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 Volker Frechen




Wochenfotos 2020



  • Blühet
  • KW 39.20: 1.000 gute Wünsche

    Alpha aka Omega
    Oha heißt meistens mehr als Ah
    Geben, Nehmen, ausgeglichen
    Synchron, symmetrisch, unverstrichen

    Die Floskel ist echt ernst gemeint
    Alles ist, wie es auch scheint
    Zerebral und zeromonisch
    Idiomatisch und ikonisch

    Mit jeder Silbe, jeder Phrase
    Mit jedem Wort, in jeder Phase
    Bei jedem Wind und jedem Wetter
    Rückhalt, Zugkraft gibt ein jeder Letter

    Das Ansinnen von Anbeginn
    Da bist du weg, da bist du hin
    Von Anfang an und auch am Schluss
    Selbst mittendrin, ist alles im Fluss


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  • Blühet
  • KW 38.20: 1.000 gute Wünsche

    Dreiklang, Thumbnail, Restrospekt
    Gepunktet, uni und gescheckt
    Opak, oval und Ofenrohr
    Holst alle Formen frisch hervor

    Dauerspannung, Nervenkitzel
    Im Almanach, im Kladdenkritzel
    Lieblingslied in Dauerschleife
    Alles tanzt nach deiner Pfeife

    Gedankenlesen, Staudamm bauen Gemeinsam rangeln, Gäule klauen
    Wälzer schmausen, Blätter pressen
    Mit dir ist gut Kirschen essen

    Jede Form, Struktur, Matrize
    Die Tagesordnung, jede Skizze
    Jedes Raster, Skript und Schema
    Jeder Blog kennt nur dein Thema


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  • Blühet
  • KW 37.20: 1.000 gute Wünsche

    Intensiv besonnen walten
    Angemessen, richtig schalten
    Triumphieren, jubilieren
    Ornamente ziselieren

    Knitterfrei, das Plenum plätten
    Schlichten und die Wogen glätten
    Auf ganzer Linie überzeugen
    Niemals brechen, nur verbeugen

    Kontinenz und Contenance
    Kompetenz in jeder Chance
    Präsente, Prämien, Sonderposten
    Geschenke ohne Zusatzkosten

    In der Tasche, Hinterhand
    Welterfolg mit Folgeband
    Eitel scheinen tausend Sonnen
    Wie begonnen, so gewonnen


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  • Blühet
  • KW 36.20: 1.000 gute Wünsche

    Milde Seife aus dem Spender
    Ein Lied, zwo drei vier, Love me Tender
    Tropffrei Tülle, trächtig Trichter
    Kleine Macken, große Lichter

    Gummiboot und Hüpfekästchen
    Teddybären, flauschig Nestchen
    Weitblick dank Beschaulichkeit
    Erfüllung in Bescheidenheit

    'Nen Ritterhelm für durch die Wand
    Flokati außer Rand und Band
    Nie daneben, mitten drin
    Hoch die Tassen, Prost, Chin-Chin

    Glitzersteine, Spielzeuggeld
    Trampolin im Zirkuszelt
    Musenkuss macht heile Welt
    Und was euch sonst noch so gefällt



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  • Blühet
  • KW 35.20: 1.000 gute Wünsche

    Dojo, Horst, Ideenschmiede
    Orchester trällert tröstlich Liede
    Wagenburg und Wagenheber
    Wohlgetan, frei von der Leber

    Mundorgel und Listenplatz
    Voller Vorrat schafft Ersatz
    Mundgerecht, partitioniert
    Völlig füllig, fein dosiert

    Schlüsselbund für alle Türen
    Tore öffnen, Schönes schüren
    Schleusen sichern, Pakte schließen
    Gläser füllen, Blumen gießen

    Deckungsgleiches Anagramm
    Kieselerde, Fangoschlamm
    Multikulti und -medial
    Rangfrei ist die Ordnungszahl



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  • Blühet
  • KW 34.20: 1.000 gute Wünsche

    Captain's Dinner, Ritter Rost
    Kleiner Prinz und Rosenpost
    Odin, Wotan, Tim und Struppi
    Rote Zora, blauer Guppy

    Ginster, Ranger, Riot Girl
    Danger Mouse mit Wirbel-Quirl
    Popeyes Kräfte, Alfs Humor
    Kasperls Mütze, Kahn im Tor

    Batmobil und Tretbootschwan
    Schaumwein aus dem Wasserhahn
    Glasfaser und Brennstoffzelle
    Notstrom für den Fall der Fälle

    Käpt‘n Blaubär, Fischers Fritz
    Lachsalven und Schleudersitz
    Dicke Bretter, Akkubohrer
    Zeitgemäß dank Meister Hora



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  • Blühet
  • KW 33.20: 1.000 gute Wünsche

    Griffig' Slogan, heißer Draht
    Packend' Story, Rauschebart
    Peppig' Pitch und pfiffig' Spot
    Wohlfeil' Ware, wertvoll' Schrott

    Kurze Leitung, lange Nächte
    Fügsam, filigran' Geflechte
    Fürsorglich und konziliant
    Keine Frage, schier brilliant

    Molto bene, wirksam‘ Wandlung
    Großes Tennis, handzahm‘ Handlung
    Bibabutze, volle Möhre
    Extraklasse, aus der Röhre

    Eindrucksvoll, das Resultat
    Beispielhaft, Konglomerat
    Von Strahlkraft, wahrlich explosiv
    So experimentell und expressiv



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  • Blühet
  • KW 32.20: 1.000 gute Wünsche

    Dreimal Hoch, ab durch die Mitte
    Voller Einsatz, sinnvoll Sitte
    Garant und Motor, runde Sache
    Im Reinen sein und in der Mache

    Frei nach Gusto, Gruschel-Grund
    Neongrau, geflecktes Bunt
    Blütenstaub und Arthouse, Trash
    Bare Münze, Cash in Täsch

    Gedrehtes Spiel, vermieden Flop
    Innen hui und außen top
    Wohlgeraten, exquisit
    Meister des Fachs, Könnergebiet

    All is pretty, yes we can
    Get up, Stand-up, try again
    Warte nicht auf bess're Zeiten
    Wandle sie, wirst Weg bereiten



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  • Blühet
  • KW 31.20: 1.000 gute Wünsche

    Die Koordinaten im System
    Sind dehnbar ins Extrem
    Die Dimensionen bald Fiktion
    Diskursiv ist die Diktion

    De facto ist die Evidenz
    Nur zur Deko Dekadenz
    Weizenspreu ist das Dekret
    Isotonisch, das Sekret

    Detailgetreu ist Illusion
    Der Spielraum, der ist die Lektion
    Gesichert ist die Existenz
    Viel gerühmt die Viel-Valenz

    Gebot der Stunde gilt for sure
    Glorreich, groß und gleich auf Spur
    Das Konzentrat wird zum Fraktal
    Das Kausalitäre ganz spektral



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  • Blühet
  • KW 30.20: 1.000 gute Wünsche

    Ein Bauhaus, klassisch, Jugendstil
    Postmodern, elektrophil
    Potentiometer, flippig Chart
    Eklektisch Is-Mus, Avantgarde

    Wellenweit, Walhalla-Ring
    Foster Wallace, Else Kling
    Schwere Kost ist leicht verdaulich
    Weisheitsspruch ist wohl-erbaulich

    Schlüsselwerk und Musterhaus
    Hidden Track und Lehre draus
    Special Edition, krasser Remix
    Super und duper Doppel-Deluxe

    Wermut, Wehrturm, junger Werther
    Letzte Worte, wohl Bekehrter
    Wandlungsreicher Optimist
    Ja zum Leben, Tod gedisst



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  • Blühet
  • KW 29.20: 1.000 gute Wünsche

    Samt und sonders, semiotisch
    Ereignisreich und anekdotisch
    Wünschenswert wird genuin
    Wunderbar ein jeder Spleen

    Smaragd, Granat mit Edelschimmel
    Smart Garant mit Glutkern-Fimmel
    Feuerpumpe, Met im Horn
    Pint für Pint, die Nase vorn

    Hermetisch, plan und permeabel
    Gefiltert, cross und praktikabel
    Von Grund auf jeck und solidarisch
    Futuristisch, antiquarisch

    Elegisch, Lache, lachhaft, lau
    Für umme, Summe, stimmt so, blau
    Humor ist, wenn man trotzdem lacht
    Für immer Füllhorn, Freude macht



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  • Blühet
  • KW 28.20: 1.000 gute Wünsche

    Buchstaben im Tabernakel
    Runen, Zeichen und Gekrakel
    Den Hieroglyphen auf der Spur
    Begreifen läuft in einer Tour

    Innehalten im Phonem
    OM soufflierend, ehedem
    Abermals und inbrunstvoll
    Bahnbrechend und liebestoll

