versrat     Rate, Versland
    Artlas, verend     Arsen, verdatl

    Never sad Ratl     Danser la Vert
    La Dante Verrs     Al Dente Varrs
    Talar des Vern     LAN-Vaters Red

    Verrantes Dal      Verlaser Tand
    Land-Reservat      NS-Adel-Verrat
    Veterans-Radl      selten Varrad
         
    Dr. Neal V. Tears  Denver Alstar
    Svetlana Nerrd     Darv laestern
    Dr. Renate Vals    Sende Ratlarv

    SV Tarndealer      Rev. Landesrat
    Deva-Transerl      Alsterdern Av.
    SV Terrae Land     Render als VAT

    Endles Arravat     Salvenretard
    Narr des Talev     Narr des Levat
    Salve, rend art    Landarrt's eve

    Sandalrevert       Arrest 'nd leav
    anal verserdt      astral verend
    Versend-Altar      elend Art Vars

    Trade Sale Rvn     Slave rrat end
    Dear n't Slaver    Last End Vearr
    Reveal Strand      Ever's landart

    Deserv Art LAN     Rave Land Rest
    Everstarland       l'aven. de starr
    T-Vers-Randale     Nerv' das Alter



    = anagrammierter Landesverrat

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  • Jin und Jandl
  • KW 32: Bist jandln?

    Wenn ich an Ernst Jandl denke,
    denke ich an verpasste Chancen.

    Denn wenn ich an Ernst Jandl denke,
    denke ich an Berlin, 1998.

    Und wenn ich an Berlin, 1998, denke,
    denke ich an die damalige Bundestagswahl.

    Wenn ich aber an Bundestagswahl denke, denke ich daran, dass ich eine Lesung von Ernst Jandl in Berlin sausen ließ, um stattdessen die Wahlberichterstattung im Fernsehen zu verfolgen.

    Wenn ich schließlich daran denke,
    werde ich ein wenig wehmütig.

    Denn es war meine letzte Chance, den einzigartigen Ernst Jandl (1925-2000) live zu erleben.

    Keine zwei Jahre später war er dahin.

    Und das Alternativprogramm bestand - wie sich später herausstellte - aus nicht viel mehr als verpassten Chancen.

    ---------------------------------------

    Ernst Jandl, 2015:
    90. Geburtstag (1.8.1925)
    15. Todestag (9.6.2000)

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  • Merry Blossom
  • KW 31: Unifloralgenie

    Berlin, 1926. Der 60-jährige Karl Blossfeldt (1865-1932) feiert sein Ausstellungsdebüt. Es ist nicht so, dass er sein Faible für die Fotografie erst vor kurzem entdeckt hätte. Mehrere tausend Bilder hat er seit den 1890ern geschossen, hauptsächlich Pflanzen und Blumen.

    Für Karl Blossfeldt ist die Fotografie allerdings Mittel zum Zweck: Seine Fotos sind in seinen Augene keine Kunst, sondern Anschauungsmaterial für den Unterricht an der Kunstgewerbeschule (1898-1924) und den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (1924-1930) in Berlin.

    Das sieht der Galerist Karl Nierendorf (1889–1947) anders. Unter dem Titel "Exoten, Kakteen und Janthur" stellt er Blossfeldts florale Motive von April bis Mai 1926 in seinen Berliner Galerieräumen zusammen mit Skulpturen aus Afrika und Neuguinea aus.

    Die Resonanz ist beachtlich. Blossfeldts Stil trifft den Nerv der Zeit. Das ist die "Neue Sachlichkeit", von der alle sprechen. Da war doch diese Ausstellung im letzten Jahr. G. F. Hartlaub (1884-1963) hatte 124 Bilder 32 zeitgenössischer Künstler unter einem Dach versammelt. Postexpressionisten wie Beckmann, Grosz und Dix, alles unter dem frisch geprägten Label die "Neue Sachlichkeit".

    1928 erscheint Karl Blossfeldts erster Bildband "Urformen der Kunst" mit 120 Fototafeln - ebenfalls auf Initiative Nierendorfs verwirklicht. Das Buch macht Karl Blossfeldt mit einem Schlag bekannt.

    Binnen weniger Jahre wird das Buch in New York, London, Paris (je 1929) und Stockholm (1930) veröffentlicht. In Deutschland folgen zahlreiche Neuauflagen.

    "Meine Pflanzenurkunden sollen dazu beitragen, die Verbindung mit der Natur wieder herzustellen" fasst Karl Blossfeldt sein Ansinnen im Vorwort seines zweiten ebenso erfolgreichen Buches "Wundergarten der Natur" 1932 zusammen.

    Karl Blossfeldt bleibt nur wenig Zeit, sich in seinem späten Ruhm zu sonnen. Im Dezember 1932 stirbt er 67-jährig an Herzversagen in Berlin.

    Aber er stirbt mit der Genugtuung, endlich auch als Künstler anerkannt zu sein. Denn bereits mit Anfang 30 hatte er versucht, sich als Bildhauer in Italien zu etablieren (1896-1898).

    "In diesem Sinne ist die rastlos bauende Natur nicht nur in der Kunst, sonden auch auf dem Gebiete der Technik unsere beste Lehrmeisterin", schreibt Karl Blossfeldt im besagten Vorwort weiter. Er wusste nur zu gut, was er ihr verdankte.


    Die Münchener Pinakothek der Moderne ehrt Karl Blossfeldt anlässlich seines 150. Geburtstags mit einer groß angelegten Ausstellung (24.7. - 25.10.2015).

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  • glass self
  • KW 30: Looking mass self

    Apropos: Selbstbildnis (vgl. KW 29). Aldi Süd hatte vor kurzem einen "Bluetooth Selfie Stick" im Angebot.

    Die Selfie-Manie geht damit in die nächste Runde. Die Teleskopstange mit Smartphone- und Kamerahalterung soll als Armverlängerung das fotografische Selbstporträt erleichtern.

    Erfindungen, die die Welt nicht braucht? Nun, das Time Magazine kürte die Selfie-Stange zu einer der besten 25 Erfindungen des Jahres 2014. Tatsächlich erfreuen sich die Stangen wachsender Beliebtheit.

    So sehr, dass sie in einigen Museen, Freizeitparks, Fußballstadien und bei manchen Musikfestivals bereits verboten sind. In Südkorea bedarf es zur Verwendung einer Selfie-Stange grundsätzlich einer behördlichen Genehmigung.

    Dabei ist die Idee an sich gar nicht neu. Alan Cleaver, Journalist aus England, hat ein charmantes Foto seiner Großeltern aus dem Jahr 1925 oder 1926 ausgegraben. Ganz offensichtlich nutzte sein Opa für das Foto eine Stange, an deren Ende seine Kamera befestigt war.

    Auch das Selbstporträt hat eine lange Geschichte. Bereits der griechische Bildhauer Phidias (* um 500/490 v.Chr., † um 430/420 v.Chr.) soll sein Antlitz als Beiwerk auf einer Statue verewigt haben (und dafür möglicherweise der Blasphemie angeklagt worden sein). Ab der Renaissance wird das Selbstbildnis des Künstlers dann zur Regel.

    Nichtsdestotrotz ist das Selfie ein Phänomen. Webanalysen des Oxford English Dictionary kamen zu dem Schluss, dass die Verwendung des Wortes "Selfie" in 2013 um 17.000 Prozent zugenommen habe. Folgerichtig wählte die Redaktion das Wort Ende 2013 zum Wort des Jahres.

    Die Ablichtung der eigenen Person und ihre Zurschaustellung in den sogenannten sozialen Medien hat ein Ausmaß erreicht, das zumindest Fragen aufwirft.

    Dient das Selfie der Selbstdarstellung, der Selbstvergewisserung oder der Selbstbestätigung? Oder ist das Posten eines Selfies eine Form der Kommunikation, durch die ich andere an meinem Leben teilhaben lasse?

    Manche sehen im Selfie-Phänomen jedenfalls das Indiz für die Zunahme narzisstischer Persönlichkeitszüge und sprechen gar vom "Selfie-Syndrom". Werden wir über kurz oder lang in unserem eigenen Spiegelbild ertrinken?

    Wahrscheinlicher ist, dass sich der Selfie-Hype in ein paar Jahren wieder legen wird. Vielleicht werden wir dann bemerken, dass es sehr viel spannender ist, den Moment (mit den Anwesenden) zu erleben, als ihn festzuhalten.

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  • Redressiert
  • KW 29: Look as Lucas

    In der Malerwerkstatt der Cranachs wurden viele tausend Bilder gemalt. Über 5.000 sagen manche Quellen, bis zu 12.000 schätzen andere.

    Tafelbilder, Holzschnitte, Zeichnungen, Leinwände, Kupferstiche - mit Szenen aus Bibel und antiker Mythologie, mit Aktmalerei und jeder Menge Porträts.

    Bei dieser Bilderflut ist es umso erstaunlicher, dass kein Bildnis von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586) existiert.

    Der Junior übernahm ab 1537 eine tragende Rolle in der Werkstatt seines Vaters Lucas Cranach dem Älteren (*um 1472-1553) in Wittenberg, bis er sie 1550 ganz übernahm.

    Der Senior war 1505 nach Wittenberg gekommen, als er zum Hofmaler des Kurfürsten berufen wurde.

    Ursprünglich stammte er aus Kronach in Franken (daher auch der Nachname, denn eigentlich hieß der Maler mit bürgerlichem Namen Maler).

    In Wittenberg gewann er schnell an Einfluss und Ruhm, schloss Freundschaft mit Luther und Melanchthon, übernahm politische Ämter, war Ratsmitglied, Kämmerer und Bürgermeister.

    Neben dem florierenden Malerbetrieb unterhielt er eine Apotheke und einen Weinausschank, betätigte sich als Verleger und Buchhändler und erwarb diverse Immobilien. 1528 war er der reichste Bürger Wittenbergs.

    Lucas Cranach der Jüngere stand immer ein wenig im Schatten des Vaters. Vielleicht auch ein Grund, warum vom Junior kein einziges, vom Senior hingegen gleich mehrere Porträts erhalten sind (angefangen von einem Porträt, das Albrecht Dürer 1524 von ihm fertigte, bis hin zum (Selbst-) Bildnis aus dem Jahre 1550).

    Allerdings wird vermutet, dass der Jüngere sein Antlitz in verschiedene Bilder hineingewoben hat. Unter Kunsthistorikern wird jedoch heftig darüber gestritten, bei welcher Darstellung dies der Fall war.

    Zum 500. Geburtstag des Juniors jedenfalls nehmen sich 2015 zahlreiche Ausstellung seinem Werk an und natürlich auch dem des Seniors.

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  • seetot
  • KW 28: Wunderwelle

    Bas Jan Ader (1942-1975) war auf der Suche. Zeitlebens, zeitsterbens; als Mensch, als Künstler.

    Sein allerletztes Werk bringt diese Suche auf den Punkt. Auch wenn jener und vielleicht sogar jeder eigentlich eine Welle ist.

    "In Search of the Miraculous" nennt Bas Jan Ader dieses letzte Werk. Es bleibt unvollendet; und endet doch.