    Yabadaba, Halligalli
    Wadde hadde, Dalli Dalli
    Hakuna Matata, Rabimmel, Rabammel,
    Bedeutsam ist ein jedes Gestammel

    Die Schrift, die ist des Keils enthoben
    Das Alphabet ins All verschoben
    Verständigung klappt ohne Worte
    Überall nur Wohlfühlorte



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  • Blühet
  • KW 27.20: 1.000 gute Wünsche

    Ein Lauf, ein Strike, ein Peak, ein Done
    Ein Korb, ein Tor, ein Punkt, ein Run
    Ein Sieg, ein Sieb, ein Seitenhieb
    Ein Stich, ein Blatt, ein Zeitvertrieb

    Ein Wollen, das sich nicht verrennt
    Ein Wandern, das die Ankunft kennt
    Ein Suchen, das ins Schwarze trifft
    Ein Ego, das sich selbst umschifft

    Hurz, so weit das Auge reicht
    Ein Vorbild, das dir gänzlich gleicht
    Ein Abbild, das dir Augen macht
    Ein Bildnis, dass dir Freude lacht

    Ein Rauschen, Wispern in der Stille
    Ein Spinksen durch die rosa Brille
    Ein Gleißen dort am Tunnelende
    Jauchzend kommt die Zeitenwende



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  • Blühet
  • KW 26.20: 1.000 gute Wünsche

    Looping in der Achterbahn
    Mit Ecken, Kanten und Elan
    Sinnierend auf dem Sonnendeck
    Bleibt es nur beim ersten Schreck

    Nicht unverwundbar, aber fast
    Gefahr gebannt, Ballast gechasst
    Sanftmutlaune aus Prinzip
    Beschwichtigt ist der Todestrieb

    Hingabe im Schleudergang
    Schwarzer Gürtel, niemals bang
    Gebrauchsanweisung schnell kapiert
    Für gut befunden, inhaliert

    Sinnstiftend und weltbewegend
    Westentasche, Deine Gegend
    Halfpipe-Gliding, Sprungbrett, Schanze
    Glas halb voll, du gehst aufs Ganze



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  • Blühet
  • KW 25.20: 1.000 gute Wünsche

    Konstant gemächlich Narrativ
    Schüttelreim als Korrektiv
    Schleusenlos' Gedankenfluss
    Schrankenloser Bruderkuss

    Ding Dang Dong, das Lied der Glocke
    In höchsten Höhen, aus der Hocke
    Die Ringparabel im Visier
    Fit als fitter jedes Tier

    Up to date und nicht von gestern
    Alle Menschen werden Schwestern
    Kunststücke auf Schlittschuhkufen
    Édiths Reue, Hermanns Stufen

    Watzlawick wacht majestätisch
    Ob die Haltung gravitätisch
    Dass der Galtung Wahrheit werde
    Blühend Rosenberg, die Erde



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  • Blühet
  • KW 24.20: 1.000 gute Wünsche

    Multitasking, unisono
    Gemeinnützig und stets pro bono
    Einzigartig, massentauglich
    Ganz Unikum und voll unglaublich

    Gefestigt und gut weggekommen
    Integer, in sich, angenommen
    Berühmt, besonders und ertüchtigt
    Die Zweifel haben sich verflüchtigt

    Blank gewienert, bar bezahlt
    Ein Mühlwerk, das ganz emsig mahlt
    Tugend lautet die Doktrin
    Alle Laster sind verzieh‘n

    Blumig ist beredsam Wendung
    Das Herz ist Trumpf, das Hirn auf Sendung
    Die Konnivenz ist aufgeweckt
    Die Hand auf Linie, ausgestreckt



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  • Blühet
  • KW 23.20: 1.000 gute Wünsche

    Sei Grisu, vergiss die Pein
    Setz dich durch und setz dich ein
    Bleib dir treu, bewahre, werde
    Entsag der Gier, entfach die Herde

    Du fühlst den Vibe, bist Vibration
    Du dehnst dich aus, bist Expansion
    Du gibst dich hin, und gehst drin auf
    Du lebst dein Leben, Lauf für Lauf

    Du bist Begleiter durch die Schlucht
    Du bist mein Beistand auf der Flucht
    Du bist mein Band, mein Boden, Bau
    Bist Bürdenträger, Ballastklau

    Dein Mea culpa, Moritat
    Dein Epitaph, dein guter Rat
    Dein Erbe, Einfluss, bleibend Wert
    Dein Nachruf, der bleibt unversehrt



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  • Blühet
  • KW 22.20: 1.000 gute Wünsche

    Zwergenhöhle, Nelkenwurz
    Zwischenzeit, ist nie zu kurz
    Knospensprung im Solarplexus
    Auf einer Welle, nahbar' Nexus

    Parzifal, Faksimile
    Demian, hast raus den Dreh
    Murphy's Law ist widerlegt
    Motivat hat sich geregt

    Pillendose, Opfergabe
    Abendmahl und Bienenwabe
    Gänseblümchen, Töpferscheibe
    Mach Dich auf, geh weiter, bleibe

    Sei du selbst und werde ganz
    Werde eins im Seelentanz
    Tanze Twist im rosa Tütü
    Für die Bestimmung ist's nie zu früh



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  • Blühet
  • KW 21.20: 1.000 gute Wünsche

    La Boum im Planetarium
    Schöpferkraft und Urknallbumm
    Maibowle und Schuldenschnitt
    Haiku, Hostie, holy Shit

    Bubikopf und Bingo-Star
    Pulsierender Impuls-Pulsar
    Das Multiversum auf dem Schirm
    Mit Lichtgeschwindigkeit im Hirn

    Nussschale im Abendrot
    Klarsicht liegt im Mandelbrot
    Apfelmännchen, Gretchens Kern
    Capri-Sonne, Morgenstern

    Baklava und Derwischwirbel
    Botenstoff dank Drüsenzirbel
    Enzym, Xihe und hoch zu Ross
    Entlastet ist der Sisyphos



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  • Blühet
  • KW 20.20: 1.000 gute Wünsche

    Rinnzekete, Bruder Tuck
    Rekordhalter im Guinnesbook
    Emporkömmling mit Entourage
    Emphatisch ist die ganz' Bagage

    Silberdistel, Sonderdruck
    Steigerung durch Händespuck
    Regelrecht, rapid, ratzfatz
    Quartier im besten Haus am Platz

    Lindenblüten, Nardenstängel
    Gelindert und behoben Mängel
    Luftbefeuchter, Relienz
    Statt Mann mit Sense, Lebens-Sense

    Levkojengarten, Kurkonzert
    Verschwunden ist Damoklesschwert
    Bezugsfertig die Beletage
    Das Leben ist Collage, Collage



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  • Blühet
  • KW 19.20: 1.000 gute Wünsche

    Frisch ans Werk mit Nägelköpfen
    Hinweg mit Vitas alten Zöpfen
    Volles Haar und fesche Strähnchen
    Weggewischt sind all die Tränchen

    Fest entschlossen, unbeirrt
    Haltbar Vorsatz, alles wird
    Welch ein Jubel, welch ein Glucksen
    Frei heraus und nie mehr Drucksen

    Eigendoping, Humus, Dung
    Stachel der Begeisterung
    Glück bringt die zerbrochen‘ Fliese
    Solvente Kunden die Akquise

    Anker lichten, Segel setzen
    Hoch im Kurs, einander schätzen
    Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran
    Aufgehoben jeder Bann



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  • Blühet
  • KW 18.20: 1.000 gute Wünsche

    Meisenknödel, Fliederbusch
    Nasenkitzel, dreifach Tusch
    Im Murmelweitwurf schwer auf Zack
    Chapeau, Chapeau, Tick Tack, Knick Knack

    Obstsalat, geschmückter Tisch
    Bestätigung mit jedem Wisch
    Glückwünsche von höchster Stelle
    Mistelküsse auf der Schwelle

    Holundersirup in Phiole
    Geschniegelt, fein, von Kopf bis Sohle
    Liebesperlen als Magnet
    Gefälligkeit bringt der Prophet

    Süßholz und entrückt Gesäusel
    Gold und Silber, Klunker, Streusel
    Geflasht macht's mächtig Wum und Bum,
    Spritzig, heiter, Sumsumsum



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  • Blühet
  • KW 17.20: 1.000 gute Wünsche

    Neues Spiel bringt neues Glück
    Errungenschaften, Stück für Stück
    Würfel werfen, Karten mischen
    Worte wählen, Gründe fischen

    Klopf auf Holz, ein Klacks, gelungen
    Geschmeidig Trasse, sanft geschwungen
    Agil, entkrampft, gelöst und eben
    Jonglieren beim Spazierstockheben

    Bezirpst, begünstigt und bedacht
    Fortuna für uns alle lacht
    Gott ein Gönner, leichtes Spiel
    Kollegial, philantrophil