    Der erste Teil entsteht 1973. Fotos eines nächtlichen Streifzugs durch Los Angeles. Eine Taschenlampe zur Erleuchtung.

    Am 9. Juli 1975 setzt Bas Jan Ader zu Teil 2 an. In Chatham, Massachusetts besteigt er die "Ocean Wave", ein nur 3,80 langes Segelboot.

    Mit diesem winzigen "Pocket Cruiser" will er alleine den Atlantik überqueren. Sein Ziel: in 60 Tagen bis Falmouth in England.

    Von dort will er weiter nach Amsterdam, um den dritten Teil seiner Suche nach dem Wunderbaren anzugehen. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Groningen ist bereits geplant.

    Doch dazu kommt es nicht mehr. Bas Jan Ader endet 33-jährig in den Weiten des Meeres. Vermutlich, denn gefunden wurde er nie.

    Offen bleibt auch, ob er letztlich gefunden hat, wonach er suchte.

    Wollen wir es hoffen.

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  • Musi sin C
  • KW 27: incincinc

    als Terry Terry Riley
    Terry Terry Riley Riley
    als Terry Terry Riley Riley Terry Terry Riley Riley
    64 64 19 19 64 19 19 64 64 64 als Terry Terry Riley
    Terry Terry Riley Riley
    19 19 64 19 19 64
    ein Stück ein Stück sein Stück schrieb
    sein Stück sein Stück ein Stück schrieb
    als Terry Terry Riley
    Terry Terry Riley Riley
    in c in c in c schrieb
    in c in c in c schrieb
    war die war war die war
    war die war war die war
    19 19 64 19 19 64
    war die war war die da
    war die war die war die wahr war die war war die da
    war die mini die mini die
    war die mini die mini die
    war die war die mini mi
    19 19 64 19 19 64
    Terry Terry Riley
    Terry Terry Riley Riley
    war die war die war die war
    war die war die war die war die mini mini minimal
    mini mini minimal
    war die war die war die war
    war die war war die war
    war die war war die war
    als Terry Terry Riley
    Terry Terry Riley Riley
    Terry Terry Riley Riley
    war die war die minimal
    war die war die minimal
    19 19 64 19 19 64
    mini mini minimal
    minimal minimal
    mini mini minimal
    minimal minimal
    war die war die war die war
    war die war die war die war
    Terry Terry Riley
    minimal minimal
    minimal music
    minimal minimal
    minimal music
    minimal minimal
    war die wahr war die wahr
    war die wahr war die da


    Für Terry Riley (*1935),
    den "Godfather of Minimal Music", dem es mit seinem bahnbrechenden "In C" sogar einmal gelungen sein soll, einen ganzen Konzertsaal
    bis auf den letzten Platz leerzufegen, zum Achtzigsten!

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  • Zeitgut
  • KW 26: Liedzeit

    Wenn mal wieder wenig Zeit bleibt, bleibt vielleicht wenigstens Zeit für ein Stück Zeit aus Schall, bevor sich derselbige in Rauch auflöst.

    Daher folgt nunmehr eine unkommentierte Liste mit
    Liedgut aus Zeit zwecks Auszeit im Lied (vgl. KW 36):


    A Winzig Klaner Tropfen Zeit – Aber die Zeiten sind andere – Aggro Berlin Zeit – AIDS. Die Zeit der Liebe ist vorbei – A Musi, a Brotzeit – (Aller-) Höchste Zeit – Alle Zeit der Welt – Alles braucht seine Zeit – Alles hat seine Zeit – Alls hat sei Zeit – Alltagszeit – Alte Zeit – Alte Zeiten – Am Anfang der Zeit – Am Ende der Zeit – Am Fluss der Zeit – An der Zeit – Andere Zeit – Anker in der Zeit – Arschzeit Baby – Auch in dieser Zeit – Auf die neuen Zeiten – Auf dem Zeitstrom – Auf eine Reise in die Zeit – Auf Lebenszeit – Auf schlechte Zeiten – Aufruhrzeit – Aus den Tiefen der Zeit – Auszeit – Auszeiten

    Bald ist die Zeit reif – Bald kommt die Zeit – Bauernhochzeit – Bessere Zeit – Bessere Zeiten – Beste Zeit Deines Lebens – Beste Zeit meines Lebens – Bestzeit – Betonzeit – Bilder vergangner Zeit – Bis an das Ende der Zeit – Bis ans Ende aller Zeiten – Bis ans Ende der Zeit – Bis die Zeit stillsteht – Bis zu dieser Zeit – Bis zur Hochzeit ist alles wieder gut – Bitter-süße Zeit – Bleierne Zeit – Blues von der Flüchtigkeit der Zeit – Bluthochzeit – Blutzeit – Brennende Zeit

    Da ist eine Zeit zu lachen und zu leben – Damals vor Deiner Zeit – Daniels Zeitmaschine – Danke für die stille Zeit – Dann ist es Zeit – Dann kommt die Zeit für Schalke 04 – Das Ende der Zeit – Das Ende dieser Zeit – Das Ende unserer Zeit – Das Glück braucht etwas Zeit – Das Glück lässt sich Zeit – Das Grau unserer Zeit – Das große Buch der Zeit – Das Kind in seiner jungen Zeit – Das Land der Zeit – Das letzte Leben, meine letzte Zeit – Das Lied von der Zeitung – Das neue Zeitalter – Das war’n Zeiten – Das war unsere Zeit – Das waren schöne Zeiten – Das wird eine schöne Zeit – Das Zeitalter der Bäume – De beste Zeit – De mehrane Zeit – Des Zeitenlicht Spur – De Zeit – De Zeitn – Deine handvoll Zeit – Deine Schulzeit ist vorbei – Dein Stern zur Weihnachtszeit – Deine Zeit – Deine Zeit ist abgelaufen – Deine Zeit wird enden – Dei Zeit mei Zeit – Den Rest besorgt die Zeit – Der Angriff der Gegenwart auf meine übrige Zeit – Der Herbst, das ist ’ne tolle Zeit – Der kleine Schritt zu weit (Ein Flügelschlag der Zeit) – Der Lauf der Zeit – Der Schuttabladeplatz der Zeit – Der Strom der Zeit – Der Weg und die Zeit – Der Wind der Zeit – Der Zahn unsrer Zeit – Der Zeitdetektiv – Der Zeitreisende – Der Zeitstrom – Der Zeitwurf – Des Radl der Zeit – Die alten Zeiten – Die alte Zeit zurück – Dieb der Zeit – Die besseren Zeiten – Die beste Zeit im Jahr ist mein – Die beste Zeit in meinem Leben – Die Einleitung des adipösen Zeitalters – Die Eiszeit, sie kommt wieder – Die ganze Zeit – Die genaue Zeit – Die goldene Zeit – Die goldenen Zeiten – Die große Zeit – Die Hochzeit der Lilli Marleen – Die längste Zeit, die Du verbringst – Die Mauern meiner Zeit – Die Melodie aus einer fernen Zeit – Die neue Zeit – Die neue Zeitrechnung – Die Qual der Zeit – Diese Zeit – Die schönen Zeiten der Erinnerung – Die schönste Zeit, die liebste Zeit – Die schönste Zeit im Jahr – Diese Dinge brauchen Zeit – Die Straße der Zeit – Die total verrückte Zeit – Die Zeichen der Zeit – Die Zeichen unsrer Zeit – Die Zeit – Die Zeit blieb stehen – Die Zeitbombe tickt – Die Zeit der Blumenkinder – Die Zeit der großen Birnen – Die Zeit der Gummibärchen – Die Zeit der Wunder – Die Zeit der Zärtlichkeit – Die Zeit des Gauklers ist vorbei – Die Zeit des Glücks – Die Zeit des Torremond – Die Zeit des Wartens (ist vorbei) – Die Zeiten – Die Zeiten ändern sich – Die Zeiten des Glücks – Die Zeiten haben si gändert – Die Zeiten sind hart – Die Zeiten vergehen – Die Zeit geht immer den leichteren Weg – Die Zeit heilt alle Wunden – Die Zeit heilt alle Wunder – Die Zeit heilt keine Wunden – Die Zeit heilt nicht alle Wunden – Die Zeit in der die Freundschaft starb – Die Zeit in der Rosen blüh’n – Die Zeit in der wir leben – Die Zeit ist auf der Flucht – Die Zeit ist ein Geschenk – Die Zeit ist einsam – Die Zeit ist gekommen – Die Zeit ist reif – Die Zeit jetzt in Deutschland – Die Zeit kommt nie wieder – Die Zeit mit Dir – Die Zeit mit dir (soll nie vergehn) – Die Zeit mit dir war unbeschreiblich schön – Die Zeit prägt das Leben – Die Zeit sitzt uns im Nacken – Die Zeit steht still – Die Zeit vergeht – Die Zeit verrinnt – Die Zeit war schön – Die Zeit wird’s zeigen – Doch die Zeit bleibt stehn – Doch man kann nur auf einer Hochzeit tanzen – Domino Zeit – Dreh Dich im Kreisel der Zeit – Dreh die Zeit noch mal zurück – Dreh die Zeit zurück – Drum nütze die Zeit – Durch meine Finger rennt die Zeit – Dunkle Zeit – Durch alle Zeiten – Du wundervoller Zeitvertrieb

    Eine bessere Zeit – Eine Frage der Zeit – Eine kurze Zeit der Verwirrung – Eine Spanne Zeit – Eine Zeit zum... – Einsamkeit ist verlorne Zeit – Ein Vogel wollte Hochzeit machen – Eiszeit – Eiszeit droht – Eiszeit im Paradies – Eiszeit im Sommer – Ende der Zeit – Endlich mal Zeit – Endlich wieder Discozeit – Endlich Zeit – Endzeit – Es ist an der Zeit – Es braucht alles seine Zeit – Es ist die Zeit – Es ist für uns eine Zeit angekommen – Es ist gewisslich an der Zeit – Es ist Zeit – Es ist Zeit sich zu wundern – Es ist Zeit zu gehen – Es ist Zeit zu leben – Es kommt die Zeit – Es kommt eine Zeit – Es sind die finsteren Zeiten – Es warat an der Zeit – Es war da eine Zeit – Es war eine schöne Zeit – Es war nur eine Frage der Zeit – Es wird Zeit – Es wird Zeit geben – Etwas Zeit für Zärtlichkeit – Explosive Zeiten

    Fav Zeit – Fern jeder Zeit – Feuer verglüht mit der Zeit – Finstere Zeit – First Time – Fliegen vor der Zeit – Fluch der Zeit – Flüsternde Zeit – Frage der Zeit – Fragment der Zeit – Freu dich auf die Hochzeit – Friedliche Vorweihnachtszeit – Früher war’s a schöne Zeit – Für alle Zeit – Für alle Zeiten – Für Dich nehm ich mir Zeit – Für die neue Zeit – Für eine handvoll Zeitgeist – Für schlechte Zeiten