    Von jetzt auf gleich kommt über Nacht
    Zum Wohlsein um den Schlaf gebracht
    Kommt aus dem Stegreif, aus dem Stand
    Von selbst Ergebnis angerannt



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  • Blühet
  • KW 16.20: 1.000 gute Wünsche

    Behäbig tickt das Metronom
    Zeitlos in des Mahles Strom
    Belanglos, Atmosphäre dicht
    Gültig Wahrheit, zwanglos Pflicht

    Das Highlight ist ein Meilenstein
    So soll, so kann, so wird es sein
    Das Allzeithoch nimmt seinen Lauf
    Die Gleichung, die geht immer auf

    Entheddert ist, was war verzwickt
    Zur Entwicklung genutzt ist der Konflikt
    Wohlergehen ist Wegbereiter
    Die Erde dreht sich immer weiter

    Die Sorgen sind nur Kinkerlitzchen
    Ein Schulterzucken, kleines Witzchen
    Das Leben ist ein Pappenstiel
    Der Abtritt nur Etappenziel



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  • Blühet
  • KW 15.20: 1.000 gute Wünsche

    Rückenwind auf grüner Welle
    Gutes Karma auf der Stelle
    Kartoffelchips und Geistesblitz
    Sternengunst mit Charme und Witz

    Erste Liga, bester Rang
    Prächtig Pfründe, Guter Fang
    Zusammenhalt auf der Agenda
    Bewusstsein funkt ein jeder Sender

    Klingelstreich und Räuberleiter
    Stammtischplatz und Spitzenreiter
    Alles läuft, nimmt seinen Gang
    Taktgefühl wird Bumerang

    Mit Mumm und Maß gilt jeder Schwur
    Der Pakt ist praktisch, treu und pur
    Das Mitleid ehrlich, angebracht
    Der Beistand aufrecht, abgemacht

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    Das Wochenfoto ist ab sofort wieder virenfrei. Das Corona wird bis auf Weiteres in Quarantäne verschoben. Hier gibt es in nächster Zeit erst mal wieder eine Seelenkur mit Auszügen aus der Ode der guten Wünsche. Wer nicht von Corona lassen kann: Unter Akut finden sich nach wie vor einige konfuse Sars-CoV-2-Häppchen.

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  • Baumflechte
  • KW 14.20: Heute keulenfrei

    Verzeiht. Letzte Woche war mir die moralische Keule rausgerutscht. Ich reagiere immer etwas empfindlich, wenn ich den Eindruck habe, dass wir den Blick über den Tellerrand verlieren. Mein Fehler.

    Doch mein Eindruck ist: Das Virus hat uns ja schon längst alle infiziert – zumindest im übertragenen Sinne. Angst und Unsicherheit haben sich in und zwischen uns breitgemacht. Unser Augenmerk ist extrem auf diese unsichtbare Gefahr fokussiert – und damit verlieren wir auch unser Augenmaß.

    Wir sollten behutsam sein, also soweit wie möglich zuhause bleiben, und wenn das nicht geht, Abstand halten. Doch wir sollten uns nicht auch noch von Hysterie und Panik anstecken lassen. Es gibt ein Leben nach Corona. Und es gibt sogar ein Leben während Corona – auch wenn das im Moment ziemlich auf den Kopf gestellt ist.

    Für die meisten von uns wird selbst das Leben nach Corona nicht mehr dasselbe sein wie zuvor. Trotz milliardenschwerer Rettungspakete werden die gegenwärtige Stagnation und die kommende Rezession viele Existenzen ins Wanken, etliche zu Fall bringen. Am meisten Sorgen mache ich mir jedoch um die Kinder dieser Zeit. Wie wird sich die derzeitige Extremsituation auf ihr psychisches Wohlbefinden auswirken?

    Mein Super-GAU in Kindheitstagen war Tschernobyl. Da war zwar auch AIDS – aber das war anfangs weit weg, und außerdem gab es von Beginn an einen einfachen und doch höchst effektiven Schutz: das Kondom.1 Aber beides ist kein Vergleich zu den extremen Maßnahmen, denen wir derzeit ausgesetzt sind.2 Was macht das mit uns, aber vor allem mit ihnen?

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    1 Und dennoch sind seit Auftreten des HI-Virus nach Angaben der WHO rund 32 Millionen Menschen im Zusammenhang mit AIDS gestorben. Allein 2018 sind schätzungsweise 770.000 Menschen weltweit durch HIV-bedingte Erkrankungen ums Leben gekommen.
    2 Wie extrem die Situation ist, zeigen leider auch die steigenden Zahlen häuslicher Gewalt (vgl. z.B. den Beitrag „Man muss mit dem Schlimmsten rechnen“ auf tagesschau.de).

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  • Baumkreis
  • KW 13.20: Stay to Stay

    Während es dieser Tage nur mehr ein Thema zu geben scheint, und das öffentliche Leben weitgehend ruht, steht die Welt dennoch nicht still.

    Binnen zwei Monaten sind über 15.000 Menschen weltweit an COVID-19 gestorben. Stündlich steigt die Zahl der Todesopfer an. Das ist erschreckend und beklemmend.

    Im gleichen Zeitraum jedoch sind etwa 1,3 Millionen Menschen an den Folgen von Mangel- und Unterernährung gestorben. Und dabei handelt es sich nicht um eine vorübergehende Erscheinung, nein, das passiert fortwährend. Nach Schätzungen der FAO verhungert alle vier Sekunden ein Mensch.

    Warum ich das eine mit dem anderen vergleiche? Ich würde mir in Zeiten der Corona-Krise ein wenig mehr Verhältnismäßigkeit wünschen. Wir sind mit Einschränkungen und Ängsten konfrontiert, die für die meisten von uns hierzulande bislang unvorstellbar waren – und doch leiden die meisten von uns keine akute Not. Die Lage ist ernst, sagt die Kanzlerin – und doch können wir auf funktionierende Institutionen vertrauen. All das trifft für die meisten Menschen auf der Erde nicht zu.

    Die Auswirkungen werden auch hierzulande gravierend sein. Vermutlich wird die Zahl der COVID-19-Toten aufgrund der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen nicht das Ausmaß der Influenzasaison von 2017/18 erreichen. Damals waren in Deutschland über 25.000 Menschen gestorben. Doch die wirtschaftlichen und psychosozialen Konsequenzen werden einen Schaden anrichten, dessen Ausmaße bislang noch überhaupt nicht abzusehen sind. Und dennoch können wir darauf hoffen, dass der Spuk mit dem Sars-CoV-2 früher oder später wieder vorbei ist.

    Andernorts bleibt die Lage perspektivlos. Um im Vergleichsbeispiel zu bleiben: 822 Millionen Menschen hungern, zwei Milliarden leiden an Mangelernährung (so die Zahlen der FAO für 2018). Eine Trendwende ist nicht in Sicht – obwohl es ein Leichtes wäre, den Hunger drastisch zu reduzieren (wieso das so ist, bringt MrWissen2Go ganz gut auf den Punkt). Seit 2015 steigt der „Welthunger“ sogar wieder an – obwohl sich die Weltgemeinschaft 2015 mit den 17 SDG, den Zielen für nachhaltige Entwicklung, auf die Fahnen geschrieben hat, den Hunger bis 2030 zu beenden.

    Ich würde mir wünschen, dass diese Tragödie ebenso wie die anderen Katastrophen, die derzeit völlig von der Bildschirmfläche verschwunden sind, genauso viel Aufmerksamkeit und beherztes Handeln hervorrufen würden wie das Corona-Debakel. Vier weitere erschütternde Beispiele:
    – 15 Kriege und 23 sogenannte „begrenzte“ Kriege toben derzeit auf der Erde (hat das HIIK im jüngst veröffentlichten Konfliktbarometer bekanntgegeben),
    – über 70 Millionen Menschen sind auf der Flucht (ist die aktuelle Einschätzung des UNHCR),
    – der Klimawandel führt in etlichen Regionen bereits jetzt zu gravierenden Konsequenzen (hat das IPCC Ende 2019 in seinem Bericht Climate Change and Land resümiert)
    – 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser (ist im soeben veröffentlichten UN-Weltwasserbericht der UNESCO nachzulesen).

    Wenn die Corona-Pandemie jene extrem vulnerablen Menschen und Regionen mit gleicher Wucht trifft wie sie derzeit in Europa wütet, dann werden wir es tatsächlich mit einer Katastrophe „biblischen“ Ausmaßes zu tun bekommen.

    Hoffen wir das Beste – und tun wir unser Bestes, die Ausbreitung so gering wie möglich zu halten!

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  • Sterntaler
  • KW 12.20: Sensationsfund Sternenschwund

    Vor kurzem sind 100 Sterne vom Himmel gefallen. Die Fachwelt rätselt, ob es sich um ein natürliches Phänomen handelt oder ob Aliens am Werk waren. Wer das Rätsel löst, dem winken 150.000 Sterntaler.

    Und ihr rätselt: Ist das noch Humbug oder schon Science-Fiction?

    Tatsache ist, dass ein Forschungsteam um Astrophysikerin Beatriz Villarroel vom Nordic Institute for Theoretical Physics (NORDITA) kürzlich verkündete, eine sensationelle Beobachtung gemacht zu haben:
    Die Forscher*innen haben Sternenaufnahmen aus den 1950ern mit aktuellen Aufnahmen verglichen. Insgesamt rund 600 Millionen Lichtpunkte wurden dabei unter die Lupe genommen. Bei etwa 150.000 Objekten fehlt auf den ersten Blick die entsprechende Übereinstimmung.

    Villarroel und Co. arbeiten seit ein paar Jahren an dem Projekt „The Vanishing and Appearing Stuff during a Century of Observations Project“ [VASCO]. Bislang haben sie sich vor allem auf das „Vanishing“, also das Verschwinden von Himmelskörpern konzentriert. Erste Ergebnisse haben sie bereits 2016 im Astronomical Journal veröffentlicht. Im Dezember 2019 haben sie nun nachgelegt.

    Von den 150.000 auffälligen Lichtpunkten haben sie etwa 24.000 genauer untersucht. Davon wiederum erscheinen rund 100 Objekte besonders interessant: Sie lassen die Vermutung zu, dass sie in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum „einfach“ verschwunden sind. Und das wiederum könnte für ein bislang unbekanntes astrophysikalisches Phänomen stehen – oder aber für die Existenz extraterrestrischer Lebensformen sprechen. Denn normalerweise verschwinden Sterne nicht von jetzt auf gleich.

    Wenn Sterne sterben, verblassen sie entweder über einen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren. Oder aber sie explodieren plötzlich in einer hellen Supernova. Manche könnten theoretisch zu einem Schwarzen Loch kollabieren (eine sogenannte gescheiterte Supernova). All dies sei aber nicht dazu geeignet, so die Forscher*innen, das abrupte Verschwinden von gleich 100 Lichtpunkten zu erklären.

    Daher könnte die Beobachtung für ihre – wie es scheint – Lieblingshypothese sprechen: Nämlich, dass außerirdische Superzivilisationen für das Verschwinden der Sterne verantwortlich sind. Diese könnten allerhand Gründe dafür haben, einen Stern abzuschirmen oder auszulöschen.

    Mensch sieht: Der Übergang von der Science zur Fiction ist fließend. Mir jedenfalls erscheint die Hypothese höchst spekulativ. Ich zweifle nicht an der Existenz extraterrestrischen Lebens. Bei der immensen Ausdehnung des Weltalls halte ich dies nicht nur für möglich, sondern sogar für sehr wahrscheinlich. Aber die heraufbeschworene Verknüpfung scheint mir doch etwas weit hergeholt.

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  • Sternenstaub
  • KW 11.20: Unendliche Zeiten

    „Ich habe mich nie richtig für Science-Fiction interessiert; irgendwie finde ich keinen Bezug dazu“, sagte kürzlich der britische Schauspieler Sir Patrick Stewart (*1940).

    Da war er nicht ganz er selbst. Nein, er sprach den Satz in der Rolle seines Lebens, als Star Trek-Ikone Jean-Luc Picard. Freilich, ein müder Gag. Humor war nie die Stärke von Star Trek. Mich aber lässt er schmunzeln. Überhaupt ist meinereins entzückt.

    Seit kurzem begeistert Patrick Stewart mit einem fulminanten Comeback als Sternenflotten-Rentner Jean-Luc Picard. Seit Ende Januar läuft die Miniserie Star Trek: Picard mit zunächst zehn Folgen auf Amazon Prime.

    Picards aktive Zeit liegt schon eine ganze Weile zurück. Zwischen 1987 und 1994 war er Kapitän der legendären Enterprise – in sieben Staffeln mit 178 Folgen. Anschließend folgten 1998 und 2002 noch zwei, von insgesamt vier Kinofilmen, die in Picards Zeitlinie verortet sind. Seitdem hatte sich Stewart wieder vermehrt dem Theaterspiel gewidmet, war aber auch in sieben Filmen der der X-Men-Saga zu sehen (zuletzt 2017).

    Umso überraschender kommt nun die Reaktivierung des Jean-Luc Picard. Sie ist eine Ehrerbietung vor dem ehrwürdigsten aller Raumschiffkapitäne, aber auch vor dem Alter an sich. Thematisch geht es um Künstliche Intelligenz. Ganz konkret ist damit auch eine Hommage an den Androiden Commander Data verknüpft, der sich im Film Nemesis (2002) opferte, um Picard zu retten. In Gastauftritten erscheinen in der neuen Miniserie aus seiner alten Crew auch Riker und Troi, der verstorbene Data und – was am verwunderlichsten ist – Seven of Nine aus der nachfolgenden Voyager-Crew.

    Weitere zehn Folgen Star Trek: Picard sollen geplant sein. Ob es dazu kommt, wird sich zeigen. „Für ein Relikt sind sie in exzellenter Form“, attestiert ihm zwar sein Serien-Hausarzt, doch eine „kleine Abnormalität im Parietallappen“ wird früher oder später zum Tode des Admirals a. D. führen. Eine Exit-Strategie, die ein Ende der Serie jederzeit plausibel erklären könnte. Immerhin feiert Patrick Stewart im Juli 2020 seinen 80. Geburtstag; da braucht es schon ein ziemlich gutes Skript, um den Shakespeare-Mimen auf die Bretter, die die Welten bedeuten, zurückzuholen.

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  • Kaktuskrone
  • KW 10.20: Stop to Go

    Worauf habe ich mir da nur eingelassen?! Ich hatte ja keine Ahnung, wie kaputt die Kunst ist.

    Mein Ansinnen, eine kleine Chronologie der Zerstörung in der Kunst von 1946 bis 1980 zu erstellen, erweist sich als Fass ohne Boden. Ich sag' euch, Abgründe tun sich da auf. Ständig entdecke ich weitere Ansätze der Destruktion, was zur Folge hat, dass sich die Einträge immer wieder verschieben und die bestehenden Beiträge durcheinandergewirbelt werden.

    Will sagen: Das Vorhaben ist derart rechercheintensiv, dass es bei laufendem Alltagsbetrieb nicht mit der üblichen Sorgfalt zu bewerkstelligen ist. Somit unterbreche ich die Präsentation im Wochenfoto, bis ich einen halbwegs umfassenden Überblick gewonnen habe und auf der Basis eine gescheite Auswahl treffen kann.

    Nächste Woche reisen wir daher erst mal in die Sterne...

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  • Gubble Bum
  • KW 09.20: Art Attack (2)

    1959/60: Anlässlich einer Ausstellung mit Kartonagen verfasst Gustav Metzger (1926-2017) am 4.11.59 eine erste Skizze der „Auto-Destructive Art“. Im Jahr darauf arbeitet er die Skizze zum Manifest aus und malt am 22.6.60 erstmals öffentlich mit einem in Salzsäure getauchten Pinsel (vgl. KW 7.20).

    1960: Am 17.3. präsentiert Jean Tinguely (1925-1991) im Skulpturengarten des New Yorker Museum of Modern Art die Arbeit „Homage to New York“. Es handelt sich um eine sich selbst zerstörende Maschine, die erste ihrer Art. 27 Minuten ist sie in Betrieb, dann geht sie in Flammen auf (woraufhin alsbald ein Feuermann einschreitet und dem Spektakel ein Ende bereitet). 1962 folgt dann die Plastik „Study for an End of the World“, bei der Tinguely die Selbstzerstörung perfektioniert hat.

    1961/2: Geburt der Fluxus-Bewegung. Zerstörung ist oftmals integraler Bestandteil der Happenings und Aktionen von George Maciunas (1931-1978), Yoko Ono (*1933), Wolf Vostell (1932-1998) und anderen. 1962 finden in Wiesbaden die „Fluxus Internationalen Festspiele Neuester Musik“ statt. Legendär ist die Aufführung des Stücks „Piano Activities“ von Philip Corner (*1933). Die Komposition schreibt vor, dass mehrere Spieler einen Flügel zum Klingen bringen, ohne die Tastatur zu benutzen. In Wiesbaden bleiben schließlich nur noch Trümmer übrig.