    Ganz viel Zeit – Gefangener der Zeit – Gegen die Zeit – Geile Zeit – Geile Zeiten – Geschichte einer Zeit – Gewandung der Zeit – Gib mir die Zeit – Gib mir etwas Zeit – Gib mir noch Zeit – Gib mir nur ein bisschen Zeit – Gib mir Zeit – Gib uns etwas mehr Zeit – Gib uns etwas Zeit – Gläserne Zeiten – Goldene Zeiten – Große Träume brauchen Zeit – Guate alte Zeit – Gute alte Zeit – Gute Zeit – Gute Zeiten – Gute Zeiten, schlechte Zeiten

    Haarige Zeiten – Hab Dank für deine Zeit – Hab mal Zeit – Hätt ich einmal nur Zeit – Hätten Sie heut’ Zeit für mich? – Hättest Du heut Zeit für mich? – Halt die Zeit an – Halte die Zeit an – Harte Zeit – Harte Zeiten – Harte Zeiten, hartes Leben – Hast a bisserl Zeit für mi – Hast Du etwas Zeit – Hast Du fünf Minuten Zeit – Hast Du kurz Zeit – Hast Du Zeit – Hast Du Zeit für ein paar Träume? – Hast Du Zeit für einen Traum? – Hast Du Zeit für mich? – Haus der Zeit – Helden der Zeit – Heldenzeit – Herbstzeitblätter – Heut ist noch Zeit – Heute und morgen und alle Zeit – Hey Du, nimm Dir Zeit – Hier steht die Zeit noch still – Hochzeit – Hochzeit bei Zickenschulze – Hochzeit in Schottland – Hochzeit ohne Gäste – Hochzeit je t’aime – Hochzeitsglocken – Hochzeitslied – Höchste Zeit – Höchste Zeit, dass Du mich küsst

    Ich atme Zeit – Ich bin die ganze Zeit nur hier – Ich dreh die Zeit zurück – Ich hab die Zeit durchquert – Ich hab immer für Dich Zeit – Ich hab keine Zeit – Ich hab Zeit – Ich halt die Zeit an – Ich sang die ganze Zeit von Dir – Ich vermisse die Zeit mit dir – Ich wein der Zeit nicht hinterher – Im Fluss der Zeit – Im Paradies auf Zeit – In dieser Zeit – In stiller Zeit – Inside Eiszeit – In Zeiten wie diesen – In Zeit und Raum

    Ja, das waren die alten Zeiten – Jagdzeit in Bayern – Jahreszeiten – Jede Nocht so um de Zeit – Jetzt ist die Zeit – Jetzt kommt meine Zeit

    Kalte Zeiten – Ka Zeit – Ka Zeit mehr – Keiner hat Zeit – Keine Zeit – Keine Zeit dafür – Keine Zeit für Dich – Keine Zeit für Wunder – Keine Zeit mehr für Dich – Keine Zeit zu bluten – Keine Zeit zu verlieren – Keine Zeit zu weinen – Keine Zeit zum Nichtstun – Keine Zeit zum Schlafengehen – Keine Zeit zum Träumen – Kerker aus Zeit – Kinder dieser Zeit – Kinder wie die Zeit vergeht – Kinderzeit – Koa Zeit – Kommt Zeit, dreht Rad – Kommt die Weihnachtszeit heran – Kreativ betrunken zu unsozialen Zeiten

    Land der langsamen Zeit – Lange Zeit – Langzeitparadies – Lass die alten Zeiten, wo sie waren – Lass Dir Zeit die Liebe zu verstehen – Lass fließen die Zeit – Lass uns keine Zeit verlieren – Lasst uns Zeit zum Träumen – Lausige Zeiten – Leben auf Zeit – Liebe auf Zeit – Liebe braucht Zeit – Liebe mich die kurze Zeit – Liebe und Zeit – Lied von der magersüchtigen Zeit

    Manchmal braucht die Wahrheit Zeit – Mander es isch Zeit – Mann, wo ist die Zeit geblieben – Maschine Zeit – Mein Begleiter jenseits der Zeit – Mein Liebster auf Zeit – Meine Zeit – Meine Zeit mit Dir – Meine Zeit steht in Deinen Händen – Mein Zeit – Mein Zeitbegriff – Mir schleicht die Zeit so träge – Mit Dir verschwend ich meine Zeit am liebsten – Moderne Zeiten – Morgen soll Hochzeit sein

    ’n bisschen Zeit – 'ne schöne Zeit – Neue Zeit – Neuzeit Propheten – Nicht der rechte Zeitpunkt, nicht der rechte Ort – Nie mehr diese Zeiten – Niemand hat Zeit – Nimm dir wieder einmal Zeit – Nimm dir Zeit – Nimm dir Zeit für Zärtlichkeit – Nimm dir Zeit um die Rosen zu seh’n – Noch hast Du Zeit mein Freund – Noch keine Zeit zu gehen – Nun ist es Zeit – Nur die Zeit hat Zeit – Nur die Zeit heilt alle Wunden

    Oh du stille Zeit – Ondre Zeit, ondre Welt – Ort und Zeit

    Party Zeit – Perverse Zeiten – Pottzeit

    Raum der Zeit – Regenbogenzeit – Regen und Zeit – Regenzeit – Reise durch die Zeit – Rosa Zeiten

    Saat zieht Zeit – Sag, warum verlor ich soviel Zeit – Schenk uns Zeit – Schlafenszeit für Huren – Schlechte Zeiten – Schenk Dir Zeit auf dieser Welt – Schön war die Zeit – Schön war die Zeit mit Dir – Scho komisch wia schnö die Zeit vageht – Schwere Zeiten – Schwierige Zeiten – Sehnsucht im Zeitalter des Blutes – Seht die gute Zeit ist da – Seine Zeit – Session Zeitgeist – Sie hält irgendwie die Zeit an – Silberhochzeit ist heut – So eine geile Zeit – So langsam wird es Zeit für mich – Sommerzeit Blues – Soviel Zeit muss sein – So wie in alten Zeiten – Stille Zeit – Spiel auf Zeit – Steinzeit Neuzeit – Sternzeit – Stürmische Zeiten, mein Schatz – Supergeile Zeit

    Tod und Zeitschlag – Tote Zeiten – Tourist der Zeit – Trotz aller Zeit

    Und der Wind geht allezeit über das Land – Und die Zeit vergeht – Und mit der Zeit kommt auch die Zeit, sich zu verlieben – Unsere große Zeit – Unsere Zeit – Unsere Zeit am Delta Green – Unsere Zeit wird kommen – Unterm Schutt der Zeit

    Verfluchte Zeiten – Verrückte Zeiten – Verschenkte Zeit – Verschwende Deine Zeit – Verschwende meine Zeit – Verzeihen kostet Zeit – Viel zu wenig Zeit – Vier Jahreszeiten – Vom richtigen Zeitpunkt – Von alten Zeiten – Von der Zeit vergessen – Von Zeit zu Zeit – Vor langer Zeit in New Orleans

    Warte nicht auf bessre Zeiten – Warum hat die Adelheid keinen Abend für mich Zeit? – Was hat die Zeit mit uns gemacht? – Was ist Zeit – Weihnacht, schöne Zeit – Weil die Zeit sich so beeilt – Wenig Zeit – Wenn die Zeit gekommen ist – Wenn die Zeit reif ist – Wenn die Zeit still steht – Wenn die Zeit vorüber ist – Wenn Du für mich Zeit hast – Wenn Du Hochzeit hast – Wenn Du Zeit hast – Wenn es an der Zeit ist – Wenn man alle Zeit der Welt hat – Wenn wir beide Hochzeit machen – Wenn Zigeuner Hochzeit machen – Wer hat noch Zeit – Wer jetzig Zeiten leben will – Weihnachten ist eine schöne Zeit – Weihnachtszeit – Weihnachtszeit ist wunderbar – Wer hat meine Zeit gefunden? – Wie die Zeit vergeht – Wie die Zeit vorüber geht – Wie krieg ich die Zeit bis zu meiner Beerdigung noch rum? – Wilde Zeiten – Wilden Zeiten ade – Winterzeit – Winterzeit in Wien – Winterzeit ist schön – Wir brauchen Zeit, um zu träumen – Wir haben noch Zeit – Wir haben nur noch fünf Minuten Zeit – Wir haben Zeit – Wir hatten eine gute Zeit – Wir warten (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit) – Wir ziehen die Zeit – Wohin die Zeit uns trägt – Wo ist die Zeit geblieben?

    Zärtlichkeit braucht Zeit – Zeichen der Zeit – Zeit – Zeit aufzugeben – Zeit bis morgen – Zeit bleib’ stehen! – Zeit bleibt nicht stehen – Zeit, dass sich was dreht – Zeit der Banden – Zeit der Deppen – Zeit der Einsamkeit – Zeit der eisernen Hand – Zeit der Engel – Zeit der Rosen – Zeit der steigenden Säfte – Zeit der Wölfe – Zeit der Zärtlichkeit – Zeit des Grauens – Zeit des Schlafes – Zeit des Schweigens – Zeit die mir bleibt – Zeit die nie vergeht – Zeit die vergeht – Zeit für a Acht’l – Zeit für den Sommer – Zeit für Dich – Zeit für ein Duell – Zeit für ein Kind – Zeit für Engel – Zeit für etwas Erbauliches – Zeit für Fiesta – Zeit für Freunde – Zeit für Helden – Zeit für Kinder – Zeit für mich – Zeit für mich allein – Zeit für Optimisten – Zeit für Rebellen – Zeit für Sinneswandel – Zeit für Streit – Zeit für Tränen – Zeit für uns – Zeit für unseren Scheiß – Zeit für Volksmusik – Zeit für Zärtlichkeit – Zeit heilt alle Wunden – Zeit hin – Zeit in einer Flasche – Zeit ist eine lange Straße – Zeit ist ein eisernes Tor – Zeit ist Geld – Zeit ist schnell – Zeit ist um – Zeit kennt keine Gnade – Zeit kommt, Zeit geht – Zeit macht nur vor dem Teufel halt – Zeitmaschine – Zeit meines Lebens – Zeit muss enden – Zeit steht still – Zeit und Dich – Zeit und Raum – Zeit was zu ändern – Zeit verloren – Zeit vertan – Zeit vor Scham im Boden zu versinken – Zeit zu gehen – Zeit zu gehn – Zeit zu leben – Zeit zu schlafen – Zeit zu spielen – Zeit zu sterben – Zeit zu trauern – Zeit zum Besinnen – Zeit zum Denga – Zeit zum Ficken – Zeit zum Kuscheln – Zeit zum Leben – Zeit zum Nachdenken – Zeit zum Scheinen – Zeit zum Wichsen – Zeit zu verstehen – Zeiten ändern dich – Zeitlupe – Zeit nach dem Sturm – Zeitraffer – Zeitzeuge – Zeit zurückdrehen – Zigeuner auf Zeit – Zu allen Zeiten – Zu viele Weiber, zu wenig Zeit – Zu wenig Zeit – Zur falschen Zeit am falschen Ort – Zwischen der Zeit

    [Titel von Liedern aus dem deutschsprachigen Raum ohne Nennung
    der Interpreten und ohne Anspruch auf Vollständigkeit]

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  • Sinnspruch
  • KW 25: eins und einerlei

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  • Bezahlt
  • KW 24: Jeffs [sic] Mar

    In der Lobby eines venezianischen Hotels. Der neue Stern der Pop Art betritt die Bühne.

    Er ist jung. Er sieht gut aus.
    Er ist erfolgreich.

    Er weiß es, und er will es.

    Er lächelt sein Gewinnerlächeln.

    Da ist nichts einstudiert, nichts aufgesetzt. Jeff lebt ihn nicht, Jeff ist der amerikanische Traum.

    Das Blinken seiner Zähne wird nur vom Glänzen seines Anzugs überstrahlt. Reine Seide, ein Traum in Weiß.

    Wir schreiben das Jahr 1990, Biennale in Venedig. Die Hautevolee der Schönen Künste trifft sich zum Stelldichein.

    Jeff will dazu gehören. Er gibt sich ganz glamourös. Ein bisschen verrucht dabei.

    In der Lobby des Hotels kommt ein Mann auf ihn zu. Er schließt ihn in seine Arme. Klopft ihm auf die Schulter, berührt ihn hier und dort, lässt ihn gar nicht mehr los.

    Wer ist dieser Clown? Wozu dieser Überschwang? Ah, ein German Artist, berühmt, das ist gut.

    Jeff spielt mit. Ekstatische Freude. Pleased to meet you. Neuerliche und verabschiedende Umarmung.

    Abgang Polke.

    Jeff bleibt zurück, verdattert - und gezeichnet. Sigmar Polke (1941-2010) hatte die ganze Zeit einen Hotelstempel in der Hand. Der Anzug ist übersät mit "pagato, pagato, pagato" (bezahlt).

    ---------------------------------------

    Noch bis 5. Juli 2015 zeigt das Kölner Museum Ludwig:

    Alibis: Sigmar Polke. Retrospektive.

    In Venedig läuft unterdessen noch bis zum 22. November 2015 die 56. Biennale.

    Und nur am Rande: Jeff Koons (*1955) wurde Anfang des Jahres 60 Jahre alt.

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  • GroKo = GroßKotz
  • KW 23: Reinfall

    Kennen Sie dieses "diffus bedrohliche Gefühl des Beobachtetseins"? Und fühlen Sie sich dadurch eingeschüchtert?

    Keine Sorge, dieses Empfinden ist weder irrational, noch pathologisch. Im Gegenteil: Es ist begründet – und durchaus erwünscht.

    Zumindest von der GroKo, die mal wieder versucht, in Deutschland die Vorratsdatenspeicherung (VDS) einzuführen.

    Ende 2007 wurde die "anlasslose Speicherung von personenbezogenen Daten" schon einmal (von der damaligen GroKo) auf den Weg gebracht. Am 31.12.2007 wurde sie im Bundesgesetzblatt verkündet.

    Am selben Tag wurde damals eine Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung mit fast 35.000 Beschwerdeführern beim BVerfG, dem Bundesverfassungsgericht, eingereicht.

    Mit Erfolg, denn das BVerfG stufte sie im März 2010 in Teilen als verfassungswidrig ein (begründet u.a. mit den eingangs zitierten "emotionalen" Auswirkungen).

    Am vergangenen Mittwoch hat sich das Bundeskabinett nun auf einen Gesetzesentwurf zur Wiedereinführung der VDS verständigt.

    Es kann ja nicht angehen, dass unser "großer Bruder" besser über uns Bescheid weiß als wir selbst.

    Wenn das Gesetz jedoch tatsächlich (und voraussichtlich dann im Herbst) kommt, wollen u.a. Grüne, Linke und FDP dagegen klagen.

    Denn wenn gilt: "Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht." Dann können die engsten 81 Millionen "Freunde" wohl kaum unter Generalverdacht gestellt werden. Zumal noch immer keine Hinweise für den Nutzen der VDS vorliegen.

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  • Scheinfalt
  • KW 22: Reinfalt

    Dsi Gung, ein Schüler Konfuzius', traf einst auf einen alten Mann, der in seinem Gemüsegarten arbeitete.

    Der Alte stieg immer wieder in den Brunnen hinab, um Wasser für seine Pflanzen zu holen. Die Mühe war groß, der Ertrag gering.

    Da sprach Dsi Gung: "Es gibt eine Errungenschaft, mit der man an einem Tag hundert Gräben bewässern kann. Mit wenig Mühe wird viel erreicht. Wäre das nicht etwas für Euch?"

    Da antwortete der Alte lachend:

    "Ich habe meinen Lehrer sagen hören: Wenn einer Maschinen benützt, so betreibt er all seine Geschäfte maschinenmäßig; wer seine Geschäfte maschinenmäßig betreibt, der bekommt ein Maschinenherz.

    Wer aber ein Maschinenherz in der Brust hat, dem geht die reine Einfalt verloren. Bei wem die reine Einfalt hin ist, der wird ungewiss in den Regungen des Geistes. Ungewissheit in den Regungen des Geistes ist etwas, das sich mit dem wahren Sinn nicht verträgt.

    Nicht dass ich einen Ziehbrunnen nicht kennen würde: Ich schäme mich nur, ihn zu nutzen!"



    Der Medienstar/narr Marshall McLuhan (1911-1980) mochte diese Geschichte sehr. Bringt sie doch eine seiner Kernthesen zum Ausdruck: Das Medium ist die Message.

    [Technische Errungenschaften sind Erweiterungen des Menschen, seiner Gliedmaßen, Organe und Sinne. Sie gehen mit (zum Teil massiven) sozialen und psychischen Auswirkungen einher. Sie stellen daher die eigentliche „Botschaft“ des "Mediums" dar, und nicht sein „Inhalt“.]

    Er mochte die Geschichte aber wohl auch deshalb so gerne, weil er selbst ein ambivalentes Verhältnis zur Technik hatte: elektrisiert und abgestoßen zugleich.

    Kennengelernt hatte er die Geschichte "Der Ziehbrunnen" in einem Buch des Physikers Werner Heisenberg (1901-1976).

    Ursprünglich geht sie zurück auf den chinesischen Philosophen Zhuang Zhou (um 365-290 v. Chr.). Sie findet sich (in etwas anderer Form) in seinem Werk "Das wahre Buch vom südlichen Blütenland".

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  • Egoschwein
  • KW 21: i M ä r


    j i m m e r   t i m m e r

    h i m m e r   s t r i m m e r

    b i m m e r   f l i m m e r

    l i m m e r   p l i m m e r

    g l i m m e r   s c h w i m m e r

    c h i m m e r   f i m m e r

    k r i m m e r   z i m m e r


    t w i m m e r   x i m m e r

    b r i m m e r   q u i m m e r

    g i m m e r   s c h r i m m e r

    p i m m e r   b l i m m e r

    s l i m m e r   b e n i m m e r

    r i m m e r   b e s t i m m e r

    g e w i m m e r   v e r g l i m m e r


    t r i m m e r   d r i m m e r

    g r i m m e r   s t i m m e r

    p r i m m e r   b e w i m m e r

    s c h n i m m e r   v e r g i m m e r

    p s i m m e r   d e l i m m e r

    d i m m e r   s c h i m m e r

    s c h l i m m e r   k i m m e r


    m i m m e r   k l i m m e r   s i m m e r

    i m m e r    n i m m e r   w i m m e r

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  • Decode:
  • KW 20: Am Ende war das Wort

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  • iSack
  • KW 19: Chill out of stock

    Wie viele E-Mails haben Sie heute bekommen?

    Wie viele davon haben Sie gelesen,
    wie viele beantwortet?

    Wie viele waren wirklich wichtig?

    Was ist Ihnen noch wichtig?

    Können Sie nur dann beruhigt schlafen,
    wenn Ihr Posteingang leer ist?

    Können Sie noch schlafen?

    Stehen Sie nachts auf,
    um Ihre E-Mails zu checken?

    Checken Sie noch etwas?

    Wie viele E-Mailadressen
    kennen Sie auswendig?

    Kennen Sie noch Menschen
    ohne E-Mailadresse?

    Kennen Sie Menschen ohne Adresse?

    Können Sie noch mit Menschen?

    Sind Sie in den sozialen Medien aktiv?

    Sind Sie sozial aktiv?

    Sind Sie aktiv?

    Haben Sie mehrere Internetprofile?

    Führen Sie ein virtuelles Doppelleben?

    Erfüllt Sie Ihr reales Leben?

    Haben Sie mehr Kontakte
    als Ihr Büronachbar?

    Haben Sie Kontakt zu
    Ihrem Büronachbarn?

    Haben Sie mehr als eine E-Mailadresse?

    Wenn ja, wozu?

    Trennen Sie noch zwischen
    privat und beruflich?

    Trennen Sie noch zwischen
    on- und offline?

    Empfinden Sie Unbehagen, wenn Ihre Verbindung zum Internet abreißt?

    Empfinden Sie Unbehagen, wenn Ihre sozialen Bindungen abreißen?

    Haben Sie jemals eine Freundschaft
    per Mail oder SMS aufgekündigt?

    Haben Sie jemals etwas anderes
    gekündigt als Ihren Handyvertrag?

    Haben Sie ein Handy?

    Lieben Sie Ihr Handy?

    Schreiben Sie lieber eine Nachricht
    als zu telefonieren?

    Telefonieren Sie lieber als sich von Angesicht zu Angesicht zu treffen?

    Treffen Sie sich noch mit Freunden?

    Haben Sie Freunde?

    Wann haben Sie sich zuletzt
    über eine E-Mail gefreut?

    Freuen Sie sich in gleicher Weise
    über eine E-Mail wie über einen Brief?

    Empfinden Sie noch Freude?

    Schreiben Sie noch Briefe?

    Wie viele Postadressen
    kennen Sie auswendig?

    Wie viele Telefonnummern
    kennen Sie auswendig?

    Wie viele Passwörter
    kennen Sie auswendig?

    Wie oft wechseln Sie Ihre Passwörter?

    Wie oft wechseln Sie Ihre Unterwäsche?

    Wie oft wechseln Sie Ihr Handy?

    Können Sie sich ein Leben
    ohne Mobilfunkgerät vorstellen?

    Können Sie sich ein Leben
    ohne Internet vorstellen?

    Haben Sie eine Vorstellung
    von Ihrem Leben?

    Haben Sie jemals daran gedacht,
    ein Buch über Ihr Leben zu schreiben?

    Würden Sie ein Buch
    über Ihr Leben lesen?

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  • Marshall hat die Message:
  • KW 18: Mess Age

    Bevor die Lobhudelei auf das gedruckte Wort mit einer Reihe über den Schöpfer der ersten Tageszeitung in die zweite Runde geht, folgt zunächst ein mehrwöchiges Intermezzo mit einer Hommage auf [anundfürsich] Marshall McLuhan (1911 - 1980):

    Adfhoweubfpzwrbfbrfubrfpiub
    erivfbpeqruvfbperuvbfuebfvj
    ubrvfibprivbpieubvfpiueabvf
    bfpiuvbaflineariststupidars
    dofiwrupfqewroufbepuxvgnbfg
    üqurnüoguvnefgouvbenäfuvüoe
    unvüoiefnvoinewfövoinüqwoei
    fvsequentiellistirreellquwr
    efnpiqjwfrnpiqbfuebfvjubrvf
    ibpvisuellistnonsensquellwi
    wefjrwejfnlwakjfnawirebrtgb
    fegunwegvsebtuinvsmtgksvüih
    urhvonieuhpcsuhwirsindvisue
    llverbautversautdurchkautar
    ugvpnermgcürimeargvnspvuacp
    ehuvboerghpnereinsichtigist
    unsinnigdaeinsinnigiaucnhoe
    ruhpmeruhtpruhprexmapüieuhr
    captmruhenvzserztjcpseeurhg
    onughfpergcsehbrblaloljhrtb
    einsinnigistnichtfeinsinnig
    upcerneorzghtnoaumphruphprh
    trupamrudweudasmediumistdie
    messagemdwuhnewüpmqsqzappez.