    1963: Im Sommer findet in der Galerie EXI im dänischen Odense die erste umfassende Ausstellung der „Situationistischen Internationalen“ (S.I.) statt (Titel: „Destruction of RSG-6“). Bestandteil des Ausstellungsparcours sind mit Bildern damaliger Staatsoberhäupter beklebte Zielscheiben, auf die geschossen werden kann. Es bleibt die einzige Ausstellung der zwischen 1957 und 1972 bestehenden Bewegung. Zwar umfasst sie zwischenzeitlich rund 70 Mitglieder aus zehn europäischen Ländern, darunter auch etliche Künstler*innen, doch der Ansatz der Gruppe ist derart radikal, dass im Grunde keine Kunstwerke geschaffen werden dürfen. Die S.I. will die Gesellschaftsordnung umkrempeln: Waren, Arbeit, Autorität und Hierarchien abschaffen, Macht zerschlagen und Kunstproduktion einstellen. Das Leben selbst solle zum Kunstwerk werden. Das führt dazu, dass im Laufe der Zeit die meisten Mitglieder ausgeschlossen werden, weil sie einfach nicht von der Kunst lassen können, so auch Gründungsmitglied Asger Jorn und die SPUR-Herren (vgl. die beiden Einträge zu 1959). Die S.I. macht somit weniger durch Bilder, sondern eher durch politische Aktionen von sich reden. Mit den wenigen dann doch geschaffenen Arbeiten in Form von Comics, Filmen und Flugblättern (gewonnen durch Zweckentfremdung bereits bestehender Materialien), gilt die S.I. als Vorreiter der „Kommunikationsguerilla“.

    1963: Am 18.7. zeigt Joseph Beuys (1921-1986) in der Kölner Galerie Zwirner erstmals eine Fettarbeit. Es handelt sich um eine mit Fett gefüllte Blechkiste. Ein Jahr später folgt „Fettstuhl I“, ein Stuhl, dessen Sitzfläche mit einer Schicht aus ungereinigtem tierischen Fett versehen ist. Seine Vorliebe für organisches Material, insbesondere Fett, Honig und Filz, wird stilprägend. (Und der olle „Schamane“ würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass er in einer Chronologie zur Zerstörung in der Kunst auftaucht.)

    1964:
    Erstmals arbeitet Dieter Roth (1930-1998) in seinen Werken mit Schokolade. Von da an verwendet er Zeit seines Lebens immer wieder organische Materialien, etwa bei den „Schimmelbildern“ aus Milch, Käse, Wurst und anderen Lebensmitteln, bei denen Zersetzung und Zerfall maßgeblicher Bestandteil des künstlerischen Prozesses sind. Die Larven, Käfer und Maden, die sich mit der Zeit über die Kunstwerke hermachen, bezeichnet der Künstler folgerichtig als „Mitarbeiter“.

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  • Bubble Gum
  • KW 08.20: Art Attack (1)

    Kunst gab jahrhundertelang das Versprechen von Ewigkeit: Waren die Zeiten noch so turbulent und unser irdisch´ Dasein ach so vergänglich, wahre Kunst hielt stand. Sie überdauerte die Wirren der Zeit.
    Doch dann kam der erste Weltkrieg – und die Kunst antwortete mit Dada. Seitdem sind Vergänglichkeit oder gar Zerstörung nicht mehr nur Thema, sondern oftmals integraler Bestandteil der Kunst.

    Gustav Metzgers autodestruktiver Kunstbegriff (vgl. KW 7.20 ), brachte das 1960 in gewisser Weise auf den Punkt. Doch er war bei weitem nicht allein auf weiter Flur. Die Entwicklung gewann insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg rasant an Fahrt. Diese und nächste Woche gibt es hier eine kleine Chronologie der Kunstzerstörung von 1946 bis 1980.

    1946: Während seiner Zeit als US-Soldat in Deutschland schubst der spätere Fluxus-Künstler Al Hansen (1927-1995) ein Klavier aus einem zerbombten viergeschossigen Haus. Fortan nennt er die Aktion „Yoko Ono Piano Drop“ und wiederholt sie in den kommenden Jahrzehnten mehrfach in verschiedenen Städten (vgl. KW 48.17).

    1949: In Paris erkennen Raymond Hains (1926-2005) und Jacques de la Villeglé (*1926) die Schönheit zerrissener Plakatwände, die sie im Atelier zu neuen Werken zusammensetzen. Die Kunst der Décollage ist geboren. Zu dieser kleinen, „Affichisten“ genannten Künstlergruppe gesellen sich später noch François Dufrêne (1930-1982) und Mimmo Rotella (1918-2006) (vgl. KW 6.15).

    1950:
    Seit Beginn der 1950er Jahre übermalt Arnulf Rainer (*1929) eigene und fremde Bilder, Gemälde wie auch Fotos – mit einem Hang zu Schwarz. Anfangs aus Materialmangel genötigt, macht er aus der Not eine Tugend – und schafft mit seinen Übermalungen den Durchbruch. Später stellen ihm sogar renommierte Künstlerkollegen ihre Arbeiten eigens zum Übermalen zur Verfügung.*

    1953: Robert Rauschenberg (1925-2008) löscht eine Zeichnung seines Künstlerkollegen Willem de Kooning (1904-1997) mit einem Radiergummi aus und rahmt das nun nahezu blanke Blatt in einem vergoldeten Rahmen. Sein Freund Jasper Johns (*1930) versieht das Werk mit der Beschriftung „Erased de Kooning Drawing, Robert Rauschenberg, 1953“.

    1954: Im japanischen Osaka formiert sich um Jirō Yoshihara (1905-1972) die Künstlergruppe „Gutai“. Die Grenzen der Malerei zu durchbrechen, ist ihr Ansporn. Saburo Murakami (1925-1996) wählt hierfür eine sehr plakative Art: Er bespannt Holzrahmen mit Papier und rennt durch sie hindurch. Shozo Shimamoto (1928-2013) legt mit Farbe gefüllte Beutel und Flaschen auf den Malgrund und bringt diese mit Patronen und Steinen zum Platzen.

    1958: Lucio Fontana (1899-1968) fertigt seine ersten Schnittbilder. Mit einem Messer versieht er meist monochrom bemalte Leinwände mit einem oder mehreren Schnitten. Mit diesen „Tagli“ genannten Werken wird er weltberühmt. Allerdings hatte er schon in den 1940ern damit begonnen, Leinwände zu perforieren und mit Löchern zu versehen.

    1959: Der Däne Asger Jorn (1914-1973) beginnt, „alte Schinken“, etwa idyllische Landschaftsbilder, zu bemalen (sog. „Modifications“ oder „Défigurations“). Später kommen u.a. (Dé-)Collagen hinzu. Jorn ist maßgeblich an der Gründung der beiden Gruppen „CoBrA“ (1948) und „Situationistische Internationale“ (1957) beteiligt.

    1959: Die 1957 in München gegründete Gruppe SPUR poltert gegen den Kunstbetrieb. Im Manifest vom 21.4.59 heißt es: „Wer Kultur schaffen will, muß Kultur zerstören“. Die Mitglieder experimentieren mit unterschiedlichen Materialien. Mit ihren provokanten Bildern und Aktionen ist ihnen Aufmerksamkeit, aber auch jede Menge Ärger gewiss. 1962 werden Heimrad Prem (1934-1978), Helmut Sturm (1932-2008), HP Zimmer (1936 -1992) und Dieter Kunzelmann (1939-2018) wegen Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtiger Schriften angeklagt und alle bis auf Sturm verurteilt.

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    *Ein früher Vorläufer der Kunst-Übermalung soll nicht unerwähnt bleiben: 1919 versieht Marcel Duchamp (1887-1968) Leonardo da Vincis (1452-1519) „Mona Lisa“ mit einem Schnur- und Spitzbart und versieht das Werk mit dem Titel „L.H.O.O.Q.“ (ein Wortspiel, das so viel bedeutet wie „sie hat Feuer im Hintern“). Allerdings bearbeitet Duchamp nicht das Original, sondern lediglich eine Reproduktion der Lisa.

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  • Feuer und Flamme
  • KW 07.20: Konstruktiv im Destruktiv

    Als Streetartist Banksy sein soeben versteigertes Werk per Knopfdruck schreddern ließ (vgl. den Beitrag der vergangenen Woche), kam das Auktionshaus Sotheby's nicht wirklich in Erklärungsnot. Es rühmte sich damit, dass mit der Aktion Geschichte geschrieben worden sei: Erstmals sei im Rahmen einer Auktion ein Kunstwerk geschaffen worden.

    Ob Banksy mit seiner Ende 2018 durchgeführten Aktion nun Kritik am Kunstbetrieb üben wollte oder nicht, sei mal dahingestellt. Letztlich hat er den Markt bedient. Insider mutmaßen sogar, dass Sotheby's vom zerstörerischen Plan des Künstlers gewusst habe. Das geschredderte Werk soll durch die Aktion und die ihm zuteilgewordene Publicity im Wert deutlich gestiegen sein. Das offenbart, wie crazy der Kunstmarkt tatsächlich ist.