    [zu KW 47]

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  • Das Kreuz mit der Zeit
  • KW 17: Zeichen der Zeit                (4/4)

    Der Antrag wird abgelehnt, doch Johann Carolus druckt weiter. Woche für Woche erscheinen Meldungen über die politische Lage im Reich und in den angrenzenden Ländern, über Herzöge und Kurfürsten, über Prinzen und Könige, über den Pabst und über Piraten im Mittelmeer.

    1609 berichtet die Relation von der Erfindung des Fernrohrs durch Galileo Galilei („Auß Venedig vom 4. Septemb.“ in Relation, 37, S. 164 in der digitalisierten Fassung der Universität Heidelberg).

    Neben der Relation führt Johann Carolus das bestehende Jobinsche Verlagsprogramm weiter, wie ein Katalog zur Frankfurter Buchmesse aus dem Jahr 1608 zeigt. Darüber hinaus nimmt er neue Autoren unter Vertrag, darunter zum Beispiel den Straßburger Geschichtsprofessor Matthias Bernegger (1562 – 1640), ein Freund von Johannes Kepler (1571 – 1630) und Wilhelm Schickard (1592 – 1635).

    Eines der ersten Bücher, die Johann Carolus druckt, ist daher auch Keplers „Gründtlicher Bericht Von einem ungewohnlichen Newen Stern“, möglicherweise noch bevor das Werk in Prag, Keplers Wirkungsstätte jener Zeit, erscheint.

    Später gibt er dem Dichter Wolfhart Spangenberg (1567 – nach 1636), der in früheren Jahren als Korrektor für die Jobins gearbeitet hat, eine Chance.

    Spangenberg kann zwar bereits einige Veröffentlichungen vorweisen, in Straßburg hat er aber noch nicht Fuß gefasst.

    1625 druckt Johann Carolus eine Chronik der Stadt Straßburg, von ihrer Gründung bis zum Jahr der Veröffentlichung, in Reimen verfasst von Michael Kleinlawel.

    Die Geburtsstunde der Zeitung ist darin selbstverständlich nicht verzeichnet. Heute hingegen wird sie in keiner Chronik der Stadt mehr fehlen.

    Auch sonst wird Johann Carolus immer häufiger als Vater der Zeitung genannt, nachdem der Weltverband der Zeitungen mit Sitz in Paris ihn 2005 offiziell als ersten (bekannten) Zeitungsverleger der Welt anerkannt hat.

    Indizien, die für ihn sprechen, sind sein im Original erhaltenes Gesuch an den Straßburger Stadtrat aus dem Jahre 1605 sowie die darin enthaltene Stellungnahme, dass er das Unterfangen Zeitung bereits seit zwölf Ausgaben betreibe.

    Entdeckt haben diese „Geburtsurkunde“ der Zeitung die Historiker Martin Welke aus Mainz und Jean-Pierre Kintz aus Straßburg im Straßburger Stadtarchiv im Jahre 1987. Erhaltene Exemplare seiner Relation finden sich allerdings erst aus dem Jahre 1609.

    In Antwerpen soll der Buchhändler Abraham Verhoeven (1575 – 1652) ebenfalls 1605 das Privileg für den Druck und Verkauf aller neuen Zeitungen erhalten haben.

    Allerdings hat es den Anschein, dass Abraham Verhoeven Nachrichten zunächst nur sporadisch in Form von einzelnen Blättern herausgibt. Hinweise für eine von ihm herausgegebene Zeitung im engeren Sinne finden sich erst ab 1620. Möglich, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen (bzw. gedruckt) ist.

    Als Johann Carolus am 15. August 1634 in seinem sechzigsten Lebensjahr stirbt, übernimmt sein Bruder Moritz die Druckerei, einschließlich der Herausgabe der Relation. Damit überdauert nicht nur die Idee der Zeitung, sondern auch die Relation selbst ihren Schöpfer – und das immerhin bis mindestens 1681.

    Im Vorwort der ersten Aussage des Jahres 1635 schreibt Moritz Carolus, dass „ein unruhiges, ungetümes Jahr“ hinter ihnen liege. Er spricht von den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648). Vielleicht auch ein wenig vom Tod seines Bruders.

    Den Siegeszug der Zeitung jedenfalls kann der Krieg nicht aufhalten. Im Gegenteil, sorgt er doch für ein gesteigertes Interesse an aktuellen Nachrichten. Bei Ausbruch des Krieges gibt es im deutschsprachigen Raum etwa zwanzig Zeitungen; Ende des 17. Jahrhunderts ist ihre Anzahl auf schätzungsweise 60 bis 80 angestiegen.

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  • Zeitkreis
  • KW 16: Zeichen der Zeit                (3/4)

    Gut möglich, dass sich Johann Carolus, der Zugereiste, bereits während seiner Lehr- und Gesellenzeit mit dem nur wenige Jahre älteren Tobias Jobin (1570 – 1604) anfreundet. Dessen Vater ist der angesehene Buchdrucker und Verleger Bernhard Jobin (vor 1545 – 1593) (es gibt sogar Hinweise, dass Bernhard Jobin mit einem Verwandten Johann Carolus’ mit selbem Namen bereits in den 1570er Jahren zusammenarbeitet).

    Im Hause Jobin gehen namhafte Persönlichkeiten der Straßburger Gesellschaft ein und aus, Schriftsteller, Maler, Gelehrte. Tobias’ Onkel etwa ist der allseits bekannte Satiriker Johann Baptist Fischart (ca. 1546 – 1591). Die Maler Tobias Stimmer (1538 – 1584) und Christoph Murer (1558 – 1614) sind Freunde der Familie und illustrieren regelmäßig die Jobinschen Buchprojekte.

    Auch seine Frau Anna findet Johann Carolus innerhalb der Zunft: Ihr Vater Jacob Fröhlich ist ebenfalls Buchdrucker. Anna und Johann Carolus heiraten im Juli 1599. Damit hat sich Johann Carolus in Straßburg etabliert. Die Heirat verschafft ihm nicht nur das Bürgerrecht, sondern sichert ihm auch einen Platz in der Zunft. Zeit also, sich niederzulassen.

    Die beiden beziehen ein Haus am Thomasplatz, von wo aus Johann Carolus zunächst als Buchbinder und -händler, aber auch als Nachrichtenschreiber arbeitet. Sein Freund Tobias ist mittlerweile Chef der Jobinschen Druckerei. Die beiden stehen in gutem Kontakt. So übernimmt Tobias Jobin die Patenschaft für eines der Kinder von Johann und Anna Carolus. Insgesamt bekommen sie vier Töchter und sieben Söhne. Wie viele davon überleben, ist nicht bekannt.

    Die Säuglingssterblichkeit jener Tage ist immens. Wer die Kindheit allerdings unbeschadet übersteht, hat gute Aussichten, die Sechzig zu erreichen. Nicht jedoch Tobias Jobin: Er stirbt 1604 mit gerade mal 34 Jahren.

    Nun steht Johann Carolus vor einer großen Entscheidung: Soll er die Jobinsche Druckerei kaufen und damit seine Geschäftsfelder um Druck und Verlag erweitern? Er wagt das unternehmerische Risiko, vielleicht auch, weil ihm daran gelegen ist, das Jobinsche Erbe zu bewahren.

    Am 01. September 1604 wird ihm die Druckerei überschrieben, die Maschinen lässt er in sein Haus überführen. Damit stehen ihm nun die technischen Möglichkeiten des Buchdrucks unmittelbar zur Verfügung. Und die eignen sich ja bekanntlich nicht nur zum Drucken von Büchern.

    Es ist nicht überliefert, wann genau Johann Carolus die Idee hat, die per Post eingehenden Nachrichten zu drucken, anstatt sie Blatt für Blatt aufzuschreiben. Es liegt jedoch auf der Hand: Nachrichten handschriftlich zu vervielfältigten ist mühsam und zeitaufwendig. Werden sie stattdessen gedruckt, kann in derselben Zeit eine höhere Auflage erzielt werden.

    Es scheint fast so, als sei die Geburt der Zeitung keiner großen Vision entsprungen, sondern eher betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Irgendwann im Sommer 1605 jedenfalls beginnt Johann Carolus mit dem Druck seiner Zeitung, die er „Relation: Aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien“ nennt.

    Zeitungen gab es schon. Als solche wurden bislang einzelne Blätter mit Nachrichten und Bekanntmachungen bezeichnet. Das Neue an der „Relation“ ist, dass sie regelmäßig in einem wöchentlichen Turnus erscheint, aktuelle Nachrichten aus aller Welt enthält (zwischen Ereignis und Meldung können allerdings mitunter ein paar Wochen ins Land ziehen), und grundsätzlich jedem zur Verfügung steht. Damit erfüllt sie all jene Kriterien, die eine Zeitung im eigentlichen Sinne ausmachen.

    Die Idee ist gut – das denkt sich wohl auch Johann Carolus (aus heutiger Sicht ist die Idee sogar ein wenig revolutionär, dessen wird sich Johann Carolus aber vermutlich nicht bewusst gewesen sein). Im Oktober 1605 stellt er beim Rat der Stadt Straßburg einen Antrag, eine „untherthenige Supplication“ (zitiert nach Weber, 1992). Er fürchtet, dass Konkurrenten die Idee abkupfern könnten.

    Er möchte ein alleiniges Privileg zum Druck von Zeitungen durchsetzen. Schließlich hat er die Jobinsche Druckerei „hoch vnnd theur (…) erkaufft“ und „mit nicht geringen Vncosten“ in sein Haus überführt.

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  • Verzeitung
  • KW 15: Zeichen der Zeit                (2/4)

    1601 ist es endlich soweit: Straßburg wird an das internationale Postnetz angeschlossen. Ab sofort kommen Briefe regelmäßig und zeitnah aus dem etwa 120 Kilometer entfernten Postamt in Rheinhausen (bei Speyer) in die Stadt.

    Nicht, dass Straßburg hinterm Mond läge. Die freie Reichsstadt ist eine der acht großen Städte im Heiligen Römischen Reich, das Tor zum Handel mit Frankreich. Straßburg liegt nur ein wenig abseits der bislang vorhandenen Postrouten.

    Mit Gründung der kaiserlichen Reichspost 1597 wird das Streckennetz allmählich ausgebaut. Dadurch werden auch Straßburg regelmäßige Termine und feste Laufzeiten garantiert.

    Mit der Post treffen Meldungen aus ganz Europa ein. Insbesondere aus den großen Städten, allen voran Prag, Wien, Köln, Rom und Venedig. Vor Ort werden diese Meldungen sehnlichst erwartet. Man will wissen, was in der Welt passiert.

    Nachrichtenschreiber nehmen die eingehenden Meldungen in Empfang, vervielfältigen sie handschriftlich und verkaufen sie an zahlende Abonnenten weiter. Einer dieser sogenannten Novellanten ist Johann Carolus, der kurze Zeit später die erste Zeitung der Welt herausgibt.

    Johann Carolus wird 1575 in Mühlbach im Elsass (Muhlbach-sur Munster) als Sohn eines Pfarrers geboren. Über seine Herkunft und auch sein Leben ist wenig bekannt. Überhaupt hat ihn die Geschichtsschreibung bis ins Jahr 1876 weitgehend vergessen, bis nämlich der Historiker Julius Otto Opel (1829 – 1895) den ersten erhaltenen Jahrgang der von Carolus herausgegebenen Zeitung entdeckt.

    Ins etwa 100 Kilometer entfernte Straßburg verschlägt es Johann Carolus, um dort eine Ausbildung als Buchbinder zu absolvieren, möglicherweise bei einem Verwandten. Das Buchwesen hat einen guten Stand im Straßburg jener Tage. Man blickt auf eine traditionsreiche Vergangenheit zurück und kann eine beachtliche Zahl an renommierten Druck- und Verlagshäusern vorweisen.

    Zwar hat der gute Gutenberg (um 1400 – 1468) seine Druckerpresse nicht in Straßburg, sondern in Mainz zur Perfektion gebracht – auch wenn darüber noch einige Zeit gestritten werden wird. Aber immerhin hat er hier eine Weile gelebt, und bereits zu seiner Zeit ist die Stadt eine Vorreiterin in Sachen Innovation im Buchdruck. Nach Mainz und Bamberg eröffnet hier eine der ersten Druckereien überhaupt, die mit der neuartigen Technik ausgestattet ist.

    Schnell entwickelt sich Straßburg zu einem der wichtigsten Buchzentren Europas. Damit nicht genug: Bereits 1502 werden die Buchdrucker, Formschneider und Buchbinder in die Straßburger Zunft der Stelze aufgenommen – zu jener Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Abgesehen von Basel ist das Buchwesen in keiner Stadt sonst in Zünften, Gilden oder Innungen organisiert.

    Mit dem Buchdruck blühen auch andere Gewerke auf, neben den Druckern selbst profitieren vor allem die Papiermacher, Buchbinder und -händler. Die Sparte verspricht eine gesicherte Existenz, wenn auch nicht unbedingt mit einer Arbeitsplatzgarantie vor Ort. Denn die Zunft sorgt auch dafür, dass die Konkurrenz in der Stadt überschaubar bleibt. Aber der Bedarf an Büchern steigt nach wie vor im ganzen Land. Da wird sich schon etwas finden lassen. Oder man knüpft – wie Johann Carolus – die entscheidenden Kontakte.

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  • Linear ist studpidar!
  • KW 14: Zeichen der Zeit                (1/4)

    1625 druckt Johann Carolus (*1575, †1634) eine Chronik der Stadt Straßburg. Hier, in der freien Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, betreibt er einen Verlag und eine Buchdruckerei.

    Dass er selbst einmal in die Geschichtsbücher eingeht, hat er wohl kaum vermutet. Doch seine Relation, die ab 1605 wöchentlich erscheint, markiert den Beginn der periodischen Presse.

    Die Idee an sich ist nicht neu. Auch Johann Carolus hat schon vorher sein Geld mit der Verbreitung von Nachrichten verdient – wie manch andere auch. Per Post eingehende Meldungen werden handschriftlich zusammengetragen und an Abonnenten verkauft. Das allerdings ist mühsam und zeitaufwendig.

    Als Johann Carolus im Oktober 1604 die Druckerei eines verstorbenen Freundes kauft, mag es naheliegen, die Nachrichten nicht mehr per Hand, sondern maschinell zu vervielfältigen. Das spart Zeit und lässt eine höhere Auflage zu, eine einfache Rechnung.

    Ihm ist schon bewusst, dass diese Innovation gar nicht so übel ist. Aus Angst vor Nachahmern beantragt er beim Stadtrat daher ein Monopol auf den Zeitungsdruck. Sein Anliegen wird abgelehnt, entmutigen lässt er sich aber nicht.

    Woche für Woche druckt er die neuesten Nachrichten aus Wien, Prag, Venedig und anderen Städten. Bis weit über seinen Tod hinaus wird die Relation erscheinen.

    Was die Relation so besonders macht: Sie ist die erste Zeitung, die dieser Bezeichnung nach heutigem Verständnis gerecht wird, – und damit die erste Zeitung der Welt.

    Die Relation bringt regelmäßig aktuelle Nachrichten aus aller Welt und steht einem (theoretisch) unbegrenzten Leserkreis zur Verfügung. All das, was eine moderne Zeitung ausmacht.

    Glücklicherweise behält Johann Carolus mit seiner Befürchtung recht: Seine Idee findet Nachahmer und breitet sich schnell zunächst in Zentraleuropa, schließlich auf der ganzen Welt aus.

    Eine neue Ära des Informationszeitalters ist angebrochen, und Johann Carolus hat sich – auch ohne Monopol – seinen Platz in der Geschichte gesichert.

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  • Das Licht zeitig segnen
  • KW 13: Das Zeitliche

    Die Woche bringt Europa einen Jetlag ganz ohne zu reisen. Denn in der Nacht vom 28. auf den 29.3. werden die Uhren auf Sommerzeit getrimmt.

    Das für den 28.3. in Köln angesetzte Konzert (s. Foto) musste hingegen abgesagt werden. "Mitten im Leben" ist nicht mehr - zumindest nicht im Diesseitigen.

    Auch Johann Carolus, dessen Geburtstag sich in dieser Woche zum 440. Mal jährt (26.3.), weilt nicht mehr unter uns. Zumindest rein physisch, denn seine Idee von der "Zeitung" lebt weiter.

    Wobei die Frage gestattet sein muss, wie lange es die Zeitung tatsächlich noch in physischer Form geben wird.

    Da nicht nur Johann Carolus, sondern auch seine verrückte Idee in diesem Jahr einen runden Geburtstag feiert, ihren (mutmaßlich) 410. nämlich, erzähle ich seine und ihre Geschichte ab nächster Woche in vier Teilen.

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  • Wir enden, wenn wir säen
  • KW 12: Live young,
    die fast

    "Tragisch und sinnlos" sind meist die Attribute, die wir heranziehen, wenn wir mit dem Tod eines jungen Menschen konfrontiert sind.

    Was da aus uns spricht, ist unsere Angst vor dem Tod, die uns das "diesseitge" Leben in seiner Bedeutung überhöhen lasst.

    Doch kein Leben ohne Sterben, weshalb jeder Tod in gewisser Weise auch sinnvoll, weil natürlich ist; so traurig uns der Verlust eines geliebten Menschen egal welchen Alters auch stimmen mag.

    Die staatliche Kunsthalle Baden-Baden geht mit ihrer kommenden Ausstellung (21.3.-21.6.) der Frage nach, was "Nach dem frühen Tod" eines Künstlers oder einer Künstlerin mit dessen/deren Werk und seiner Rezeption passiert.

    Wenn früh verstorbende Kreative nicht einfach in Vergessenheit geraten, ranken sich schnell Mythen um den Tod oder die Person selbst.

    Mitunter hat es den Anschein, als gehöre ein Sterben in jungen Jahren schon fast zum Bild von der genialen, aber verkorksten Künstlerpersönlichkeit.

    Dabei rangiert nach Angaben der WHO der Suizid nach Verkehrsunfällen an der zweiten Stelle der häufigsten Todesursachen junger Menschen (zwischen 15 und 29 Jahren), ganz egal, ob sie künstlerisch tätig sind.

    Auch der folgende Blick auf die Todesursachen der in der Ausstellung gewürdigten Künstlerinnen und Künstler zeigt: Viele sind auf ganz profane Weise verschieden:

    Francesca Woodman
    (1958-1981, 22 Jahre, Selbstmord)
    Hermann Stenner
    (1891-1914, 23 Jahre,
    im Krieg gestorben)
    Peter Roehr
    (1944-1968, 23 Jahre, Krebs)
    Wilhelm Morgner
    (1891-1917, 26 Jahre,
    im Krieg gestorben)
    August Macke
    (1887-1914, 27 Jahre,
    im Krieg gestorben)
    Jean-Michel Basquiat
    (1960-1988, 27 Jahre, Überdosis)
    Dash Snow
    (1981-2009, 27 Jahre, Überdosis)
    Rudolf Schwarzkogler
    (1940-1969, 28 Jahre, Fenstersturz, Unfall?)
    Absalon
    (1964-1993, 28 Jahre, AIDS)
    Piero Manzoni
    (1933-1963, 29 Jahre, Herzinfarkt)
    Uwe Lausen
    (1941-1970, 29 Jahre, Selbstmord)
    Keith Haring
    (1958-1990, 31 Jahre, AIDS)
    Bas Jan Ader
    (1942-1975, 33 Jahre, vermutlich ertrunken)
    Blinky Palermo
    (1943-1977, 33 Jahre, unklar, evtl. Herzversagen o. Autounfall)
    Eva Hesse
    (1936-1970, 34 Jahre, Hirntumor)
    Robert Smithson
    (1938-1973, 35 Jahre, Flugzeugabsturz)
    Gordon Matta-Clark
    (1943-1978, 35 Jahre, Krebs)
    Michel Majerus
    (1967-2002, 35 Jahre, Flugzeugabsturz)
    Ana Mendieta
    (1948-1985, 36 Jahre, Selbst-/Mord/Unfall?)
    Vincent van Gogh
    (1853-1890, 37 Jahre, Selbstmord oder Unfall)
    Ketty La Rocca
    (1938-1976, 37 Jahre, Hirntumor)
    David Wojnarowicz
    (1954-1992, 37 Jahre, AIDS)
    Felix González-Torres
    (1957-1996, 38 Jahre, AIDS)
    Jan Mančuška
    (1972-2011, 39 Jahre, seltene Blutkrankheit)
    Jason Rhoades
    (1965-2006, 41 Jahre, Herzversagen)
    Hélio Oiticica
    (1937-1980, 42 Jahre, Hirnschlag)
    Jackson Pollock
    (1912-1956, 44 Jahre, Verkehrsunfall)
    Martin Kippenberger
    (1953-1997, 44 Jahre, Krebs)
    Öyvind Fahlström
    (1928-1976, 47 Jahre, Krebs)
    Gerhard von Graevenitz
    (1934-1983, 48 Jahre, Flugzeugabsturz)
    Mark Lombardi
    (1951-2000, 48 Jahre, Selbstmord?)
    Christoph Schlingensief
    (1960-2010, 49 Jahre, Krebs)

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  • From Zero to Hero
  • KW 11: Nullnummer

    Wer in einer Internet-Suchmaschine "Kunst" und "Nägel" eingibt, wird lange, vielleicht sogar vergeblich suchen, bis er auf Guenther Uecker (*1930) trifft. Das ist ebenso erstaunlich wie bedauerlich. Hat er doch die einzig wahre "Nailart" erschaffen.