    Wer bei all dem Hype zu wenig Würdigung fand, ist der Begründer der selbstzerstörerischen Kunst GUSTAV METZGER (1926-2017). In diesem Jahr jährt sich zum 60. Mal seine „erste öffentliche Demonstration autodestruktiver Kunst“. Bereits Ende 1959 hatte Gustav Metzger eine Skizze sogenannter „Auto-Destructive Art“ niedergeschrieben, die er dann im Frühjahr 1960 zu einem Manifest ausarbeitete. Kunst solle sich innerhalb weniger Momente in Luft auflösen, maximal jedoch 20 Jahren währen, war sein Credo. Kurz darauf lieferte er dann erstmals ein öffentliches Exempel: Er bearbeitete ein Nylongewebe mit einem zuvor in Salzsäurelösung getauchten Pinsel, woraufhin sich das Gewebe vor den Augen des beiwohnenden Publikums an den entsprechenden Stellen zersetzte.

    1966 organisierte er in London das „Destruction in Art Symposium“ (DIAS), an dem unter anderen die Fluxus-Größen Al Hansen, Yoko Ono und Wolf Vostell teilnahmen. 1972 war Metzger gar zur documenta 5 geladen. Doch seine Installation kam nicht zustande, sie wurde lediglich im Katalog dokumentiert. Als er 1974 vom Londoner Institute of Contemporary Arts (ICA) zur Teilnahme an einer Ausstellung mit Joseph Beuys, Hans Haacke und anderen großen deutschen Konzeptkünstlern eingeladen wurde, lehnte Metzger ab. Stattdessen rief er zum Kunststreik auf, proklamierte die Years Without Art: Für mindestens drei Jahren sollten Künstler*innen nichts schaffen, nichts verkaufen, nichts ausstellen und nicht mit der Publicitymaschinerie der Kunstwelt zusammenarbeiten. Seine Intention war, das Kunstsystem zu Fall zu bringen. Doch sein Ansinnen war zu radikal (sogar für ihn selbst, da er sich nicht konsequent an seinen Appell hielt): Das Kunstbusiness ging weiter as usual – und Gustav Metzger geriet in Vergessenheit, lebte jahrzehntelang verarmt, abseits von Kunstbetrieb und Gesellschaft. Erst Ende der 1990er wurde Gustav Metzger wiederentdeckt und angemessen gewürdigt. Mit Retrospektiven und Einladungen zu den großen Kunstschauen, 2003 etwa zur Biennale di Venezia, 2012 dann endlich auch zur dOCUMENTA (13).

    2017 starb der staatenlose Gustav Metzger 90-jährig in London, wo er die meiste Zeit gelebt hatte. Geboren worden war er als Sohn polnischstämmiger Juden 1926 in Nürnberg. 1939 wurde er zusammen mit seinem Bruder über das „Kindertransport“-Programm der britischen Regierung nach England evakuiert. Da war er gerade mal 12 Jahre alt. Seine Eltern sah er nie wieder, sie wurden im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Zerstörung war somit von Kind an ein existentielles Thema in Gustav Metzgers Leben. Doch Zerstörung sah Metzger nicht nur im Holocaust. Er sah sie in der Atombombe, in der Umweltverschmutzung, im Kapitalismus, im Leben in der industriellen Welt schlechthin. Sie brachte ihn zu einer Überzeugung, die auch seine Kunst prägte: Zu einer selbstzerstörerischen Gesellschaft passt am besten eine selbstzerstörerische Kunst.

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    Wer mehr über die eindrucksvolle Erscheinung des Künstlers Gustav Metzger erfahren möchte, dem*der seien folgende Links ans Herz gelegt: Die umfangreichste Übersicht über seine künstlerischen Aktivitäten (einschließlich Faksimiles seiner Manifeste) findet sich auf der Plattform Monoskop („a wiki for the arts, media and humanities“). Ein sehr persönlicher Nachruf von der Kuratorin Sabine Breitwieser („Years without Gustav Metzger“) wurde 2017 in der Zeitschrift Texte zur Kunst veröffentlicht. Der aufschlussreiche Artikel „Der Mann, der zu viel wusste“ von Ben Lewis, der auch Metzgers Werk über das Autodestruktive hinaus erkundet, erschien im monopol-Magazin 7/2010. Ein Videoschnipsel von H. Liversidge auf YouTube zeigt Gustav Metzger 1965 beim Malen mit dem Salzsäurepinsel. Und last but not least: Ein berührendes filmisches Kurzportrait von 2015 (6 Min., engl.) kommt von der Tate Gallery (ebenfalls via YouTube).

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  • Atomium
  • KW 06.20: Straße oder Boulevard?

    Das vielleicht bekannteste Street-Art-Werk ist gestern von der Bildfläche verschwunden. Fast ein Jahr lang war es in der Stuttgarter Staatsgalerie zu sehen. Denn so ist das heute: Street Art ist längst nicht mehr nur auf der Straße zu Hause.

    Bei besagtem Bild handelt es sich, wen wundert’s, um einen BANKSY. Seitdem eine Version seines Girl with Balloon im Oktober 2018 bei Sotheby's für knapp 1,2 Millionen Euro versteigert wurde, ist es zu einer Art Ikone der zeitgenössischen Kunst geworden.

    Nicht etwa des stolzen Preises wegen – im Oktober 2019 wurde ein Banksy-Bild schließlich für sage und schreibe 11 Millionen Euro versteigert, sondern weil es unmittelbar nach dem Zuschlag vor den Augen der Anwesenden wie von Geisterhand zur Hälfte geschreddert wurde. Banksy hatte im Rahmen einen Mechanismus versteckt, der die Leinwand eigentlich komplett in Streifen zerlegen sollte, wie ein im Nachgang vom Künstler veröffentlichtes Video zeigt.

    Die Aufregung jedenfalls war groß. Und die Meinungen gehen bis heute auseinander, ob das nun ein subversiver Angriff auf das Establishment, kluge Kritik am Kunstmarkt, ein genialer Coup, ein billiger PR-Gag oder gar große Kunst war. Sotheby's selbst deutete den Vorfall schnell wie folgt: Banksy habe kein Kunstwerk zerstört, sondern ein neues geschaffen. Diese Interpretation wurde auch vom Künstler nahegelegt, indem er dem Werk stante pede einen neuen Namen gab: Love is in the Bin (Die Liebe ist im Eimer).

    Die Kunstsammlerin, die das Werk ersteigert hatte, bekannte laut Medienberichten, anfangs geschockt gewesen zu sein, letztlich sei sie aber zu der Überzeugung gelangt, ein kleines Stück Kunstgeschichte erworben zu haben. Ein Verlustgeschäft war der Kauf jedenfalls nicht: Der Wert des Werks soll schon deutlich gestiegen sein. In der Stuttgarter Staatsgalerie war Love is in the Bin als Leihgabe seit März 2019 zu sehen. Nun ist es an die private Sammlerin zurückgegangen.

    Das Wochenfoto zeigt selbstverständlich kein Werk von Banksy. Kann ich mir nicht leisten. Es handelt sich um ein Graffito unbekannter Urheberschaft. Wer die Metamorphose von Girl with Balloon zu Love is in the Bin noch einmal sehen mag, findet hier Banksys Director’s (half) cut.

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  • Joiny
  • KW 05.20: Join the Streetride

    Auch Street-Art-Pionier HARALD NAEGELI (vgl. KW 52.16) hat vor kurzem, am 4.12.19, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Naegeli wurde als „Sprayer von Zürich“ bekannt und landete dort 1984 sogar kurzzeitig im Knast.

    Nach jahrzehntelangem „Asyl“ in Düsseldorf ist er in seine Heimat zurückgekehrt. Dort hat er wieder einmal mehr für Aufsehen gesorgt:
    Als er die Türme des altehrwürdigen Grossmünsters mit kirchlichem und amtlichem Segen mit seiner Interpretation des Totentanzes besprühte, hielt er sich nicht an die vorgegebenen Flächen. Das gab Ärger und Sprayverbot. Das Werk blieb unvollendet.

    Es ist davon auszugehen, dass GÉRARD ZLOTYKAMIEN (vgl. KW 04.20 ) anlässlich seines 80. im kommenden April genauso wenig Aufmerksamkeit zuteilwird wie seinem Kollegen Naegeli im vergangenen Dezember.

    Ich feiere die beiden heute mit einem Überblick über Street Art im hiesigen Wochenfoto.* Das Foto dieser Woche zeigt eine Arbeit von JOINY, gesehen kürzlich in Köln. Danke dafür.

    Ausgewählte Wochenfoto-Beiträge zu Street & Urban Art
    KW 24.11: Wissen, was morgen fehlt
    : Zu sehen ist das erste Stencil, das meine Aufmerksamkeit erregte. Inhaltlich geht es um die Volkszählungen von 1987 und 2011.
    KW 36.11: Tand und Tändelei: Gelungene versus missratene Gestaltung des öffentlichen Raums: Das Wochenfoto zeigt Künstler Claudio Ethos in Aktion in Kontrast zu plumper Propaganda. Einschließlich Sidekick zur deutschen Sprache vom Barockdichter Friedrich von Logau.
    KW 46.11: Toleranzen tanzen: Es geht um die zusehends von Graffiti verdeckte „Urbane Landschaft“ des Künstlers Gerd Winner an der U-Bahnstation Piusstraße in Köln – und die Idee, U-Bahnschächte für Urban Art zu erschließen.
    KW 06.15: L'âge d'écol: Der Beitrag erzählt von der Kunst der Décollage: von den Affichisten als Wegbereiter der Street Art einerseits, und von meiner „visuellen Erleuchtung“ andererseits.
    KW 06.16: Angstbefreit: Es geht um Karneval in Zeiten von Krieg und Terror – und die Plakataktion „Hop 3“ des Künstlers Christian Sievers.
    KW 17.17: Zwischenruf: Das Wochenfoto zeigt ein grandioses Paste-Up des Künstlers seiLeise zum Zustand der USA. Im Text geht es um das Buch Bit Rot von Douglas Coupland und die Börsenberichterstattung in der Tagesschau.
    KW 35.17: Geleckt, geleakt: Über Street Art im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, das CityLeaks Urban Art Festival und ein verstörendes Erlebnis im ÖPNV.
    KW 16.18: Ego-Trubel: Zu sehen ist eine großartige Kombination aus Graffiti und Poster, gesehen in Eindhoven. Inhaltlich geht es um Googles Algorithmen und die unbeantwortete Frage: Wer war Peter Ernst Eiffe?
    KW 23.19: Reglæment: Beitrag über die Revolution von 1848, den „Säulenheiligen“ Ernst Litfaß, über AKK versus Rezo und die Litfaßsäulen-Aktion der Künstlerin Johanna Reich.

    Im Wochenfoto genannte, gezeigte oder vorgestellte Street Artists
    (fett markiert sind Beiträge, die näher auf die jeweilige Person eingehen)
    ARMX 15.19 // Martin Auer 12.11 // Banksy 16.16 // Jean-Michel Basquiat 37.11, 19.12, 12.15 // BWoL 35.17 // Captain Borderline Crew 45.11, 35.17, 51.17 // Jacques de la Villeglé 06.15 // Gunter Demnig 26.17 // El Bocho 35.17 // Claudio Ethos 36.11, 35.17 // Faith47 35.17 // Raymond Hains 06.15 // Keith Haring 12.15 // huami 35.17 // JOINY 05.20 // Marina Muun & Slav Vitanov 35.17 // Harald Naegeli 52.16 // Tim Ossege aka seiLeise 17.17 // Christoph Pöggeler 49.11 // PSYCO 45.19 // Rakaposhii 35.17 // Johanna Reich 23.19 // Christian Sievers 06.16 // Dash Snow 37.11, 12.15 // Jacques de la Villeglé 06.15 // wholeheart 35.17 // Gerd Winner 46.11 // Yaikel 35.17 // Gérard Zlotykamien 04.20

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    *Beim obigen Überblick kann es sich lediglich um eine Auswahl handeln, da die hier gezeigten Wochenfotos häufig im öffentlichen Raum entstanden sind. Doch nicht immer ist der*die Artist hinter dem abgelichteten Graffito, Tag oder Paste-Up auch zu ermitteln. Gezeigte Street Art unbekannter Urheberschaft wurde daher oben nur in Ausnahmefällen gelistet.

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  • Baumauge
  • KW 04.20: Sprüh vor Glück

    „Ich wollte malen, damit die Kinder nach Hause gehen, eine Zeichnung machen und sagen, dass sie es besser können als dieser Mann“, erklärt Gérard Zlotykamien (*1940 in Paris) seinen künstlerischen Ansporn und Anspruch.

    Seine Éphémères, wie er seine Strichzeichnungen nennt, sind demzufolge nicht besonders ausgefeilt. Was sie vor allem ausmacht: Dass sie seit mehr als 55 Jahren im öffentlichen Raum zu sehen sind.

    Gérard Zlotykamien aka Zloty ist Graffiti-Künstler. Tatsächlich ist er der erste Street-Art-Künstler der Kunstgeschichte. Seine Werke muten daher auch ein wenig wie die Höhlenmalerei der Street Art an.

    Im April feiert Zloty seinen 80. Geburtstag. Und er sprüht noch immer. Letzten Oktober hat er in Paris eine riesige Mauer (21 Meter hoch, 11 Meter breit) gestaltet. Sie grenzt an einen Kinderspielplatz.

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    Das Zitat von Zloty stammt aus einem Artikel im Le Parisien vom 22.10.19. Das Wort Éphémère kommt vom altgriechischen ephēmeros mit der Bedeutung: „nur einen Tag lang dauernd, vergänglich“. Das Foto zeigt ein Graffito unbekannter Herkunft.

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  • Schmetterschlange
  • KW 03.20: bin mal eben odem holen

    Da ich noch dabei bin, mich zu sortieren, gibt es heute nur einen Ausblick auf 2020, der im Wesentlichen aus einem Rückblick auf frühere Beiträge besteht.

    2020 jährt sich der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Das wird gefeiert, vor allem in seinem Geburtsort Bonn, wie auch in Wien, der Stadt seines Wirkens und Sterbens.

    Als Halbbonnerkünstler komme auch ich nicht an Big van B vorbei. In folgenden Beiträgen kam er bereits zur Sprache. Vermutlich wird er auch im Wochenfoto 2020 nochmals auftauchen. Einfach mal dranbleiben.

    Bisherige Wochenfoto-Beiträge mit Beethoven-Bezug:

    KW 3/12: Oh Macke

    Wer wird in Bonn mehr gewürdigt: August Macke oder Beethoven?
    (inkl. sehenswertem Doppelportrait der beiden)

    KW 30/12: Freu Dich
    Beitrag zur Entstehung und Bedeutung der Ode an die Freude,
    bei dem auch das Foto dieser Woche, ein Detail von Beethovens Grab,
    mit etwas mehr Abstand zu sehen ist.

    KW 44/14: Frage der Anmut
    Essay über die deutsche Nationalhymne, in dem lediglich erwähnt wird,
    dass Beethovens Ode an die Freude in den ersten Jahren der BRD
    mitunter als Hymnen-Ersatz erklang.

    KW 20/17: Intermezzo
    Zwischenspiel zu diesem und jenem, unter anderem zu 40 Jahren Punk
    und der Frage: Wer war mehr Punk: Mozart oder Beethoven?
    (inkl. Fotocollage Never Mind the Mozart. Here's the Beethoven)

    KW 48/17: Ungefälliges Fallen gefällig?

    (Auto-) Biographische Notiz zum Klaviersturz des Konzeptkünstlers Al Hansen,
    die den Blick auf meine Beethoven-Klanginstallation Ludwig van C (age 2010):
    433" vor dem Fall
    erhellt.

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  • Funkenball
  • KW 02.20: Jahresanbruch

    Ein neues Jahrzehnt bricht an.
    Wird es nur eine Dekade von vielen sein? Oder werden die 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts genauso golden und roaring sein, wie es den 1920ern nachgesagt wird?

    Nun, ich bin weder Prophet noch Visionär, bin weder Trendforscher noch Zeitreisender. Meine Prognose fällt daher verhalten aus.

    Anders dagegen die Vorhersagen im Netz: „Baba Wanga mit düsterer Prognose“, heißt es da. Oder auch „Wetter: Experte stellt absolute ‚Schockprognose‘ für 2020“. Das sind zwei der Top-Ergebnisse einer Web-Suche via google (am 5.1.20 in Köln) nach: Prognosen für die 2020er.

    Darüber hinaus werden dort „zehn skandalöse Prognosen“ der Saxo Bank genauso gelistet wie „10 todsichere Prognosen“ für die Digitale Welt. Letztere sind allerdings schon vier Jahre alt. Neueren Datums sind die „20 Prognosen für 2020“ von nextMedia.Hamburg wie auch die zehn Vorhersagen des Marktforschungsinstituts IDC. Die Westdeutsche Zeitung wagt „zwölf Antworten auf zwölf Fragen“, von „Hält die Groko?“ [Ja.] bis „Wie heiß wird der Sommer?“ [Heiß.]. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung weiß: „Ein Ende des Immobilienbooms ist nicht in Sicht“, auch wenn konjunkturbezogene „Prognosen für 2020 (...) immer schwieriger“ werden, wie die Frankfurter Rundschau meint. Doch Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege von der Deutschen Bank, hält gleich „10 Prognosen für das Anlagejahr 2020“ parat. Von Blogger Toni Gau kommen die „Top 5 Social Media-Prognosen“. Demnach wird sich unter anderem die aus China kommende App TikTok weiterverbreiten, eine Plattform für kurze selbstgedrehte Videos. Alles fing mit Filmchen an, in denen getanzt und/oder lippensynchron mitgesungen wurde. Mittlerweile finden sich auf TikTok neben jede Menge Klamauk auch viele kreative Ideen.