    In dieser Woche feiert Guenther Uecker seinen 85. Geburtstag (13.3.). Passend zum Jubiläum findet im K20 in Düsseldorf noch bis zum 10.5.2015 eine große Retrospektive statt, die zeigt, dass sein Werk längst nicht nur aus eben jenen Nagel-Reliefs besteht, mit denen er bekannt geworden ist.

    In der kommenden Woche wird darüber hinaus im Martin-Gropius-Bau in Berlin eine Ausstellung zur ZERO-Bewegung eröffnet.

    Günther Uecker schloss sich offiziell 1961 der von Otto Piene (1928-2914) und Heinz Mack (*1931) 1958 in Düsseldorf proklamierten ZERO-Bewegung an.

    Die Gruppe machte schnell durch ihre Ausstellungen, Aktionen und Arbeiten, die durch den Einbezug von Licht und Bewegung gekennzeichnet waren, auf sich aufmerksam und zog viele andere Künstler in ihren Bann.

    1964 nahmen Piene, Mack und Uecker mit einer gemeinsamen Arbeit (Lichtraum (Hommage à Fontana)) an der documenta III teil. 1966 löste sich die Gruppe/Bewegung wieder auf.

    In Berlin ist die bislang umfassendste Ausstellung zur ZERO-Bewegung vom 21.3. bis zum 8.6.15 zu sehen, anschließend vom 4.7. bis zum 8.11. im Stedelijk Museum in Amsterdam.

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  • Old is the new New.
  • KW 10: Schnitt

    Die letzten drei Wochenfotos haben eines gezeigt (auch wenn es sich nicht um Fotos im eigentlichen Sinne handelte): Da tut sich was im Collagen-Lab des Volker Frechen. 27 Jahre nach Entstehen meiner ersten Collage versuche ich mich im Scherenschnitt.

    Selbstverständlich nimmt die Schere als Werkzeug (neben Cutter und Klebstoff) bei den meisten meiner Collagen eine entscheidende Rolle ein (außer wenn ich Papier reiße oder Elemente unverändert auf den Bildträger bringe).

    Doch der Scherenschnitt im klassischen Sinne bezeichnet nicht nur Werkzeug und Technik im Allgemeinen, sondern ein ganz bestimmtes Verfahren und dessen Ergebnis, auch bekannt als Silhouette oder Schattenriss.

    Bei den bislang gezeigten Scherenschnitten handelt es sich um erste Übungen als Vorbereitung für geplante größere Collagen, von denen zwei bereits in Arbeit sind.

    Die Ergebnisse werden beizeiten dann auch an der ein oder anderen Stelle zu sehen sein. Bleiben wir gespannt!

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  • Milky Chance
  • KW 9: Stolen Chance?

    Braucht es noch erklärender Worte, warum Sadnecessary von Milky Chance das, zumindest aber mein Album des vergangenen Jahres war (vgl. KW8)?

    Shouldn't talk about it

    Milky Chance sind kometengleich von der Schulbank in Kassel in die Sphären einer international erfolgreichen Musikkarriere gestartet.

    Bring it on the floor

    Ihre Single Stolen Dance erreichte Platinstatus in Deutschland, Italien, Kanada, Australien, Neuseeland und den USA. Sie war in zahlreichen Ländern, darunter Schweden, Norwegen, Belgien, Polen, die Schweiz, Frankreich und die Niederlanden in der Top Ten platziert.

    Dancing on

    Zwar wurde der Longplayer Sadnecessary erstmals bereits im Mai 2013 und dann erneut im Oktober 2013 veröffentlicht. Und auch Stolen Dance wurde bereits im Dezember 2013 mit einer 1live-Krone als Beste Single des Jahres ausgezeichnet. 2014 war aber definitiv das Jahr von Sadnecessary und Milky Chance.

    You’ve Never Danced
    Like This Before


    2014 waren Milky Chance bei zahlreichen Festivals am Start und zwar nicht nur bei Rock am Ring oder auf dem Hurricane- und dem Southside-Festival, sondern auch beim Summerjam, auf dem Montreux Jazz Festival und auf dem Electronic Beats Festival.

    Doing the Boogie
    All Night Long


    Denn die Musik von Clemens Rehbein und Philipp Dausch hat ihren eigenen Platz zwischen Folk, Pop, Singer-/Songwriter, Reggae, Blues und Elektronik gefunden. Hinzu kommt die unverwechselbare Stimme von Clemens Rehbein.

    Stoned in Paradise

    Damit sprechen Milky Chance ganz offensichtlich nicht nur viele, sondern auch ganz unterschiedliche Menschen an. Bei mir lief Sadnecessary 2014 lange in Endlosschleife.

    Talk about it

    Sadnecessary wurde am 14. Oktober 2014 nun auch in den USA veröffentlicht. Von März bis Mai folgt eine große Nordamerika-Tour. Vielleicht klappt es ja bei der nächsten Grammy-Verleihung.

    [kursiv: Textzeilen aus Stolen Dance]

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  • Loser is Winner
  • KW 8: My Radio Gram

    Nun steht es fest: Als Album des Jahres 2014 gilt Becks Morning Phase - zumindest nach Auffassung der National Academy of Recording Arts and Sciences (NARAS), die alljährlich die Grammys vergibt.

    Die Auszeichnung von Beck Hansen (*1970) bei der Preisverleihung am 8.2. in Los Angeles kam für viele überraschend, manche fanden sie gar ungerechtfertigt.

    Der Musiker Kanye West (*1977) jedenfalls stürmte auf die Bühne, um seinen Unmut über die Entscheidung kundzutun, just in dem Moment als Beck seine Dankesrede halten wollte, verließ sie dann aber wieder umgehend unverrichteter Dinge.

    Später begründete West seinen Auftritt damit, dass Beck "wahre Künstler" anerkennen solle und die Trophäe an Beyoncé, die ebenfalls in der Kategorie Bestes Album nominiert war, abgeben solle.

    In zwei Punkten hat Kanye West Recht: Morning Phase ist weder Becks bestes Album, noch die herausragendste Platte des Jahres.

    Allerdings verkennt er, dass Beck zweifelsohne ein musikalisches Ausnahmetalent ist. Bereits 1997 hätte er für sein Album Odelay einen Grammy verdient gehabt. Nominiert war er, nur hatte sich die Jury damals für Bob Dylans Time Out Of Mind entschieden.

    Seitdem hat Beck viele gute Platten eingespielt. Die einzigartige Mischung von Odelay aus Country, Blues, Hiphop, Jazz, Rock und jeder Menge Samples hat er jedoch nie wieder erreicht. Vielleicht war das auch gar nicht seine Absicht.

    Sein größter Coup der letzten Jahre war sein "Songreader" von 2012, ein Notenbuch mit 20 Liedern und jeder Menge Kunst. Beck hat die Lieder nicht selbst eingespielt, sondern uns alle dazu eingeladen, die 20 Songs selbst zu interpretieren.

    Die insgesamt drei Grammys für sein aktuelles Album (Album of the year, Best Rock Album, Best Engineerd Album, Non-Classical) verschaffen ihm und seinem Werk vermutlich wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Verdient hat er sie.

    Bleibt noch die Frage, welches (meiner Meinung nach) das beste Album 2014 war: Sadnecessary von Milky Chance (vgl. KW 9 & KW 45).

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  • Weder Siebdruck, noch Stencil
  • KW 7: Le mot heureuse

    Sie tanzte, webte, malte, inszenierte, gestaltete, entwarf, konstruierte, plante, unterrichtete, redigierte, vernetzte, gab heraus - und sich selbst nie auf.

    Sie war mit Kandinsky, Miró, Schwitters, Duchamp, Max Ernst, Paul und Gala Éluard, Sonia und Robert Delaunay, Tristan Tzara, Hanna Höch und Hans Arp befreundet, mit letzterem sogar liiert.

    Sie war Mitbegründerin von DADA, Pionierin der konstruktiven und konkreten Kunst und schuf zusammen mit Arp und von Doesburg in Straßburg die "Sixtinische Kapelle der Moderne" (wie die zwischen 1926 und 1928 von den dreien gestaltete Aubette, ein "multifunktionales Vergnügungszentrum", mitunter genannt wird).

    Und doch blieben ihr Ruhm und Anerkennung zu Lebzeiten verwehrt. Was auch darin begründet liegt, dass sie 1943 mit knapp 54 Jahren einen tragischen Unfalltod starb.

    In der Kunsthalle Bielefeld ist unter dem Titel "Heute ist Morgen" nun endlich eine große Retrospektive zum Werk von Sopie Taeuber-Arp (1889-1943) zu sehen.

    Dia Ausstellung wurde zuvor im Aargauer Kunsthaus in der Schweiz gezeigt. In Bielefeld ist die etwas abgespeckte Schau noch bis zum 15.3.15 zu sehen.

    Und apropos „Sixtinische Kapelle“: Letzte Woche wurde in der Bonner Bundeskunsthalle eine Ausstellungshommage an Michelangelo eröffnet (zu sehen vom 6.2. bis 25.5.15)

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  • Plakative Erkenntnis?
  • KW 6: L'âge d'écol

    Als ich 1998 durch Indien reiste, wurde ich erleuchtet. Nicht im spirituellen, sondern im visuellen Sinne.

    Vielleicht um einer sensorischen Überforderung zu entgehen, fokussierte ich meinen Blick auf kleinste Ausschnitte und erkannte: Schönheit ist überall. Alles ist nur eine Frage der Sichtweise.

    Fortan entwickelte ich eine Liebe zum Detail und fotografierte das Übersehene des Alltags, die kleinen, unscheinbaren Dinge, die für sich genommen oder miteinander kombiniert eine eigene Ausstrahlungskraft entwickeln.

    Ebenfalls in Südasien, diesmal 2003 auf Sri Lanka, nahm eine meiner Fotoserien ihren Anfang: die Deco Diven und Deco Dandys (Deco von Décollage).

    Bereits in Indien und anschließend dann auch in Deutschland waren mir die ersten "natürlichen" Décollagen ins Auge gesprungen, verwitterte, zerfetzte, wieder überklebte und erneut abgerissene Plakatwände.

    Doch am Busbahnhof in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, hatte ich eine Erscheinung: „Nanda“, meine erste Deco Diva, zeigte sich mir – zerrissen und doch strahlend schön - und ließ mich in meiner Mitte ankommen.

    Was ich damals noch nicht wusste: Bereits ab 1949 hatten Raymond Hains (1926-2005) und Jacques de la Villeglé (*1926) in Paris die Schönheit zerrissener Plakatwände erkannt und zur Kunst erkoren.

    Damit zählen die beiden nicht nur zu den ersten Pop-Artisten, sondern in gewisser Weise auch zu den Wegbereitern der Street-Art. Nebenbei begründeten sie mit anderen illustren Kolleg_innen den "Neuen Realismus".

    In der Frankfurter Schirn eröffnet in dieser Woche die Ausstellung "Poesie der Großstadt. Die Affichisten" (5.2. bis 25.5.2015).