    Und das ist der einzige Erkenntnisgewinn meiner Mini-Medienschau:
    TikTok
    kennenzulernen – daher an dieser Stelle auch der einzige Link,
    und zwar zur google-Suchanfrage: die kreativsten TikToks

    Schränke ich besagte Suche nach Prognosen für die 2020er schließlich mit Anführungszeichen ein, dominiert Der Spiegel mit seinen „elf Prognosen für das neue Jahrzehnt“ die Ergebnisliste. Sie sind Teil der Titelstory „Die neuen 20er“ im ersten Heft von 2020. Da mir die Printausgabe zwar regelmäßig, aber erst aus dritter Hand zukommt, und ich keinen Online-Zugang habe, werde ich die „Story“ erst in zwei, drei Wochen lesen können. Wenn sie von Interesse ist, werde ich berichten.

    Ansonsten gilt: Lassen wir uns nicht beirren. Stecken wir uns unsere eigenen Ziele, gehen wir unseren Weg, begegnen wir unseren Gefährten mit Respekt und harren voll Zuversicht der Dinge, die da sonst noch kommen.

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  • Dornenball
  • KW 01.20: Jahresumbruch

    Mein Übergang zwischen den Jahren wird durch zwei Brüche bestimmt:

    Ein Wasserrohrbruch und
    ein versuchter Einbruch.

    Demzufolge bin ich mit meinen Gedanken ganz woanders.

    Ins neue Wochenfotojahr starte ich daher mit nicht mehr als guten Wünschen. Immerhin kommen sie von Herzen:

    Möge 2020 für uns alle ein Jahr der positiven Brüche sein, des willkommenen Umbruchs, des zuversichtlichen Aufbruchs und des wohlverdienten Durchbruchs!

    - - - - - - - - - - - - - - - - -

    Beim Wochenfoto handelt
    es sich um den Ausschnitt einer Installation von César Manrique (1919-1992) in seinem Kakteengarten auf Lanzarote
    (vgl. KW 49/19)

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  • Seifenblase
  • KW 52.19: Des Jahres Schluss (3/3)

    Anzahl der in 2019
    gefertigten Collagen: 36,5
    veröffentlichten Texte: 157
    geknipsten Fotos: 2.969
    zerschnipselten Zeitungen: 1.282
    [mehr zum Zeitschriftenkonsum eines Collagisten: KW 20/19]

    Bester Wochenfoto-Beitrag in 2019:
    KW 27 : Himmel, Gesäß und Zensur [über den 30. Jahrestag des Tiananmen-Massakers]

    Mein persönlichster Beitrag:
    KW 25 : Waldesruh
    [über den Tod eines Kumpels
    aus Grundschulzeiten]

    Die in 2019 beste Wochenfoto

    Animation: Transform in KW 22
    Fotocollage: Black Midi in KW 44
    Fotografie: Present Regressive
    in KW 13

    Die einzige skurrile Streetview-Szene, die ich gefunden habe [vgl. den Link zu Jon Rafman in KW 48] – inzwischen wurde der Fehler behoben: zu sehen war eine aus mehreren Bildern zusammengesetzte Hand in Nahaufnahme; nunmehr ist nur noch Straße zu sehen

    Die erkenntnisreichste Koinzidenz 2019:
    Im Rahmen einer Aktion 3 CDs für 15,- Euro, kaufte ich mir eine CD von Mark Hollis, dem Sänger von Talk Talk. Die Band war in den 80ern eine gewisse Ausnahmeerscheinung. Bis auf eine Best-of hatte ich sie aber nicht weiter verfolgt. Die nun im März 2019 entdeckte Solo-CD weckte Lust auf mehr. Doch ich musste erfahren, dass Mark Hollis (1955-2019) im Monat zuvor verstorben war. Und dass nach dem Aus von Talk Talk 1991 nicht mehr viel Output gekommen war. Hollis hatte sich weitgehend aus dem Music-Biz zurückgezogen. Lediglich diese eine Solo-CD ist 1998 erschienen. Als wichtiger Grund wird oft seine Abscheu gegenüber der Musikindustrie genannt. Für Hollis selbst waren familiäre Gründe entscheidender: In einem seiner seltenen Interviews sagte er, er könne nicht auf Tour gehen und zugleich ein guter Vater sein.

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  • Kaktuskrone
  • KW 51.19: Des Jahres Schluss (2/3)

    Wichtigste Wendung in 2019:
    “How dare you” in Greta Thunbergs Anklage auf dem UN-Klimagipfel in New York (hier z.B. via Tagesschau auf Youtube) [mehr zu Thunberg, die 2019 u.a. mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, und der #FridaysForFuture-Bewegung:
    KW 46/19 + 11/19]

    Mein Schreckmoment des Jahres:
    die Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke mit einer per 3D-Drucker angefertigten Pistole
    [vgl. meine Sorge über gedruckte Waffen in KW 52/13]

    Mein Lieblingsmoment des Jahres:
    Jammen mit Felix auf Hombroich
    [mehr zur Museumsinsel: KW 41/19]

    Tollstes Theater(jubiläum) 2019:
    50 Jahre Junges Theater Bonn

    Das Junge Theater Bonn (JTB) ist nach eigenen Angaben das bestbesuchte Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Mehr als 150.000 Gäste pro Jahr schauen sich im Theatersaal in Bonn-Beuel eine der Inszenierungen an. Das JTB-Ensemble umfasst mehr als 30 Festangestellte (Schauspiel, Technik, Ausstattung und Verwaltung). Hinzu kommen rund 70 Kinder und Jugendliche im Nachwuchsensemble. Und das ist nach wie vor eine Besonderheit des JTB: Die Rollen von Kindern und Jugendlichen werden in vielen Produktionen tatsächlich von Kindern und Jugendlichen gespielt. Wikipedia rankt das JTB in der „Spitzenliga aller deutschen Kinder- und Jugendtheater“.

    Mich hat eine Inszenierung des JTB nachhaltig beeindruckt:
    Zu Schulzeiten war ich zwei Mal im Theater der Jugend, wie das JTB damals noch hieß. Seit der 1990 dort gesehenen Aufführung von Die Welle kann ich nicht mehr >richtig< klatschen.

            Im Stück Die Welle (nach dem gleichnamigen Buch von Morton Rhue, 1981)
            wagt ein Lehrer ein gefährliches Experiment mit dramatischen Folgen.
            Ben Ross demonstriert seiner Klasse im Live-Rollenspiel, wie leicht Menschen
            manipuliert und faschistoide Strukturen aufgebaut werden können.
            Schnell machen sich Gleichschaltung und Ausgrenzung breit –
            und schnell entwickelt das Ganze eine beängstigende Eigendynamik.

    Die Aufführung im Theater der Jugend wurde mit frenetischem Beifall bedacht. Zu Recht, sie war hervorragend. Doch mir blieb das Klatschen im Handgelenk stecken. Der Applaus wurde immer rhythmischer, immer gleichförmiger, immer fordernder. Ein wenig beängstigend sogar.

    Seitdem fällt es mir mitunter schwer, in tosendem Applaus ein- und unterzugehen. Selbstverständlich klatsche ich immer und meist auch laut. Beifall ist schließlich der Lohn der darstellenden Künste. Doch ich klatsche gern auch mal synkopisch, polyrhythmisch oder auch chaotisch.

    Das wichtigste Diversity-Jubiläum:
    50 Jahre Christopher Street Day
    [zur Geschichte des CSD: KW 28/19]

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  • Lichterkugel
  • KW 50.19: Des Jahres Schluss (1/3)

    Erziehungstipp des Jahres:
    “We kind of had a rule in the house that no one would ever make you go to sleep if you were playing music”, erzählt Billie Eilish in der September-Coverstory der Rolling Stone.

    Schönstes Sample in einem Lied:
    „Hören Sie! Was für ein Stakkato!“ im Song Endloses Band von Max Rieger alias All diese Gewalt (vgl. KW 45/19). Das dazugehörige Album Kein Punkt wird mehr fixiert kam zwar schon 2016 raus, erreichte mich aber erst 2019 via Bandcamp.

    Überraschendste CD in 2019:
    Gibbons singt Górecki.

    Gleich mit ihrem Debüt Dummy gelang Portishead mit Beth Gibbons (*1965) als Sängerin 1994 der Durchbruch. Seitdem sind lediglich sechs Alben mit ihr erschienen, vier davon mit Portishead. Auf der neuen, sechsten Platte ist sie als Solistin in einer Aufführung der 3. Sinfonie des polnischen Komponisten Henryk Górecki (1933-2010) zu hören. Die Aufführung der sog. Sinfonie der Klagelieder fand bereits 2014 in Warschau, Polen statt. LP, CD und DVD sind 2019 bei Domino erschienen.

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