    In 150 Exponaten wird die Kunst der Décollage mit Werken von Raymond Hains und Jacques Villeglé sowie von Francois Dufrêne, Mimmo Rotella und Wolf Vostell gezeigt.

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  • Ist da wer?
  • KW 5: Außensichten

    Kunst eröffnet manchmal neue Sichtweisen: unbekannte Perspektiven, ungewohnte Zusammenhänge oder gar ein Abbild des Un-Sichtbaren.

    Trevor Paglen (*1974) gelingt genau dies. Er macht sichtbar, was im Verborgenen liegt - und eigentlich nicht sichtbar werden soll. Er geht den Aktivitäten und Orten US-amerikanischer Geheimdienste und Militärs auf die Spur.

    Geheime und abgeschirmte Militäranlagen, offiziell nicht existente Gefängnisse, nicht verzeichnete Abhörstationen und Spionagesatelliten sind seine vornehmlichen Ziele.

    Mittels aufwändiger Recherchen, ausgefeilter Technik (darunter Präzisionsteleskope), viel Ausdauer und ein bisschen Wagemut fotografiert er eben diese Dinge.

    Die Ergebnisse liegen irgendwo zwischen Dokumentarfotografie, investigativem Journalismus und moderner Kunst. Das sichtbar Gemachte ist zwar profan, aber auf seine Art dennoch phänomenal.

    Ausgewählte Fotografien von Trevor Paglen sind bis zum 22. Februar 2015 im Kunstmuseum Bonn zu sehen.

    In der nebenan gelegenen Bundeskunsthalle ist parallel dazu ebenfalls bis zum 22.2. noch die Ausstellung "Outer Space. Faszination Weltraum" zu erkunden.

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  • Ah, den Blick weiten:
  • KW 4: Hoch zu Ross

    "Jedes Kind, das heute verhungert, wird ermordet", sagte vor zehn Jahren Jean Ziegler (*1934) in seiner Funktion als Sonderberichterstatter der UN für das Recht auf Nahrung. Und zwar, weil die Weltwirtschaft seiner Einschätzung nach "problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren" könnte.

    Immerhin handelt es sich UNICEF (2013) zufolge um jährlich mehr als 2,9 Millionen verhungerte Kinder unter fünf Jahren. Fast jedes zweite Kind stirbt in diesem Alter weltweit gesehen an Unterernährung.

    Dass sich daran nichts ändert, hat viele Ursachen. Unter anderem tragen die Zuschüsse der Industrienationen in die eigene Agrarwirtschaft dazu bei.

    Dank umfangreicher Subventionen gelangen europäische Erzeugnisse auf afrikanische Märkte. Ihr Preis liegt nicht selten unter dem heimischer Produkte - und entzieht damit Bauern und Bäuerinnen in Entwicklungsländern die Lebensgrundlage.

    Nun könnte mensch dagegenhalten, dass die Industrienationen auf der anderen Seite ja auch finanzielle Mittel in die Entwicklung eben dieser Länder stecken. Ein Blick auf die Zahlen lässt ernüchtern.

    Die Länder der OECD (darunter viele Länder Europas sowie die USA, Japan, Australien und andere sogenannte Industrienationen) haben 2013 zusammengenommen 134,5 Milliarden US-Dollar für Entwicklungshilfe aufgewendet. Im Vergleich dazu wurde die eigene Landwirtschaft mit rund 258 Milliarden US-Dollar gefördert.

    Diese Erkenntnis ist nicht neu. Wie gesagt hat Jean Ziegler bereits vor zehn Jahren darauf hingewiesen.

    Warum gehe ich dann in dieser Woche darauf ein? Zum einen weil sich in den vergangenen zehn Jahren zu wenig geändert hat (dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr).

    Zum anderen weil dieser Sachverhalt für mich ein Beispiel der in der vergangenen Woche angesprochenen "strukturellen Gewalt" darstellt.

    Wenn Europa dieser Tage einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und damit auf die europäischen Grundwerte beklagt, täten wir alle gut daran, trotz unseres Entsetzens unseren Blick zu weiten.

    Es gibt selbstverständlich keine Rechtfertigung für terroristische Gewalt. Allerdings ist Ungerechtigkeit der ideale Nährboden für Terrorismus.

    Wir können versuchen, unsere "Festung Europa" noch weiter abzuschirmen, um sie noch sicherer zu machen. Damit werden wir Terrorismus aber nicht verhindern - im Gegenteil.

    Wenn wir uns schon auf unsere Werte berufen, sollten wir sie konsequent für alle Menschen einfordern und uns nicht allein auf den Wert der Freiheit beschränken.

    "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" müssen mehr denn je global gedacht werden. Oder sind wir etwa gleicher als andere?

    [zu KW 47]

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  • Eine Lanze für die Freiheit?
  • KW 3: Sein und Nichtsein

    Ich bin Charlie,

    wenn das die allgemein gültige Losung ist, die Anschläge in Paris zu verurteilen, mein Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen und zu bekräftigen, dass die Freiheit, auch die der Meinungsäußerung, ein hohes Gut ist.


    Ich bin nicht Charlie,

    wenn die Anschläge in Paris zum Anlass genommen werden, schärfere Sicherheitsgesetze zu erlassen, um eben diese Freiheit zu verteidigen, anstatt an den Ursachen der Radikalisierung anzusetzen,

    wenn sie dazu genutzt werden, Stereotype zu verfestigen und die bestehende islamfeindliche Stimmung weiter anzufachen, anstatt Dialog, Gemeinschaft und gegenseitige Wertschätzung zu fördern,

    und wenn sie dazu führen, die unkritische Einteilung der Welt in Gut und Böse zu untermauern, anstatt auch Formen struktureller Gewalt, die von der westlichen Welt ausgehen, zu analysieren und abzubauen.

    [zu KW 47]

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  • Pop up
  • KW 2: Pop out


    to pop: 1. knallen. 2. (zer)platzen:
    ~ open aufplatzen, -springen.
    3. ballern, schießen. 4. sausen:
    ~ in auf e-n Sprung vorbei kommen; 
    ~
    off den Löffel abgeben; ~ up (plötzlich) auftauchen. 5. (schnell) stecken: ~ on Hut aufstülpen. 6. he's ~ped the question er hat ihr e-n Antrag gemacht.


    Je populärer die Pop-Art wurde, desto mehr geriet in Vergessenheit, woher sie gekommen war.

    Zu schnell war sie zu dem geworden, was ihr Name vorwegzunehmen scheint: Kunst, die den Geschmack der Masse trifft.

    Doch als Andy Warhol (1928-1987) 1964 nichts weiter als rund 400 Brillo-Boxen ausstellte, war das ein Affront gegen die etablierte Kunst mitsamt ihrem elitären Kunstbegriff - und erst recht gegen den Kunstverstand der Massen.

    Dass Robert Rauschenberg (1925-2008) im selben Jahr auf der Biennale in Venedig den Preis für Malerei verliehen bekam, verhalf der Pop-Art jedoch in die heiligen Hallen der Kunst aufgenommen zu werden – und irgendwann hat sie dann auch die Massen für sich eingenommen.

    Weniger bekannt ist, dass die Ursprünge der Pop-Art bereits in den späten 1940er Jahren zu finden sind – und zwar nicht in den USA, sondern in England.

    Hier sind vor allem Eduardo Luigi Paolozzi (1924-2005) und Richard Hamilton (1922-2011) zu nennen.

    In einer Collage von Eduardo Paolozzi (mit dem Titel "I was a Rich Man’s Plaything") taucht bereits 1947 zum ersten Mal das Wort "Pop" auf.

    Auch wenn heute niemand mehr mit Gewissheit sagen kann, wer den Begriff der Pop-Art prägte, scheint doch relativ sicher, dass er im Dunstkreis der Independent Group entstanden ist.

    Die Gruppe, ein Zusammenschluss aus Künstlern, Designern, Architekten und Kunstkritikern, wurde 1952 in London von Paolozzi, Hamilton und anderen gegründet.

    Von Anfang an wurde die Synthese von Kunst und Alltag nicht nur diskutiert, sondern auch vollzogen, so etwa in der ersten Ausstellung der Gruppe 1953 am Institute of Contemporary Arts in London (mit dem programmatischen Titel "Parallel of Life and Art").

    Noch weniger bekannt ist, dass auch Kurt Schwitters (1887-1948) in den Jahren seines englischen Exils (von 1940 bis zu seinem Lebensende) die Elemente der Pop-Art vorwegnahm.


    Aktuell laufen hierzulande zwei Ausstellungen, die das Phänomen der Pop-Art beleuchten.

    Im Kölner Museum Ludwig ist noch bis zum 11.1. die Ausstellung "Ludwig goes Pop" mit etwa 150 Werken zu sehen. Anschließend wandert die Schau vom 12.2. bis zum 13.9.2015 ins Wiener mumok.

    In der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main werden unter dem Titel "German Pop" bis zum 8.2. Arbeiten von 35 Künstler_innen gezeigt, darunter Gerhard Richter und Sigmar Polke.

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  • Spot on!
  • KW 1: Schlussgedenken

    Die erste Kalenderwoche des neuen Jahres beginnt mal wieder im alten.

    Das trifft sich gut: So kann ich dem neuen eine Brücke bauen.

    Während sich mein vorletzter Eintrag des fast vergangenen Jahres den ersten "Lichtbildnern" widmete, steht 2015 ganz im Zeichen des Lichts. Die UN-Vollversammlung hat 2015 zum Internationalen Jahr des Lichts erkoren.

    Daher verabschiede ich 2014 an dieser Stelle mit einer Liste mehr oder minder lichter, fast vergessener Gedenkmomente, um meinen Fokus ab nächster Woche dann voll und ganz auf 2015 zu richten.

    2014 jährte sich am...

    04.02.:
    10 Jahre Facebook
    24.02.:
    30 Jahre Privatfernsehen
    08.03.:
    25 Jahre ISDN
    31.03.:
    60 Jahre 1. Reportage aus Afrika im deutschen TV
    10.04.:
    60. Todestag Auguste Lumière
    21.04.:
    25 Jahre Game Boy
    06.05.:
    125 Jahre Weltausstellung in Paris
    23.05.:
    80. Geb. Bob Moog (1. Synthesizer)
    06.06.:
    60 Jahre Eurovision / 25 Jahre 1. deutscher Satellit
    02.08.:
    30 Jahre 1. E-Mail in D
    20.09.:
    90 Jahre Steno
    21.09.:
    150 Jahre Vorführung Telefon durch Ph. Reis
    23.09.:
    125 Jahre Nintendo
    18.10.:
    60 Jahre Transistorradio
    01.11.:
    60 Jahre Deutsches Fernsehen
    12.11.:
    30 Jahre Entdeckung genetischer Fingerabdruck
    16.11.:
    40 Jahre Arecibo-Botschaft
    22.11.:
    20 Jahre Beschluss Rechtschreibreform
    03.12.:
    20 Jahre Playstation
    04.12.:
    90 Jahre Internationale Funkausstellung
    17.12.:
    25 Jahre Simpsons
    27.12.:
    30 Jahre 1. Hackerkongress in D
    31.12.:
    125. Geb. Adolf Grimme

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